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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 140

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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die annehmbarere1). Ich glaube nicht, daß Steinherz uns der Lösung viel näher gebracht hat. Der folgende Aufsatz „Alte und neue jüdische Musiker" von Paul N e 111, der sich schon mit ähnlichen Themen befaßt hat, geht auf verschiedene Probleme der jüdischen Musik kurz ein und bringt dabei einige Details über die Kunst und den Konkurrenzkampf der böhmisch-mährischen, speziell der Prager jüdischen Spielleute. Den weitaus breitesten Raum (S. 41— 262) nimmt die Monographie „Der Antisemitismus der Behörden und das Prager Ghetto in nachweißenbergischer Zeit" von jaroslaw Prokes, übersetzt von Anton B 1 a s c h k a , ein. Sie soll nach dem Vorwort des Verf. eine Studienreihe zur Prager Ghettogeschichte eröffnen, mit dem Ziele, „zu erforschen und festzustellen, welche wirtschaftliche Potenz die Prager jüdische Gemeinde darstellt, und welche Bedeutung ihr für die Prager Judenschaft einerseits und für die christliche Bevölkerung bezw. den christlichen Staat andererseits zukommt." Als den entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte des Prager Ghettos spricht der Verf. die Schlacht am Weißen Berge (8. Nov. 1620) an (daher die Bezeichnung vor- und nachweißenbergische Zeit), indem nach dem Sieg der Gegenreformation zunächst eine Erweiterung der Judenstadt um etwa 40 Häuser erfolgte. Die etwa 333 mehrstöckige Häuser umfassende, in den ersten Dezennien des 18. Jahrhunderts auf eine Bewohnerzahl von 10—12 000 angewachsene Judenstadt (50 Prozent der Prag- Altstädter, 28 Prozent der gesamten Bevölkerung) stellte einen wirtschaftlichen Faktor ersten Ranges dar. Diese Wirtschaft bildete „zwar eine gemeinsame Lebensplattform für Christen und Juden", aber sie führte naturgemäß zu einem aus religiösen, wirtschaftlichen und kulturellen Motiven hervorgegangenen Kampfe. Die immer *) Weitere Ausführungen zu diesem Thema hat Tykocinski in der Festschrift zu Dubnows 70. Geburtstage (Jüdischer Verlag. Berlin 1930), S. 154 ff. gemacht. Vgl. auch den soeben erschienenen Aufsatz von D. Herzog (in: Ztschr. f. d. Gesch. d. J. in der Tschechoslovakei Jg. I, Heft 4). 140 lauter werdenden Beschwerden der Christen über die jüdische Konkurrenz verdichteten sich in den verschiedenen Plänen zur Reduktion und Verringerung des Prager Ghettos, um mit der 1729 erfolgten Konskription einen Abschluß zu erreichen. Wenn auch nach diesem Zeitpunkt eine gewisse Pause eintrat, so ist doch zweifellos der von dem Verf. beabsichtigte Beweis erbracht, daß die Verfolgungen unter Maria Theresia nur die Fortsetzung eines jahrzehntelangen, dann unterbrochenen Ansturms gegen die Juden bilden. Prokes Arbeit beruht zum allergrößten Teile auf urkundlichem Material, das, soweit man ohne eigene Kenntnis der Akten urteilen kann, mit vorbildlicher Sachkunde bearbeitet ist. Seine allgemeine Beurteilung des Gegensatzes zwischen Juden und Christen fällt mitunter etwas schief aus, aber man braucht letzten Endes diese für die Ergebnisse seiner Forschungen relativ belanglosen Fehlgriffe nicht gerade tragisch zu nehmen (vgl. Ziegler, a. a. O.). Einzelheiten in dieser Hinsicht anzuführen, dürfte sich erübrigen. Es soll aber die Bemerkung nicht unterdrückt werden, daß Verf. und Redaktion in einer so ernsten Publikation den Anachronismus hätten vermeiden müssen, dauernd den Begriff „Antisemitismus" auf das 17. oder 18. Jahrhundert anzuwenden. In Fortsetzung seines oben erwähnten Aufsatzes schildert J. B e rgl „Das Exil der Prager Judenschaft von 1745—1748" und bringt darin für die zum Teil bekannten Ereignisse eine Fülle von neuen Details auf Grund von Akten. Tobias Jakobovits* Darstellung des „Jüdischen Gemeindelebens in Kolin" (1763—1768) ist ein recht interessanter Beitrag zur Gemeindegeschichte. Eine für die Forschung höchst bedeutsame Untersuchung über die sog. „Ramschak- Chronik" hat S. H. Lieben beigetragen. Diese angeblich „uralte Prager Chronik", von 1828 an Wallersteinsche Judenchronik, seit 1870 „Rabbi Moses Ramschak'sche Chronik der Prager Judengemeinde" genannt, ist, wie Lieben durch eine eingehende Untersuchung unzweifelhaft bewiesen hat, eine im ersten Viertel des 10. Jahrhunderts entstandene Fälschung, die darauf abzielte, durch eine tendenziöse Darstellung der Geschichte der

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