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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 183

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
Date
1931-01-01
Page
Seite 183 (sequence 4)
Language
German
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Otto Kluge. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus tums als eines neuen Glaubens, mit dessen ethischen Grundwahrheiten — ihren allgemeinen Umrissen nach — er übereinstimmt. Das bezeugt die Fülle von Parallelen, die die rabbinische Literatur zu allen Schriften des Neuen Testaments bietet78). Neben der Unkenntnis war das eigentliche movens der Judenhaß, der sich an der Verdammung des Talmuds aufrichtete. Welche Märchen man sich im Mittelalter vom Talmud erzählte, davon gibt Eck in seinem oben genannten Pamphlet „Ains Juden büechlins Verlegung" anschauliche Kunde. Im 16. Kapitel „Das recht wer den Thalmud verbrennen" (Bl. 55 b—62 b) hebt er aus den „schändlichen, närrischen, ketzerischen und gotteslästerlichen" Lehren des Talmud 20 Sätze hervor, von denen ich folgende nenne. „Gott hab leipliche glider, haupt und arm, und ain büchlein an seiner stirn: darin seyen 4 zedel halten der juden lob"79). — „Das Gott all tag drei stund studier mit sein Engeln im Thalmud". — „Adam sey im paradeiß ain Hermaphrodith gewesen . . . sey mit unkeuschhait bewegt worden und mit den unvernünftigen thiern sonderlich mit den eseln, äffen und schlangen, biß Gott Eva erschief: do Warden die Thier Eva feindt . . .". — „Vatter und mutter mag man fluchen und schlagen on sünd, allain das ers nit verwunde". — „Sie haltens für kain sünd, wann ain jud ain Christen tödt"80). Aus diesem Satz leitete man den Vorwurf des Kindermordes ab, „wie ihr Talmudisch tradition außweißt: dann sie achten uns Christen nitt allain für ihr gröste feind, sonder auch für Gottes feind"81). Kennzeichen eines unendlichen, geistigen Tiefstands und Dünkels. Wie anders urteilte da P. Fagius über seinen Lehrer Elias Levita: „Dem Glauben nach ist er zwar ein Jude; aber er ist nicht unbillig gegen unsern Glauben und denkt nicht gehässig über Christus, unsern einigen Erlöser"82). Der Haß der Theologen gegen Talmud und Rabbinen hat seinen Ursprung darin, daß jene ihre Theologie, die sie allein für die berechtigte hielten, in der Bibel bestätigt finden wollten. Da mußten die rabbinischen Kommentare, die die Grundlagen des Judentums verteidigten, ihnen unbequem und hinderlich sein. Also wurden sie verdächtigt und sabotiert: den Rabbinen ist nicht zu trauen, sie haben die Schrift verdreht und verfälscht. Dieser Satz zieht sich wie ein roter Faden durch die meisten theologischen Schriften, an ihn knüpfen sich die ressentimentalen Beschimpfungen eines Seb. Franck83) und anderer tollgewordener Pathetiker. Man darf nicht verkennen, daß neben diesem subjektiv richtigen, objektiv falschen Bewußtseinsgrund bei den Reformatoren, besonders Luther, weniger Forster, ein Gefühlsgrund für ihre Abkehr vom Rabbinismus besteht, nämlich der, daß der Wert der Bibel auf dem Reinreligiösen ihres Inhalts beruhe. Wir werden sehen, daß dieser Gedanke die Reformatoren auch beim Studium der hebräischen Sprache leitete. 78) Sie sind jetzt zugänglich gemacht in dem monumentalen „Kommentar z. Neuen Test, aus Talmud u. Midrasch" von H. L. Strack u. P. Billerbeck. 4 Bde. München 1922—28. 79) Eck, Bl. 57 a. 8°) Eck, Bl. 58 a. 81) Eck, Bl. 27 a. 82) Levita, Tisbi praef. Bl. 3 a: „Religione quidem adhuc Judaeus est, sed qui vere non iniquus est in fidem nostram nec maligne sentiens de Christo unico redemptore nostro". Auch der Philologe und Jurist Andreas Masius (1514— 1573) bekennt sich in seinen Briefen leidenschaftlich zum Talmudstudium. Briefe, herausg. v. M. Lossen. Leipzig 1886. SS. 144, 157, 186. 8S) Weltbuchspiegel, Tübingen 1534, BL 143 ff. u. passim. 183

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