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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 186

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
Date
1931-01-01
Page
Seite 186 (sequence 7)
Language
German
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Otto Kluse. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus nähme zu kommen, vielmehr zu heftigen literarischen Kämpfen Anlaß93). Wie für das Zeitgeschichtliche Levita den richtigen Blick hat, so auch für die Bedeutung der Masora. Er sieht in ihr die richtige Aussprache des Althebräischen, den Mutterboden der hebräischen Grammatik; sie ist ihm Autorität, die der Exeget nicht willkürlich verlassen und ändern darf. Die folgende Entwicklung der Spracherkenntnis ist wesentlich sein Werk. Mit wachsender Schnelligkeit verbreiteten sich seine Gedanken auf deutschem Boden. Mich. Neander und seine Schule gehen wesentlich auf ihn zurück. Nachdem die Juden in ihm ihren Kulminationspunkt erreicht hatten, treten sie in den Hintergrund, geht das Studium der Sprache zu den Christen über. Paul Fagius (deutsch „Büchlein", 1504—1549), lebte lange als Schulmeister in Isny und gründete dort eine hebräische Druckerei. Er empfahl das Zurückgehen auf die chaldäischenSi) Bibelübersetzungen, da sie nach der Septuaginta die ältesten seien und die beste Handhabe böten für Kritik und Feststellung des hebräischen Textes95). So hat er das Targum des Onkelos übersetzt, jene im 13. Jahrhundert in Babylonien entstandene Handschrift mit oberer Punktation, deren Wichtigkeit die spätere Wissenschaft gebührend gewürdigt hat96). Außer den chaldäischen Textstudien ist von ihm noch ein rein exegetisches Werk zu erwähnen, seine Erklärung der vier ersten Kapitel der Genesis (s. Abk.) mit Benutzung der rabbinischen Kommentare (D. Kimchi u. a.). Das Buch widmete er dem Theologen an Sturms Akademie Joh. Marbach (s. u. S. 189), um die Wichtigkeit der hebräischen Sprache für die Theologie darzutun97). Im Werk selbst stellt er ein hebräisches Wort oder einen Satzteil an die Spitze, darunter die lateinische Uebersetzung und die sehr ausführliche Erklärung mit Benutzung 9S) Chr. D. Ginsburg, Life of Elias Levita. London 1867. S. 44—63. Bacher, Z.D.M.G., Bd. 43 (1889) S. 231 f. Levi, S.32. Das Dogma von der Verbalinspiration wurde in der christl. Kirche bis auf die hebr. Vokalzeichen ausgedehnt. Das hierauf bezügliche Schweizer Bekenntnis, der sog. Consensus Helveticus, sollte von dem Profess. humaniorum Crespin in Bern unterschrieben werden. Er tat es mit den Worten: „um keinen Skandal zu machen, stimme ich in allem mit den Vätern und Brüdern überein — excep'tis quae captum meum superant". Histoire des troubles arrives en egard du consensus. Basel 1726. S. 52. Einer der frühesten Anhänger Levitas war Joh. Vallensis (Opus de prosodia Hebr. Parisiis 1545. Bl. 3 a). Luther hielt die Vokalzeichen für ein „neu Menschen-Fündlein", d. h. für jünger als die hebr. Buchstaben und glaubte, sie könnten zu des Hieronymus Zeit, also im 4. Jahrh., noch nicht erfunden gewesen sein. In Genesin enarrat. (1535—45) cp. 36 u. 47. Werke, Weimar. Ausg. Bd. 44. S. 224 u. 683. Noch Joh. Buxtorf jun. verteidigte um die Mitte des 17. Jahrh. den göttlichen Ursprung der Vokalzeichen. Buxtorf Joh. fil, Anticritica adversus Lud. Capellum. Bas. 1653. S. 319—24. W. F. Hetzel, Geschichte d. hebr. Sprache. Halle 1776. SS. 150, 219, 250. 94) chaldäisch, die lange übliche Bezeichnung für aramäisch (Nöldeke, S. 37), ausgehend von der Ansicht, daß die Juden Palästinas ihren aramäischen Dialekt direkt aus Babylon bezogen hätten. Liter, zum Kapitel: Analogie zw. Hebr. u. Aram. bei Kluge, Methodik, S. 17, A. 1. 95) Fagius, Epistola nuncupatoria: „ita quoque temere et imprudenter mihi illi facere videntur, qui hebraeorum commentaria in Universum exibilanda et explodenda iudicant, cum hoc ausim affirmare neminem sine illorum lectione et adminiculo ad solidam hebraicae linguae Cognitionen! unquam perventurum". Dsgl. S. 155: „Ut inde elucescat, quantum ad intelligenda Biblia conferat collatio paraphrasis Chaldaicae . . ." Vgl. Wolf II, S. 607. 96) Berliner, S. 187. 195. E. Kautzsch: Mitteilung über eine alte Handschrift des Targum Onkelos (Codex Socini 84), Hallesches Osterprogramm 1893. SS. III. IX. XIX—XXI. 97) Fagius, epist. nunc, sagt von sich: „nimirum agnoscens, quantum ea (cognitio sanctae linguae) ad intelligendas sacras literas lucis afferat". 186

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