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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 177

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
Die Mesnerin von Enns
Date
1931-01-01
Page
Seite 177 (sequence 7)
Language
German
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Viktor Kurrein. Die Mesnerin von Enns Juden und auch denen, so draußen um Garsten gewohnt, nicht besser ergangen sein, zumal da dieselben eine erschreckliche Tat begangen, indem ihrer etliche konsekrierte Hostien um Geld erkauft und ihrer Gewohnheit nach mit Messern durchstochen haben und darüber ergriffen worden. Es ist mir einmal allda in Kloster Garsten ein gar alter, grünfärbiger seidener Schleyer, darin gedachte Hostien gewickelt gewesen, und die Messerstiche, wie auch die Mäler von Blut, so die Hostien von sich gelassen, noch zu sehen, gezeigt worden; welcher Schleyer allda zum Gedächtnis mit besonderer Reverenz verwahret wird." Der bei Ebendorfer genannte Israel, dessen Gattin sich bei dem Diebsprofossen mit ihrem Tuch erdrosselte, ist ohne Zweifel mit dem mehrfachen Hausbesitzer Isserlein identisch. Zu den bereits angeführten Daten über dessen Realbesitz gehört noch eine Urkunde im Stadtarchiv zu Enns vom 21. Juli 1422 (vgl. Oberleitner, Die Stadt Enns im Mittelalter, Urk. LXXV — D, I 28), der zufolge Herzog Albrecht seinem getreuen Albrecht den Wischenpart, Bürger zu Enns, sein Haus, gelegen zu Enns in der Smidstrazz, zunächst Simon des Pilgreym Haus an dem Eck gegenüber dem Hohenperger-Haus, das Isserlein des Juden gewesen und von demselben an ihn gekommen ist, verkauft. Im Jahre 1422 verfügt bereits Herzog Albrecht über Isserleins "Haus. Der Hauptzweck der ganzen Judenverfolgung war ja sehr materieller Natur und, wenn bereits am 30. September 1420 der Herzog an Peter den Stampf ein Judenhaus in Leuts (Leubs) 8), 1421 ein Haus in Wien, Krems an Freunde verschenkt, 1422 alle Judenhäuser mit dem Stadtsiegel fertigen läßt und auch die Judenschule in Tulln verschenkt, so sieht man, wie gründliche Arbeit geleistet wurde. Am 29. Juni 1433 gibt er das Haus in der Judengasse zu Wien, genannt die Cantorey, welches nach der Juden Gefängnis an ihn gekommen ist, dem Bürger Heinrich Mosman; noch 1439 verkauft Herzog Friedrich Häuser, die früher Juden gehört haben, in Graz. Die Namen der Märtyrer von 1420 sind uns durch die Veröffentlichung von H. Flesch, „Das Pohrlitzer Memorbuch" (vgl. Jahrb. der Jüd.-Lit. Ges., Frankfurt 1928) bekannt geworden, werden aber nur die „Wiener Märtyrer" genannt. Meiner Ansicht nach sind jedoch darunter auch Personen vom Lande, da die Justifizierung wohl hauptsächlich in Wien stattfand. Es besteht gar kein Zweifel, daß der Befehl zur Ergreifung der Juden an einem bestimmten Tage zunächst ohne ursächlichen Zusammenhang mit der Anklage wegen Hostienschändung hinausgegeben wurde. Die Juden wurden daraufhin von den Stadtrichtern inhaftiert, und zwar kamen die Männer in die Stadtgefängnisse, Frauen und Kinder in die häuslichen Arresträume, die den Stadtrichtern für provisorische Inhaftierungen zur Verfügung standen. Von da wurden dieselben an die Landrichter abgegeben und schließlich die Hauptschuldigen oder diejenigen, die man zu solchen machte, nach Wien gebracht. Es ist begreiflich, daß für solche Massen Verhaftungen die vorhandenen Gefängnisse nicht ausreichten, weshalb man die Verhafteten schließlich in bestimmten Häusern oder in den Synagogen einschloß. Ein großer Teil der Juden, an dem man aus materiellen Gründen kein weiteres Interesse hatte, wurde abgeschoben, d. h. man ließ sie „nackt und bloß" auswandern. Das Schicksal der Abziehenden war „die Landstraße des 15. Jahrhunderts", und so läßt sich leicht ermessen, wie vielen es gelang, eine ruhige Stätte zu erreichen. „Die Wiener Geserah" schildert einen solchen Gefangenentransport nach Wien auf 8) Identisch mit Langenlois. 7 177

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