Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 14)
- Language
- German
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Salo Baron. Zur ostjüdischen Einwanderung in Preußen arth außgesprochen wird"131). Durchsetzt sind diese Belehrungen mit Entschuldigungen, daß er „offt Paragogischer offt occultischer und mannichmahl Cabalistischer weiß, / aus und innerthalb heiliger Schlifft rede / die Wörter oder sylben und buchstaben deute oder außlege." Zur ostjüdischen Einwanderung in Preußen Aktenstücke, mitgeteilt von Salo Baron Seit 1648 kam Welle auf Welle von Juden aus dem damaligen Polen in die benachbarten Länder. In den steten Wanderbewegungen des jüdischen Volkes bedeutet dieses Jahr einen großen Wendepunkt, und noch immer befinden wir uns in der Periode dieser letzten ostwestlichen Bewegung. Den Nachbarstaaten war diese Zuwanderung zunächst nicht unwillkommen. Manche von ihnen, wie auch insbesondere Brandenburg-Preußen, haben aus merkantilistischen Gründen ihre Tore jüdischen Einwanderern geöffnet. Bald aber trat eine rückläufige Bewegung ein, und die Gesetzgebung begann von neuem, Wälle gegen diese Immigration aufzurichten. Jedoch das biologische Gesetz erwies sich stärker, und Jahrzehnt nach Jahrzehnt sah eine größere oder geringere Menge östlicher Juden sich in den preußischen Gebieten unter der einen oder anderen rechtlichen Form, gelegentlich auch unrechtmäßig, ansiedeln. Die großen Auswirkungen, welche diese Einwanderung unstreitig auf die Erhaltung des Judentums und seiner Kultur in diesen Ländern hatte, unterlag und unterliegt noch einer verschiedenen Bewertung. Innerhalb und außerhalb des jüdischen Volkes wird immer von neuem die Frage schriftstellerisch behandelt, ohne daß aber dabei wesentlich neue Argumente zum Ausdruck kämen. Insbesondere wird mit jedem periodischen Aufflackern des Antisemitismus auch dieses Problem in den Brennpunkt der Diskussion gezogen. Am deutlichsten kam dies während der ersten Reaktionsperiode und der Hepp-Heppbewegung, während der Begründung des Rassenantisemitismus in den 80er Jahren und in den ersten Nachkriegsjahren zum Vorschein. Wir wollen im Folgenden aus der Fülle des darüber vorhandenen, noch unveröffentlichten Materials zwei Vorgänge herausgreifen, die in interessanter Weise die Stimmung sowohl des amtlichen Preußen als auch der Kaufmannschaft einzelner Städte in der Periode von 1813 bis 1817 widerspiegeln. Dabei werfen die behandelten Aktenstücke1) auch noch auf andere Seiten der jüdischen Geschichte dieser Periode ein gewisses Licht. 1S1) Onomast., Bl. 5 a. J) Diese Aktenstücke befinden sich sämtlich im Preuß. Geh. Staatsarch. unter Rep. 74 I. IX No. 8 u. 9. 193