Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die Mesnerin von Enns
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Viktor Kurrein. Die Mesnerin von Enns defekt. Auch das Urteil über die Mesnerin von Enns ist erhalten und bei Kurz, a.a.O., S. 434 abgedruckt „. . . also hat unser gnediger herr herczog Albrecht das obgenante weib auf heutigen tag auch geschafft und empholhen ze richten mit dem prand." Actum feria 4ta post Tiburci (16. April) anno MCCCCXXI. Beide Urkunden nennen keine Namen und berichten nicht mehr, als daß die Jüdin und der Jude Hostienstücke weitergegeben haben. Andere Quellen wie Anonymi Viennensis breve Chronicon Austriacum 2. J. 1405 oder Joannis Staindelii Chronicon z. J. 1421 oder Chronicon Monasterii Mellicensis 5 z. J. 1420 wissen nur von der Tatsache zu berichten, daß die Juden gefangen bzw. verbrannt oder getauft wurden. Lediglich Chronicon Staindelii fügt hinzu „propter irreverentiam corpori Domini illatam" („wegen dem Leibe des Herrn angetaner Schmähung"). Auch der Dialogus historicus Martini Abbatis Scotorum Viennae erwähnt nur die Verbrennung der zur Taufe Unwilligen. Erst Thomas Ebendorfer in Chronicon Austriacum (I, 851) z. J. 1421 weiß Genaueres: „Allgemein nahm das Gerücht überhand, daß in Enns die Juden ein großes Verbrechen an dem ehrwürdigsten Sakrament begangen hätten. Der sehr reiche Jude Israel in Enns sollte von der ihm sehr ergebenen Frau des Küsters von der Pfarrkirche zu St. Laurentius nach dem Osterfest dieses Jahres viele Teile des Sakramentes erworben haben und selbe zum Gespötte seinen Genossen bestimmt haben, welche Verbrechen auch die genannte Frau auf peinliches Befragen einbekannt hat. Dennoch waren der Jude Israel samt seiner Frau und andere dieser Schandtat Mitschuldige und Verdächtige dies standhaft zu leugnen bestrebt .... Daher wurden an einem Tage und zu gleicher Stunde an allen Orten Oesterreichs des Herzogs Albrecht (die Juden) der Gefangenschaft hingeworfen, ihre Güter eingezogen und nach Ausweisung ihrer Landsleute die Höhergestellten unter ihnen zurückbehalten." 7). Der ganze Bericht ist auch bei Krauß, a. a. O., S. 69, zu finden. Für den Werdegang der Hostienanklage ist noch von großem Werte die Eintragung im Schatzgewölbe-Register des österreichischen Hausarchivs vom Jahre 1565 (B. IV fol. 361), welche bereits Goldmann, S. 113, Note 1, und Krauß, S. 71, veröffentlichten. Hier werden bereits etliche Juden von Wien und Enns beschuldigt und die Art der Hostienentweihung genau beschrieben, ja sogar die Ermordung des Christen, der die Hostien beigeschafft hat, behauptet. Wie weit die Phantasie die Sache ausgestaltet hat, mag der Bericht Prevenhubers in seinen Annales Styrenses (S. 83) zeigen. Er schreibt z.J. 1420: „Droben sub anno 1371 ist gedacht worden, da6 selber Zeiten und noch hernacher circa anno 1379 in der Stadt zu Steyr Juden gewohnt haben, wann und wie aber die Stadt desselben Ungeziefers loss geworden, davon haben die Alten, wie in anderen Sachen mehr, nichts aufgezeichnet hinterlassen, doch ist glaublich, weil Herzog Albrecht zu Oesterreich bei seiner Regierung, wie Sylvius schreibt, wider die Juden ganz streng verfahren, und dieselben alle in seinen Landen, die da den christlichen Glauben nicht wollten annehmen, töten lassen, sonderlich um dieses Jahr (wie Christoph Jordan in seiner Salzburgerischen Chronica verzeichnet) viele derselben Juden durch ganz Oesterreich, vorab zu Wien, verbrennet worden. Es wird auch den Steyerischen 7) Vgl. dazu A. Klein, Geschichte des Christentums in Oesterreich und Steiermark, Wien 1841, S. 103. 176