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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 175

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
Die Mesnerin von Enns
Date
1931-01-01
Page
Seite 175 (sequence 5)
Language
German
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Viktor Kurrein. Die Mesnerin von Enns heißt es in dem Urteil über die Mesnerin selbst. Somit ist die Hostienschändung etliche Jahre vor der Katastrophe von 1420/21 gewesen. Ueber die Sache selbst berichten von jüdischen Quellen, wenn man von der „Wiener Geserah" absieht, Terumath hadeschen, Schalscheleth hakabala und Emek habacha. Dem Ereignis steht zeitlich am nächsten Terumath hadeschen, die Gutachtensammlung des Israel Isserlein aus Wiener Neustadt (1430—70), der R. G. A. 241 den 10. Siwan 1420 als Datum nennt, was auch, wie Wiener in den „Regesten" bemerkt, dem in der Urkunde genannten phinztag (Donnerstag) entspricht. Nach dessen Mitteilung wurden Männer und Frauen getrennt gefangen gehalten, um sie umso leichter zum Abfalle von ihrem Glauben bewegen zu können, und tatsächlich sind einige von ihnen mit ihren Männern, andere dagegen ohne dieselben übergetreten, von denen jedoch viele, sobald sich Gelegenheit zur Flucht fand, zu ihrem früheren Glauben zurückkehrten. Nach ihm erwähnt Schalscheleth hakabala von Gedalja ibn Jach ja (1523—88) mit einem kurzen Satze (S. 94 a), daß vom 10. Siwan bis 9. Nissan 5181 eine allgemeine „Geserah" in Oesterreich war. Seder hadoroth ergänzt: 10. Siwan 5180 bis 9. Nissan 5181. Emek habacha von Joseph hakohen (1538—1550) widmet dem Ereignis mehr Raum: „Im Jahre 5181, d. i. im Jahre 1421, ereignete sich folgendes. Man hatte die Juden in den Städten Oesterreichs am 10. des Monates Siwan ergriffen und ins Gefängnis geworfen. Achthundert Personen, Kinder und Frauen, wurden verjagt und mußten unstet und flüchtig, nackt und bloß, samt ihren Kleinen einherziehen, wobei damals viele ihren Tod fanden. An tausend Personen wurden in ihren Kerkern gefangen gehalten, und man hatte in den Häusern der Bewohner des Landes die Frauen besonders und die Kinder besonders untergebracht, ihnen allerlei unerlaubte Speisen zu essen gegeben, sie außerordentlich gequält und auch am 9. des Monates Nissan (12. März 1421), wurden 400 von ihnen erschlagen/' Die Worte des Berichtes „in den Häusern der Bewohner des Landes" besagen nur, daß die Frauen und Kinder nicht in den Gerichtsgefängnissen, die gewiß überfüllt waren, sondern in bestimmten Häusern der christlichen Bevölkerung arrestiert wurden. Solche Arrestierungen oder Anhaltungen kamen auch aus bestimmten Gründen für Besucher der Linzer Märkte in Anwendung. Ueber Anlaß und Urheber des Verhängnisses schweigen die jüdischen Quellen. Umso ausführlicher heben die nichtjüdischen Quellen darauf ab. Vorerst ist das Urteil über die Juden, das Albrecht IV. erließ und das auf dem Rathause in Wien dem Volke bekannt gemacht wurde, in seinem Wortlaute erhalten. Es ist bei Kurz, Geschichte Albrechts IV., 2. B., S. 433, und bei Wertheimer wie auch bei Goldmann abgedruckt. „Nu ist yecz in kurcz ain Weib, die vor Zeiten mesnerynn dacz Enns pey der pharrkirchen gewesen ist, gevangen Warden, die hat man her gen Wyenn pracht, die hat aigenleich und lauttergesagt und bechannt, da zy das heylig Sacrament aus der kirchen dacz Enns genomen und ainer Jüdinn und ainem Juden verkaufft und ubergeantwurtt hab, die habent darnach dieselbig heilikait furbaz ausgetailt und zugesant andern Juden und Judinn innerlants und außerlandts und habent auch das Juden und Judinn ze gleicherweis auch also bechannt, und wann menkchleich wol verstet, das ainen yegleichen kristen-» menschen mügleichen sol zu herczen gen, das die uner und" smachait, die Got und kristenleichen glauben von den Juden, die da sint veint Gots widerfaren, ernstleichen und strenglichen gepusset werden, als der obgenannte unser gnädiger herr alle Judischait allenthalben in seinem landt auf heutigen tag geschafft zu richten mit dem prannt. (Actum in die Gregorii anno MCCCCXXI)." Wie Kurz bemerkt, stammt diese Abschrift aus dem Seitenstetter Kodex, ist aber am Ende durch die Sorglosigkeit des Schreibers viele damals ihrem Glauben Jahres. lacrpn a 175

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