Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 12)
- Language
- German
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Otto Kluse. . Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus und rechtfertigt vielleicht seinen Anspruch auf den Namen des ersten Orientalisten120). Sein aramäisches Lexikon hat den Namen seines berühmten Vorgängers Aruch121). In der Einleitung sagt Münster122): „Dies Lexikon hat jeder nötig, der die hebräischen Peruschim123) lesen will. Daher mußte ich selbst zuvor den ganzen Targum, d. h. das Alte Testament in chaldäischer Sprache lesen, dazu die hebräischen Kommentare, soweit sie mir erreichbar waren. Die Vokabeln verglich ich dann mit den Vokabeln im hebräischen Aruch des Sanctes Pagninus124), nahm aber in mein Lexikon nur chaldäische Worte auf, um es nicht zu belasten." Münster erwähnt auch hier die große Verwandtschaft zwischen Chaldäisch und Hebräisch und nennt an Abweichungen die Personalendungen im Verb und die Numerusendungen im Nomen unter Hinweis auf seine Grammatik125). Das Buch ist auch interessant durch Hans Holbeins d. J. Holzschnitte der Titeleinfassung, deren einer (links oben) vermutlich Münster selbst darstellen soll: ein kahlköpfiger Gottesgelehrter wie Elisa, als er 42 böse Buben, die ihn ob seiner Glatze höhnten, von wilden Bären zerreißen ließ . Endlich erwähne ich sein dreisprachiges Lexikon ttft^a? Maltf^ Dictionarium trilingue (Basel, H. Petri 1530. 4°. 238 S.), in dem neben den alphabetisch geordneten lateinischen Wörtern die griechischen und zuletzt die hebräischen stehen. In der Vorrede gibt er eine Erklärung dafür, daß man vielleicht hie und da ein hebräisches Wort vermisse; das liege an dem Mangel des Hebräischen an Zusammensetzungen, balneum z. B. müsse man durch n s 3 r^*"}1?? umschreiben (S. 25). Die Ausdrücke nimmt er auch aus der Sprache der Rabbinen, die nach seiner Meinung trotz ihrer Irrtümer oft die Führer 12°) Das Bewußtsein der Sprachverwandtschaft läßt sich bei den Hebraisten früh feststellen. Schon Hieronymus (praef. in Dan.): Iobum cum Arabica lingua plurimam habere societatem. Gesenius, S. 33. In der 2. Hälfte des 13. Jahrh. verglich Tanchum Hebräisch, Arabisch und Aramäisch (Goldziher, SS. 11 ff. 22), im 15. Jahrh. nannte Efodi das Arabische und Aramäische ein verdorbenes Hebräisch. „Quandoquidem Syri, Arabes, Palestini, Phoenices aliaeque in Oriente pleraeque gentes corrupte loquuntur Chaldaice hebraiceque." Winmann, Bl. 4 b. Das Folgende z. T. nach Bacher, S. 87—98. Bei Abrah. Bedarschi (13. Jahrh.) findet sich die Etymologie von p"3* unter Ableitung von der Wurzel nn« („begehren"), die sich zur Bedeutungsantithese zwischen hebr. „arm" (ebjon) und arab. „reich" (i. PL aßhäb) entwickelt hat: „Ebjon" ist, wer begehrt, was er nicht besitzt; auch der Reiche kann oft so genannt werden, weil er immer mehr begehrt, als er hat, oder weil er mit Erfolg begehrt hat. Vgl. C. Abel, lieber den Gegensinn der Urworie, Leipzig 1884, S. 28 f. Das beobachtete schon N. Winmann: „Jam et illud sciendum, hebreis multas esse voces, quae aliquando sibiipsis contraria significant." Als Beispiele solcher „antiphrastischen" Ausdrücke nennt er 8ön (peccavit-peccatum expiavit), (benedixit-maledixit), ntfnp, (honesta mulier-scortum). Winmann, Bl. 8 a. Weitere Beiträge zum Kapitel der „contraria significatio" bei B. Blancuccio, Institutiones in ling. s. hebr. Romae 1608. S. 267. In der Worterklärung bemüht sich Ibn Kaspi (14. Jahrh.), in jeder Wurzel aus der allgemeinen Grundbedeutung die übrigen Bedeutungen herzuleiten, wobei neben Willkürlichem und Gezwungenem auch viel Richtiges geboten wird, z. B. wenn er jjn „sich bewegen, um den Altar hinken" als Wurzelbegriff für an „Fest, Opfer" anspricht. Efodi reflektiert über die Unveränderlichkeit des Nomens: sie sei ein Vorzug des Hebräischen gegenüber dem Griechischen und Lateinischen und entspreche der Logik, da ja die Substanz, der das Nomen zum Ausdruck diene, keiner Veränderung unterworfen sei. Vgl. o. Anm. 91. 121) S. o. Teil I, S. 88. 122) Münster, Aruch, Bl. 4 a. 123) Leitsätze, vom Stamm tfia scheiden, bestimmen. 124) Perles, S. 22. Gesenius, S. 113. 12*) Münster, Aruch, Bl. 3 b. 191