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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 190

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
Date
1931-01-01
Page
Seite 190 (sequence 11)
Language
German
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Otto Kluse. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus Phase der dem Arabischen nahestehenden abessinischen Sprachen, entwickelte sich literarisch seit Einführung des Christentums zwischen dem 3. und 7. Jahrhundert und erhielt sich als Bücher- und Kirchensprache114). Münster gründet seine Nachricht auf J. Potkens „Psalterium scriptum incognitis et anthac non visis characteribus"115) und des Bernhard von Breitenbach Itinerarium116), in dem dieser von „Abasini sive Indiani" schreibt. Münster unterscheidet nach dem Vorbild Potkens zwei Indien, eines in Asien, dessen Sprache wir nicht kennen, und eines in Afrika, Arabien benachbart im Osten, Aegypten im Norden, Aethiopien im Westen, dessen Einwohner „Abasini et Indiani" heißen und Troglodyten seien. Er legt das Alphabet und den Anfang des 86. Psalms in dieser von ihm sehr respektierten Sprache vor und kommt zu dem Schluß, daß diese sog. Indianersprache nicht Chaldäisch sei. „Proinde mihi videtur eam Aethiopum esse Iinguam, sicut et Abasini ipsi non admodum ab Aethiopibus differre dicuntur117). In der Tat war Aethiopien im Altertum, und Mittelalter der Name für Abessinien. Sebastian Franck z. B. schreibt: „Es ist zweierley Morenland oder Ethiopia, eins in Aphrica das ander in Asia gelegen .. heyßt yetz India"118) und beschreibt die geographische Lage des ersteren dann ähnlich wie oben Münster. In der Grammatik nun entnimmt Münster, anders als Levita (s. o.), sein Aramäisch außer dem Daniel und Esra auch den Targumim des Onkelos und des Jonathan ben Uziel119) u. a. Seine Beherrschung der verwandten Sprachen befähigte ihn in bescheidenem Umfang zur Sprachvergleichung 114) „ ... Chaldaea in eorum sacris uterentur lingua", Potken, Bl. 143 b. Nöldecke, S. 68 f. Eine äthiopische Grammatik von Marius Victorinus erschien Rom 1548. Benfey, SS. 726, 219. Zenker, Bibl. Orient. Leipzig 1861. Bd. 2. No. 1595. Reiche Sammlungen äthiop. Handschriften (Uebersetzungen aus der LXX bes. d. Apokryphen, Buch Henoch, d. Jubiläen) in Oxford, Tübingen, Paris. 115) Joh. Potken, Probst von Köln, t 1524, führte die bis auf seine Zeit ganz unbekannte äthiopische Sprache in die Literatur ein. „Ling. Chald. per me in Europam importari coepta" Potken, Bl. 143 b. S. o. Anm. 45. Er gab nach zweijährigem Studium auf eigene Kosten die Psalmen unter dem irrtümlichen Namen „Psalterium chaldaicum" in äthiopischer Sprache heraus, Rom 1513. L. Ennen, Gesch. der Stadt Köln. 6 Bde. Köln 1863 ff. Bd. 4 (1875), S. 85. Diese 1. Ausg. (i. d. Vorrede d. Worte: „cum nonnullos Ethiopes, qui se Jndos appellabant, psallentes.. advertissem, ab eis didici.."), völlig verschollen, ist beschrieben in „Nachrichten von e. Hallischen Bibliothek", 8 Bd., Halle 1751, S. 473—77. Eine viersprach. Ausg. d. Psalters (s. Abk.) folgte 1518, da P. als „guter Deutscher sich seinem Vaterland als Schuldner wußte" (praef.). In Briefen an Reuchlin nennt er d. äthiop. Sprache teils „lingua Chaldia" teils „lingua babylonica" (25. Jan. 1515, 13. Sept. 1516. Geiger, Briefw. SS. 236, 258). Geiger (S. 247) denkt an Samaritanisch. Vgl. Baumgarten, 5. Bd. 1754, S. 95—97. 116) Beruh, v. Breydenbach, Domherr von Mainz, f 1497, förderte durch die Beschreibung seiner Reise nach Palästina und Aegypten („anno salutis 1483", Bl. 4 a) das geographische Wissen. Allg. Dtsch. Biogr. 3, S. 285. D. Preuß, Staatsbibl. besitzt d. lat. Ausgabe von 1502 o. O. 73 Bl. Gr. 4°. Der Titel ist zu erschließen aus der „praefatio in opus transmarinae peregrinationis ad venerandum et gloriosum sepulchrum dominicum in Hierusalem" (Bl. 2 a). In einem Kapitel „De Abasinis sive Indianis et eorum cerimoniis" (Bl. 41 b) plaziert B. dieses Volk in die Nähe von Jerusalem, erzählt dessen Bekehrung durch den Apostel Thomas, schildert sagenhafte Züge der Bewohner („nigri instar Aethiopum") unter Hinzugabe des Bildes zweier anscheinend sich zankender Männer und malt ein ebenso sagenhaftes Alphabet von 47 Buchstaben. W. Stammler, Von der Mystik zum Barock. Stuttgart 1927, S. 249. "') Münster, Diqduq, S. 13—16. "») Seb. Franck, Weltbuchspiegel. Tübing. 1534. BL 6 a. 119) Münster, Diqduq, Bl. 2 b. 190

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