Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Zur ostjüdischen Einwanderung in Preußen
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 8)
- Language
- German
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Salo Baron. Zur ostjüdischen Einwanderung in Preußen beiliegenden der Königl. Regierung von Ostpreußen eingereichten Pro Memoria auszuführen gesucht. Wir stimmen diesen Gründen mit vollem Herzen bei, und haben die vollkommene Ueberzeugung, daß es zum völligen Ruin nicht bloß des Handels, sondern auch eines ieden andern Gewerbes führen würde, wenn von der Festsetzung, daß es einem ieden mit dem Preußischen Staatsbürgerrecht versehenen Juden erlaubt se}', den Ort seiner Niederlassung selbst zu wählen, nicht in Hinsicht des hiesigen Ortes eine Ausnahme gemacht werden sollte. Ehrerbietigst und vertrauensvoll wenden wir uns daher mit der devoten Bitte an Ew. Durchlaucht: Höchstdieselben geruhen zu verfügen, daß nicht bloß dem das hiesige Bürgerrecht nachsuchenden Julius Ludwig Wiener, sondern auch einem ieden andern Juden die Erlaubniß, sich an dem hiesigen Orte als Gewerbetreibender niederzulassen, versagt werde. Wir schmeicheln uns einer gnädigen Erhörung dieses submissen Gesuchs und ersterben mit dem vollkommensten Respect, Ew. Durchlaucht Memel den 31t. Mai 1817. unterthänigste, gehorsamste Die Stadtverordneten und Kaufmannschaft Woitkowitz, Wm. Bierbohm, Lorck, Reincke, Buchsteiner, Evers, Sieck, Imtelmann. Dazu folgt als Beilage 1 der ablehnende Bescheid der ostpreußischen Regierung, Königsberg, 26. März 1817, und als Beilage 2 das folgende Promemoria: P. M. Wenn die hiesige Kaufmannschaft bei der Entwerfung des Statuts für die aus ihr zu bildende Corporation den Wunsch aussprach: daß es nur den zur christlichen Religion sich bekennenden Individuen — mithin den Juden nicht — gestattet werden möchte, die Aufnahme in die Corporation zu verlangen, so wurde dieser Wunsch durch nachfolgende Gründe motivirt: A. Im Allgemeinen hält die Kaufmannschaft das Ueberhandnehmen der Juden in den preußischen Staaten und der Nation äußerst nachtheilig, weil die Erfahrung es lehrt, 1, daß sie, wenn sie auswärtige Staaten verlassen, um sich hier anzusiedeln, keine Schätze mitbringen, vielmehr arm und blos herkommen, und also dem Lande keine baaren Fonds zubringen. 2, daß sie sich keinem, körperliche Anstrengung und Beharrlichkeit erfordernden Gewerbe widmen, und daher nicht zu der erzeugenden, sondern nur zu der verzehrenden Classe —welche in den preußischen Staaten ohne dies schon groß genug ist — gezählt werden können. 3, daß sie, indem sie den Hauptzweck ihres Daseins darin zu setzen scheinen, sich in den Besitz der möglichst grossesten Summe baaren Geldes zu setzen, auch bei andern den Geist einer nützlichen Industrie ersticken und ihre Kraft lähmen. 4, daß sie, um jenen Hauptzweck ihres Daseins zu erreichen, kein Mittel, und sey es auch noch so schmutzig verschmähen, durch ihre, zum Theil aus ihrer geringen Bildung entspringende Immoralität aber auf die Moralität ihrer Umgebungen nachtheilig einwürken. 5, daß sie — arm an Geist und gutem Willen, eine unbetretene Bahn zu betreten — noch nie eine neue Quelle des Erwerbes aufgesucht und in den Ort ihres Aufenthalts gezogen, — dadurch aber selbst beurkundet haben, daß sie unfähig sind, der Nation mit der, und dem Staate in dem sie leben wesentliche und dauernde Vortheile zu gewähren, — und endlich 201