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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 192

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
Date
1931-01-01
Page
Seite 192 (sequence 13)
Language
German
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Otto Kluge. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus zum Richtigen seien126). All das trägt er .in einer persönlichen, anschaulichen Weise vor. Er kommt zu Erkenntnissen, in denen das Genie aufblitzt. Und so ist aus dem Lexikon trotz seiner Verirrungen eine im großen und ganzen genießbare Sache geworden127). Münster ist in Auffassung und Darstellung ein Endpunkt. Mit ihm überschreiten wir die Grenze, die sich hinzieht zwischen der alten philologischen Methode des humanistischen Sprachbetriebs und der neuen von der Theologie beeinflußten. Ein anderes Aussehen und einen stark dilettantischen Charakter hatte die Sprachwissenschaft, soweit sie in den Händen von Medizinmännern und Astralnaturen lag, wie Thurneißer (s. o. Teil I. S. 86) einer war. Die Sprachgewaltigen taten sich etwas darauf zugute, sich einander die Alphabete zuzuschicken. Der Leipziger M. Elias Hutter schickte an Thurneißer 1578 „sehr gut geschriebene Alphabete der syrischen, arabischen und äthiopischen Sprachen und erbot sich nach Berlin zu kommen, um beim Schneiden der Matrizen zu diesen Buchstaben selbst gegenwärtig zu sein"128). Von Ladislaus Cubinius, Kaiserl. obersten Feld- und Kriegssekretär, erhielt Thurneißer aus Kaschau in Ungarn folgende sehr sauber abgeschriebene Alphabete: althebräisch, wie es vor den Zeiten des Esra geschrieben worden, altchaldäisch, indisch, arabisch, syrisch, türkisch, sarazenisch, illyrisch, slavonisch, ägyptisch, scytisch, wallachisch, ungarisch, armenisch, glogolitisch und cyrillisch. In seinem Onomasticon129) sind die Alphabete und Silben von 32 in Europa gewöhnlichen und 68 fremden, teils morgenländischen, teils auch ausgegangenen Sprachen auf sechs Tafeln dargestellt. „Er wußte die Gelehrsamkeit zur Vermehrung seines Ruhms ais sein Eigentum zu gebrauchen"130). Dies Onomasticon erklärt Thurneißer als ein Mekalleschnuth mstfb bst? „das ist aus allerley Sprachen mit sunderlichem Fleiß zusammengetragen". Aus der Vorrede interessieren die Bemerkungen über Vokalisation und die über Aussprache der Mutae. „Derhalben so geschieht es auch offt in allerley worten / also das mannichmal ein Buchstab mit zugab eins kleinen pünctleins / für einen andern Buchstaben gesetzt oder genommen wird / Als in dem Hebreeischen und Chaldeeischen / do das 8 Aleph offt ohne punet für sich selbst nichts / gepunetirt aber / etwan für ein a. e. ae. i. o. u je nachdem es entweder mit (folgt Angabe der Vokal1zeichen) welchs allen Literen außgenommen nynns eingeleibt besetzt / außgesprochen und verstanden wird." Ueber die Bedeutung des „Tages" heißt es: „Als so das 3 also darmit signirt / wird es für ein B / so es aber ohn den punet also 2 steht / wird es für ein F oder V gelesen / Also wird dz Thau punetirt für ein T, so es aber also ohn Tages n steht / für ein TH oder S genommen. . . Wie etwan sichs begibt / das ein Buchstab den Sententz jetzt mit pfeifen / bald mit lispen / idem jetz mit der Aspiration / bald durch ein abkürtzung oder uffhaltung / und doch wieder sein eigen 126) „Monitores sunt veritatis, etiamsi ipsi interim in tenebris et erroribus versantur." J. H. Hottinger, Thesaurus philologicus. Tiguri 1649. S. 246. 12T) Die Suche nach Frühdrucken machte mich im Herbst 1931 in der Stiftsbibliothek der Benediktinerabtei Burgeis bei Meran bekannt mit der seltenen Ausgabe von Münsters „Dictionarium hebraicum" Basil. Froben 1548 (Wolf IV. 239. Steinschn. 1384) mit e. handschr. Besitzvermerk von Joh. Buxtorf jun. 1632. 12») Moehsen, S. 92. 129) Onomasticum und Interpretatio über etliche frembde und unbekante Nomina, Verba, Proverbia, Dicta, Sylben, Caracter und sonst Reden. 6 ungez. BL, 188 S., fol. max. Berlin 1583. Angehängt sind 8 Buchstabentafeln, Alphabet-Katalog von Merkwürdigkeiten aus den Schriften des Aurelius Theophrast Paracelsus v. Hohenheim u. a. in deutscher Sprache. Der Buchstabe A nimmt allein 108 Seiten ein. 13°) Moehsen, S. 92. Auf den semitischen Sprachbetrieb paßt die Beobachtung, die 1518 Melanchthon über die griechischen Studien machte: „Graeca a quibusdam male feriatis ingeniis ad ostentationem parari." Melanchthon „De corrigendis adolesc. studiis". Corp. Ref. XI, S. 15. „male feriati" „die zur Unzeit Freudenfeste feiern" nennt Horaz die Troer. 192

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