Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 8)
- Language
- German
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Otto Kluge. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus zahlreicher Bibelstellen und rabbinischer Zitate. Die letzten Seiten (S. 155 ff.) enthalten einige chaldäische Paraphrasen des Onkelos (aus der Venedigerausgabe) mit lateinischer Uebersetzung und ein sechszeiliges hebräisches Gedichtchen mit reimenden Endungen. Fagius deutet selten auf seinen christlichen Standpunkt hin, Ausfälle gegen die Juden verbieten ihm seine Einsicht und sein Takt, jüdische Eigentümlichkeiten stellt er objektiv dar und sucht dabei irgendeinen Vorteil für seine Leser herauszuschlagen, so in seinem Parvus tractatus hsäk Über fidei (Isnae 1542), wo er hebräische Gebete und Festbräuche erklärt, um von ihnen aus die christlichen besser zu verstehen. Mit einem mitleidigen Achselzucken geht er über die „bedauerliche Blindheit des jüdischen Volkes" hinweg, die „deploranda Judaici populi caecitas, qui carnalia Semper magis quam spiritualia a deo expetunt, quaeque ventrem potius quam animam pascunt". Vielleicht möchten doch einige ihren Irrtum einsehen und sich bekehren (Bl. 1 b „ad lectorem"). Fagius wurde in späteren Jahren Professor in Straßburg, wo Martin Crusius, Gräzist und Todfeind Frischlins, sein Schüler war, und starb 1549 im gleichen Jahr wie Levita als Professor der hebräischen Sprache in England. Fagius Name hat einen Platz auch in der Geschichte des hebräischen Buchdrucks. Die Buchdrucker waren nicht selten Gelehrte und traten wie von selbst in den Dienst des Unterrichts98). Fagius' Presse diente wesentlich den eigenen Werken des Besitzers (seit 1540) und denen seines Lehrers El. Levita. Hebräische Typen waren in den deutschen Druckereien anfangs selten; in Italien sind die hebräischen Drucke früher als in Deutschland"). Dem Mangel an Typen suchten die Drucker bisweilen dadurch abzuhelfen, daß sie den Raum dafür freiließen und die Ergänzung der schriftlichen Eintragung überließen. So noch in Böschensteins hebräischer Grammatik 151810°) und in 98) Vgl. die „Typographorum aliquot doctrina excellentium nomenclatura" bei B. a Mallinkrot, De ortu et progressu artis typographicae, Col. Agr. 1640. 11 Bl. 127 S. 4 Bl. 4°. Ex. Berlin Staatsbibl. S. 91 ff. ") Nach Freimann, S. 110, sind bis zum Jahre 1500 rund 100 hebräische Drucke in 16 Druckereien entstanden, sämtlich ausschließlich in Italien und der Pyrenäenhalbinsel — auffallend, aber vielleicht zu erklären durch die günstige Lage dieser Länder als Absatzgebiete. Auffallenderweise ist die berühmte Aldina Officina des Aldus Manutius in Venedig nicht darunter* und Mallinkrots Angabe (S. 91) falsch: „nunc eundem (A. M.) puto primum esse, qui typos Hebraicos adhibuerit". H. T. Brown, The Venetian Printing Press, London 1890. S. 428. Als erste Drucke gelten Gersonides zu Hiob und Psalmen mit Komm, von D. Kimchi, 1477. Nestle weist nach, daß sich schon 1444 u. 1446 zwei Israeliten in Avignon mit der Verfertigung hebr. Typen abgaben. Ueber den vermeintlich ersten hebr. Druck sagt Jean de La Caille, S. 51: „A Rimini en Italie on imprima Hebraice liber Fundamentorum Judaicae religionis contra Christianos, in quarto en 1486". Für Frankreich gibt E. Egger (L'Hellenisme en France, 2 Bde. Paris 1869. Bd. 1, S. 159) 1508 als Erscheinungsjahr der ersten hebr. Grammatik an, „suivie d'un aiphabet et de prieres dans la raerae langue". Eine Geschichte der hebr. Bibeldrucke bis 1528 bei Ginsburg, S. 779 ff. E. Nestle, Die ersten hebr. Typen. Orientalist. Literaturzeitung. XIV (1911), S. 155. 10°) S. o. A. 69. „Toutes les intercalations hebreux (remplies dans la deuxieme edition de 1521) sont restees en blanc; elles ont ete remplies ä la main dans l'exem- 187