Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 141

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 141 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2259275-2259288-2259291-2260980--3465-2261105
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

jüdischen Gemeinde Prags die Auflösungs- und Reformbestrebungen zu fördern. Eine sehr farblose Publikation von Heinrich F 1 e s c h „Das Testament des Jakob Hirsch Biach Feilbogen" (solcher Dokumente gibt es unzählige, sie haben für die historische Forschung doch nur dann Interesse, wenn sie besonders Charakteristisches enthalten) und der Neudruck der „Megillat Eba" des Jomtow Lipmann Halevi Heller in der Uebersetzung von Seligmann Kisch (heute eine bibliographische Rarität) mit einer Einleitung von Guido Kisch beschließen den ersten Jahrgang des Jahrbuchs. Der zweite Jahrgang wird durch einen Aufsatz von Jindrich Kohn „Soziologische Einführungsskizze in die Geschichtsschreibung des Judentums in der cechoslovakischen Republik" (mit Berücksichtigung der Problematik Masaryks zu seinem Festjahre) eingeleitet. Dieser geschichtsphilosophische Versuch ist im großen und ganzen wenig geglückt. Er leidet an Unklarheiten, und dem Leser drängt sich unwillkürlich die Frage auf, ob die sehr gewundenen Formulierungen mehr sind als ein Deckmantel für Banalitäten. Zudem wird die Lektüre durch die unzusammenhängende Aneinanderreihung verschiedener Gedankengänge ungemein erschwert. Der Aufsatz ist, wie es scheint, aus dem Tschechischen übersetzt, und die z. T. schlechte Uebersetzung mag manchen Mangel erklären. Als Beispiele für das Gesagte führen wir an: Die Hauptthese des Verfassers „Soziologie der unterbrochenen Geschichtlichkeit" ist im Grunde genommen eine Binsenwahrheit und bedeutet, in ein verständliches Deutsch übersetzt, daß die führenden Geister des Judentums Jahrhunderte hindurch der Geschichte fremde gegenüberstanden, ja sie ablehnten, weil alles in Thora enthalten war. Kohn meint, daß David Gans als erster säkulare Geschichtsschreibung trieb. Er drückt das so aus: „Unter allen soziologischen Einflüssen auf die Geschichtsschreibung, von denen wir uns keine Rechenschaft ablegen, ist einer besonders bedeutend: das Grenzgefühl der Gegenwart. Solange die Juden die Gegenwart als einen Schatten der Vergangenheit erlebten, haben sie die säkulare Geschichtsschreibung überhaupt abgelehnt. Der erste jüdische Chronist, der Prager David Gans ist ein Dokument (!), daß sich jenes Gefühl der unechten Gegenwart verändert haben mußte." Nun, David Gans' Chronik hat die „Cäsur zwischen der hieratischen und säkularen Geschichtsschreibung" nicht geschaffen, und es ist nicht verständlich, warum ihm in dieser Hinsicht eine wichtigere Rolle als seinen Vorgängern Abraham Zacuto und Joseph Hakohen zugebilligt werden sollte. Ueberhaupt wird von dem Verfasser die Bedeutung David Gans' bei weitem überschätzt. Um viele strittige Behauptungen des Verf. zu widerlegen, müßte man einen neuen Aufsatz schreiben. Wir wollen an dieser Stelle nicht allzusehr an Einzelheiten mäkeln; aber was kann der harmlose Leser mit Sätzen oder Wendungen wie den folgenden anfangen? „In der Lehre vom Volksgeiste erschließt sich Krochmal nur noch als der philosophische Uebertan (!) zum alten Prophetensatz von den Völkern und dem Judentume" (übrigens sollte man nach Rawidowiczs Forschungen endlich aufhören, von dem „Hegelianer", Krochmal zu reden!) oder „Dies bestimmte Masaryks Eintreten in den mit Ritualmordpsychologie durchsetzten Fall Polna" oder „antisemitische Religionsphilosophie Low Bezalels". Der übrige Inhalt des Jahrbuches ist außerordentlich reichhaltig. Hervorzuheben ist hier vor allem Alfred Engels Darstellung der „Ausweisung der Juden aus den königlichen Städten Mährens und ihre Folgen", (1454 ff.), die auch interessante Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte enthält (S. 50—96). Anton Blaschka behandelt in Fortsetzung seines oben erwähnten Aufsatzes in der Festschrift „Die Juden in Prag" die Judenschulden im Register des Prager Burggrafenamtes, 1497—1500 (S. 97—119). Die Schicksale zweier jüdischer Persönlichkeiten behandeln die Aufsätze von Steinherz und B r e t h o 1 z. Der erste berichtet von dem Juden Jacob, der in der Zeit des Herzogs Wladislaw I (1109—1125) höchster Beamter des Landes Q/icedomus) war und von seinen Feinden der Kirchenschändung angeklagt wurde. Die Anklage führte zu einem Aufruhr 141

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.