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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 174

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
Die Mesnerin von Enns
Date
1931-01-01
Page
Seite 174 (sequence 4)
Language
German
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Viktor Kurrein. Die Mesnerin von Enns handelt sich um einen jungen Ehemann aus Enns in Oesterreich, namens Schelumiel, der einie auswärtige Talmudhochschule besuchte. Der, der dies bezeugte, ist ein R. Schalom, über den Krauß, a. a. O., ausführlich berichtet. Oben haben wir den Namen Schalam Jud bei dem Garten in der Smidstrazz in Enns gehört3). Ist er also mit R. Schalom identisch, so konnte er gewiß über Vorkommnisse in Enns Zeugnis abgeben. Nicht völlig unbeachtet dürfen auch die in allerletzter Zeit gemachten Manuskriptfunde bleiben; sie können ganz gut aus Oberösterreich stammen und auf ein geistiges Leben bei den dortigen Juden schließen lassen. Das alles beweist, daß im 14. Jahrhundert Enns eine stattliche Judengemeinde hatte, was nun durch die jüdische Quellenschrift „Die Wiener Geserah"4) einwandfrei bestätigt ist. Denn in dieser Schrift werden die Judengemeinden aufgezählt, welche von der Verfolgung betroffen wurden5). Für Oberösterreich kommen Linz, Steyr, Enns und Wels in Betracht. Die Schreibung des Namens Wels als Weif geht darauf zurück, daß in den alten Handschriften zwischen s und f fast kein Unterschied besteht6). Ueber diese Gemeinden brachte das Jahr 1420 ein namenloses Unheil, das sich über alle Juden Oesterreichs ergoß. Ueber das Datum des Ereignisses, von dem nun die Rede sein soll, herrscht Zweifel. Jost setzt es in seiner Geschichte (VII, S. 279) in das Jahr 1415, und Wiener schreibt in seiner Ausgabe des Emek habacha, Note 219, S. 196: „Warum Jost für dieses Ereignis das Jahr 1415 angibt, ist mir nicht klar." Ich glaube, daß Jost dies mit Rücksicht auf den Wortlaut des Befehles Herzog Albrechts IV. getan hat. Dieser ist wohl vom 12. März 1421 (in die Gregorii anno MCCCCXXI) datiert, spricht aber ausdrücklich von der Handlung, die sich leider an dem heiligen Sakrament „vor etlichen Jahren zu Enns vergangen hat" und von der Mesnerin, die vor Zeiten in Enns bei der Pfarrkirche gewesen ist, und ebenso 3) Das Landesarchiv in Linz besitzt zwei bisher noch unveröffentlichte Urkunden, die aus dem Stiftsarchiv St. Florian stammen und vom 2. April und 1. Mai 1391 datiert sind. Beide behandeln denselben Gegenstand, nur ist in der ersten von dem „juden" schlechthin ohne Nennung eines Namens die Rede, während die zweite ausdrücklich „Schalom der Jud von Enns" nennt und sogar die hebräische Unterschrift desselben zeigt. „Schalom der Jud von Enns verkauft den erenwierdigen Herren herrn Stefann probst zu sand Florian seine recht dy wir gehabpt haben auf dem Höff ze nydenn Cyrkenaren gelegen zenachst dem Freythoff, dy uns verfallen und verwandten sind von Hannsen dem Wyeschendorffer und Lorenczen dem Freitleyn. Nach den Iandes recht als aygens recht ist in dem land ze Oesterreich. Bestätigt mit unser juden geschrift, dy wir an den prief geschrieben haben." *) Vgl. dazu Goldmann, Das Judenbuch der Scheffstraße in Wien, und Krauß, Die Wiener Geserah. 5) Die beiden dort letztgenannten Namen sind als einer zu lesen und bedeuten Sankt Pölten. 6) Dr. K. Schiffmann, Direktor der Studienbibliothek in Linz, machte mich in liebenswürdiger Weise auf folgende Parallele aufmerksam: Wölfling, eine Ortschaft in der Gemeinde Kirchberg, Bz. Neufelden, wird 1257 Welvarn geschrieben (Monumenta Boica 29. Bd, 2 Abt., S. 220), in einem aus der gleichen Zeit (ca. 1260) stammenden Verzeichnis der Einkünfte des Bischofs von Passau aber (ebd., 29. Bd, 2 Abt., S. 245) steht Weifarn, was die Herausgeber der Monumenta als Welsarn lasen (J. Strnadt, Velden, S. 137). 174

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