Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 184

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
Date
1931-01-01
Page
Seite 184 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2259275-2259288-2259291-2260989--3522-2261148
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Otto Kluge. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus Vorher aber haben wir noch die Entwicklung des Sprachstudiums an zwei friedlichen Gelehrten kennen zu lernen, an Elias Levita und Paul Fagius. Elias Levita (1469—1549) beugte sich einerseits vor der Vergangenheit, folgte in grammatischen Dingen dem Abraham ibn Esra, kommentierte und glossierte die Grammatiken der Brüder Kimchi, anderseits war er der eigentliche Lehrer der Christen im Hebräischen, gewann der Sprache viele nichtjüdische Adepten, von denen Paul Fagius und Seb. Münster selbst wissenschaftliche Größen wurden. Levita, ein Deutscher, am Borne Judas aufgewachsen, verbrachte sein Leben größtenteils in Italien, das er — ein campanilista — nur gelegentlich verließ, um Fagius in dem württembergischen Isny zu besuchen und in seinen Arbeiten zu unterstützen84). Eine Berufung auf den Lehrstuhl der hebräischen Sprache an der Pariser Universität schlug er aus. Seine Lehrtätigkeit wurde von seinen Glaubensgenossen häufig angefeindet. Der Wut der Rabbinen, die ihm die Psalmstelle vorwarfen: „Seine Weisheit hat er ihnen nicht kundgetan", begegnete er mit dem Hinweis auf seine Erweckung. Er mußte im Jahre 1509 nach der Eroberung Paduas ohne alle Habe fliehen. In Rom nahm ihn Kardinal Aegidius auf und bat ihn, hocherfreut über die göttliche Vorsehung, zu bleiben und die Christen zu lehren85). Der Beurteilung seiner von den Schülern als liebenswürdig und mitteilsam geschilderten Persönlichkeit86) muß man neben seiner Lehrtätigkeit auch seine schriftstellerische Tätigkeit zugrunde legen. Von einem für Schüler bestimmten Hilfsbuch, das Fagius einleitete und herausgab, ist später die Rede. Von seinen sprachlichen Werken seien genannt der Tisbi und der Methurgeman. Ersteres87), eine ausführliche Erläuterung! 712 schwerer Wörter der Bibel und des Talmuds enthaltend, ist eine alphabetisch geordnete Sammlung von Notizen und Berichtigungen verschiedensten Inhalts, nicht ohne Geschmacklosigkeiten und einen Schwall allegorischer und kabbalistischer Sacherklärungen. Fagius gab 1541 die lateinische Uebersetzung heraus. Nach dem in der Einleitung gegebenen Programm soll der Tisbi solche Wörter enthalten, die weder im Aruch noch bei Kimchi vorkommen. Der Methurgeman (= Dolmetscher) 88) ist ein aramäisches Wörterbuch, das zu Natans Aruch eine Ergänzung bildet. Er soll wie auch der Tisbi Lücken 8*) „ut ad istos meos conatus auxiliatrices praeberet manus". Fagius, praef. zum Tisbi, Bl. 2 a. Isny feierte im Juli 1931 das 400 jährige Gedächtnis der Einführung der Reformation. «») Levi, S. 9. 86) Münster, epist. nuncup. zur Grammatik 1532 (Levi, S. 18, Anm. 4). Fagius, praef. zum Tisbi, Bl. 2 a—3 b. 87) S. Abk. Die erste von Levita selbst besorgte Ausgabe war erschienen in Basel 1527 (4°. Bei Fürst II, S. 241), was Steinschneider (No. 1167 mit falscher Titelwiedergabe) für einen Schreibfehler statt 1557 hält. Zu letzterer Ausgabe (Basel 1557) bemerkt der Katalog des Britischen Museums: „This is the edition of 1541 (Isnae) with a new title-page arid preface". (Zedner. The Hebrew Books of the Br. Museum London 1867. S. 228.) Einzig Titelblatt u. Vorrede wären danach in Basel gedruckt. Vgl. Lüthi, S. 24. Den Namen hat das Buch von des Autors Elias L. Beinamen „Der Tisbite" (Bl. 8 a). 88) Die von mir benutzte Ausgabe enthält auch in der Vorrede nur hebr. Text. Wenn Fürst (II, S. 241) von der gleichen Ausgabe schreibt: „Die Isnyer Ausgabe mit latein. Titel u. Vorrede" und ebenso der Cat. gen. de la Biblio- 184

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.