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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 188

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
Date
1931-01-01
Page
Seite 188 (sequence 9)
Language
German
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Otto Kluge. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus Barth. Caesars „Elementale hebraicum"101). Das Abschreiben mag weit in das 16. Jahrhundert fortgedauert haben; denn die Bücher waren teuer, und das hinderte oft ihre Anschaffung von Seiten der Studenten. Die Beschaffung eines Lexikons wird in der „Deliberatio" des großen Augsburger Rektors Hier. Wolff (1576) nur von den Reichen erwartet; ja man meinte sogar, mit gutem Recht die öffentliche Wohltätigkeit für Bücherstiftungen in Anspruch nehmen zu dürfen102). Reuchlin ließ in Tübingen auf Universitätskosten 100 hebräische Bibeln für seine Zuhörer kommen103), desgleichen Melanchthon in Wittenberg104). Der Hauptort des hebräischen Buchdrucks war Basel, „inclyta Germaniae Basilea"105). Dort druckte Amerbach in recht unvollkommener Weise Pellikans Grammatik. Adrianus fragte ihn bei seinem Verlagsangebot, ob er dieselben guten Typen (caractas characteres) habe wie Anshelm106). Er hatte wohl Grund, dies zu bezweifeln. Von den Basler Druckern seien noch genannt H. Petreus (Petri), der Levitas Masoret hammasoret (s. o.) und zwei Werke Münsters (s. u.) druckte, J. Froben, der Münsters chaldäische Grammatik, Capitos Hebraicae institutiones 1518107) und Forsters Bibellexikon 1557 druckte/ J. Oporinus, der M. Neanders Erotemata druckte. Die Werke werden uns noch begegnen. Auch Oporinus ist ein Beispiel für die Vereinigung von Schulmeister und Drucker: er war Doktor, Th. Platters Lehrer und Herbergsvater und assoziierte sich mit seinem Schüler, der gern einwilligte, da er sah, „wie die trukerherren ein gutte sach hatten, mit wenig arbeit groß gut gewunnent".108) Die Bedeutung des Buchdrucks für das Studium der hebräischen Sprache besteht darin, daß er die alttestamentlichen Schriftsteller plaire de la Bibliotheque nationale ä Paris". Schwab, S. 76. Schwabs Buch ist der Ertrag einer im Auftrag des franz. Unterrichtsministeriums nach Süddeutschland und der Schweiz unternommenen Studienreise. 101) Steinschn. vacat; Bauch, SS. 284, 481. Caesar war ein Schüler Böschensteins (genannt in der Vorrede zu dessen Elementale introductorium; s. o.) und Reuchlins (genannt in einem Brief L. Behaims an R. — Geiger, Briefwechsel, S. 245). 102) „Quis libros comparet sine stipendio Überall? Quis vero studeat sine libris?" Institutio 2 b. S. 429. 439. 103) Urkunden Tübingen, S. 131. 1°*) Brief an Spalatin, Sept. 1518. Corp. Ref. I, S. 43. n») So auf dem Titelblatt des von B. Lasius u. Th. Platter 1536 gedruckten „Julii Pollucis onomasticum". H. Boos, Thomas und Felix Platter, Leipzig 1878. S. V. 106) Geiger, Jahrbücher, S. 194. Th. Anshelm in Pforzheim, Tübingen und Hagenau war Reuchlins Drucker. Allg. Deutsche Biogr. I, S. 483. 107) Lüthi, S. 5 f. Capito, ein Schüler Adrians (Steinschn., No. 15), gab außerdem 1518 die „Introductio utilissima Hebraice discere cupientibus" des Aldus Manutius heraus. Steinschn., No. 110, 4; Bauch, S. 461. 10*) Boos (s. A. 105), S. 54, 88. Vgl. F. Streuber, Neue Beiträge zur Basler Buchdruckergesch. („Beiträge zur vaterl. Geschichte". Basel 1846. III, S. 68). — La Caille, S. 37, spricht von des Oporinus umfangreichen Werken, „qu'il corrigeoit luymesme". Ebenso Mallinkrot: „quem nihil excudisse legimus, quod non ipsemet prius diligentissime a se revisuin correxisset" (S. 96). Das bezieht sich doch wohl auch auf die hebr. Drucke, an deren Unzuverlässigkeit die Zeitgenossen häufig Anstoß nahmen (s. o.). Den Namen Oporinus — sein Vater hieß noch „Herbst" — leitet La Caille ab vom griechischen ö-jz&pa. Sonst leistet sich der französische Literarhistoriker allerlei hanebüchene Etymologien. Z. B. übersetzt er seinen Lesern „Tractatus Petri Nigri" mit „Traite par Frere Pierre Bruder" (S. 32). 188

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