Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 10)
- Language
- German
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Otto Kluge. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus und deren Glossatoren dem lateinisch gebildeten Publikum zugänglich machte. „Nempe lingua illa extranea et quae latinis auribus hactenus omnino incognita fuit", sagt Sebastian Münster (1489—1553, 1524—1527 in Heidelberg, seit 1529 Lehrer des Hebräischen in Basel als Nachfolger Oekolampads) in der Vorrede zu seiner lateinischen und hebräischen Ausgabe von Elias Levitas o^r» (Basel 1527), um seinen Gegnern, die nach Fehlern in seinen Schriften suchten, das Wasser von der Mühle zu nehmen. Denn er mochte nicht gern unter seinen Zeitgenossen einen Meister finden, er, der sich als Dritten neben Reuchlin und Pellikan stellte: „His ego •Pö^fr 109) tertius accessi", schreibt er 1542 mit der bei den Humanisten beliebten Gewohnheit, ihrem lateinischen Text manchmal ein paar hebräische Worte einzufügen. Münster konnte mehr. Seine Werke enthalten zusammenhängende hebräische Widmungen und Einleitungen und eigene hebräische Traktate. Seine Grammatica hebraica absoluta110) trägt von der 2. Auflage an den Titel D^fn pnfJin rissba opus grammaticum consummatum, ex variis Elianis libris concinnatum. Die schon im Titel ausgedrückte Abhängigkeit von Levita, die Münster in der an einen Johannes M(arbach?) gerichteten Vorrede begründet, hat die Verbreitung des Buches nicht beeinträchtigt; im Gegenteil verdankt es diese Resonanz seinem dem Levita nachgebildeten durchaus elementaren kompendienhaften Charakter. Die Vorrede erzählt des Verfassers Bildungsgeschichte und den damaligen Zustand der hebräischen Gelehrsamkeit. Die Lehre von der Flexion des Nomens ist schon sehr klar und genau. Nach Levitas Beispiel hat Münster auch Tabellentafeln angefertigt für Verb und Nomen. Die Grammatik steht auf der Höhe der Zeit. Im Anhang befindet sich als Uebungsstück der hebr. Text und die Uebersetzung des Tobias. Münsters weiten Blick und umfassende Kenntnisse zeigt auch sein Lehrbuch der chaldäischen Sprache111). Er spricht in der Einleitung von der Verwandtschaft des Aramäischen mit dem Hebräischen, zeigt an der Silbenbildung „hanc linguam nonnihil cum Hebraica habere affinitatis"112) und behandelt dann ausführlich die Eigentümlichkeit der Lautzeichen, die Nominal- und Verbalbildung. Ein merkwürdiges Zeugnis gibt er vom Aethiopischen, das er „lingua Indiana" nennt, eine Umnennung für lingua Indica, als welche das Aethiopische 1538 bei W. Postell erscheint u3). Das Aethiopische, die ältere 109) Ueber „Talmid" Schüler s. M. Steinschneider in Hebr. Bibliographie, Bd. 7. Berlin 1864. S. 16—19. 110) Basel bei H. Petri. 1542. 8°., 2. Aufl. 1556, 6. Aufl. 1570. In Preuß. Staatsbibl. 3. Aufl. 1563, 387 S. Steinschn. 1383. Vgl. Wolf II, SS. 555, 613. Gesenius, S. 110. Ueber Levitas Einfluß: Levi, S. 26. 1U) S. Abk. Der Titel zeugt von Ueberhebung (vgl. d. ähnliche Formulierung in der Vorrede zu Reuchlins „Rudimenta", s. o. Teil I, S. 96.), denn Münster war auf diesem Gebiet nicht der erste. Abgesehen von Levita und Fagius hatte Matth. Aurogallus (in Wittenberg 1521—1543) in der 2. Ausgabe seines „Compendium Hebraeae Grammatices" unter dem Titel „Compend. H. Chaldeaeque Gr." (Wittenb. b. J. Klug 1525) das Aramäische berücksichtigt. Bauch, S. 473. W. F. Hetzel, Geschichte der hebr. Sprache. Halle 1776. S. 160. 112) Münster, Diqduq, S. 14. 113) S. o. A. 40. Benfey, S. 227. „Indianer" nannten die Entdecker Amerikas die Eingeborenen, in der Meinung, einen neuen Weg nach Indien gefunden zu haben. Des Billons (S. J.), Nouveaux Eclaircissements sur la vie et les ouvrages de Guill. Postel. Liege 1771. S. 16, 18, 44. Postel unterhielt mit A. Masius regen Briefwechsel. S. Teil III, Anm. 89. 189