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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 185

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
Date
1931-01-01
Page
Seite 185 (sequence 6)
Language
German
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Otto Kluge. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus aus jenem grundlegenden Werk ausfüllen. So werden häufig Erklärungen aus dem Aruch zitiert, bisweilen korrigiert. Neben seinen neuen Entdeckungen gesteht Levita zuweilen, daß sein Wissen über das im Aruch Gefundene nicht hinausgehe89). Levitas größte wissenschaftliche Leistung liegt nicht auf sprachlichem Gebiet, sondern auf literargeschichtlichem, es ist das Buch Masoreth hammasoreth90), die erste systematische Darstellung der Masora und eine Kritik ihrer Geschichte. Levita nennt das Buch eine „Ueberlieferung zur Ueberlieferung", weil er in ihm die zum Verständnis der Dunkelheiten der Masora nötigen Regeln überliefern will. Hierbei griff er zurück auf die schon in den Diqduqe ha-Teamim enthaltenen Regeln, z.B. die Trennung zwischen Wurzel- und Funktionsbuchstaben91). In der 3. Vorrede diskutiert er die Ansichten über den Ursprung der Vokale und Akzentzeichen und bringt Beweise für seine eigene Ansicht, daß diese Zeichen den Talmudisten noch unbekannt gewesen und erst in der nachtalmudischen Zeit eingeführt seien. Durch mündliche Ueberlieferung von Esra an habe die Sprache ihre Formulierung und Konservierung gefunden. Dadurch widerlegt er zugleich den Einwurf, wie man denn ohne Punktation sich den Unterricht im Bibeltext vorstellen solle, und gibt dann ein Bild von der Tätigkeit der namentlich in Tiberias lebenden Masoreten92). Levita sprach damit etwas ganz Neues aus gegenüber der herrschenden Ansicht, die Punktation sei zugleich mit dem biblischen Texte dem Moses überliefert. Seine These gab denn auch, weit entfernt zur Antheque nationale Paris 1911. Bd. 47, S. 24: „inest praefatio hebraica . . . per P. Fagium latinitate donata", so kann ich mir das nur dadurch erklären, daß im folgenden Jahr (1542. Steinschn., 1164) Fagius der Ausgabe eine Uebersetzung der Vorrede beigefügt hat. 89) W. Bacher: „Elija Levitas wissenschaftliche Leistungen" in Z. D. M. G., Bd. 43 (1889), S. 206—272. S. 213. 90) S. Abk. Die Staatsbibliothek besitzt die 1. Ausg. (bei Dan. Bomberg), die 2. von S. Münster herausgegebene (bei H. Petreus) und eine weitere Basier Ausg. von 1556. Steinschn., No. 1163. Br. Mu. 4034. ccc. 24, Fürst II, S. 240. Wolf I, S. 153. 156; III, S. 97. Eine deutsche Uebersetzung „unter Aufsicht u. mit Anmerkungen D. Joh. Salomo Semlers". Halle 1772. 8 u. 269 S. KL 8°. 91) Levita, Mas. hammas. praef., S. 9. 37. Ginsburg, S. 790. Mit dieser Einteilung der Sprachelemente in wurzelhafte und in accessorische, behufs Bezeichnung der gramm. Verhältnisse zur Wurzel, der Bezeichnung des Begriffs, hinzutretende Bestandteile, hatte Saadja (s. o. A. 51) den Anfang gemacht. Er hatte von den Buchstaben des Alphabets 11 (K, 2, n, i, \ s, b, », 3, w, n) als Zusatzbuchstaben bezeichnet, die übrigen 11 als Wurzelbuchstaben. Bacher, S. 17. Die arab. Grammatiker meditierten viel über das Verhältnis zwischen Form und Bedeutung der Wörter. Th. M. Redslob, Die arab. Wörter m. entgegengesetzten Bedeutungen. Göttingen 1873. S. S. 5 f. 12. Goldziher, S. 38. Vgl. unten Anm. 120. 92) Levita, ibid., S. 59: „Satis prolixus fui in declaratione punctorum, quod videlicet non data sint Mosi in monte Sinai neque viri concilii magni adinvenerint ea, sed magistri Masoreth, qui surrexerunt post praedictos, illi autores fuerunt punctorum . . ., ipsi redegerunt legem et reliquos biblicos libros in forman illam, quam hodie habent". Das Gleiche in Levitas Brief an Münster. M. Peritz, Ein hebr. Brief El. Levitas an Seb. Münster. Berlin 1894. S. 8 f. In seiner hebr. Grammatik (s. u. Anm. 110) fügt Münster den Gründen, mit denen Levita die späte Ansetzung der Vokalzeichen rechtfertigte, noch folgenden hinzu: die Vulgata drücke die nomina propria in Ansehung der Vokale ganz anders aus als die hebr. Urschrift, z. B. Galgal statt Gilgal, Melchisedec statt Malkizedek usw., woraus denn folge, daß man zu jener Zeit (400 n. Chr.) die Vokalpunkte noch nicht könne gehabt haben. Münster, Melechet, S. 11-15. 185

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