Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 3)
- Language
- German
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Bücherschau 2. Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der öechoslovakischen Republik. Herausgegeben von Prof. Dr. Samuel Steinherz. 1. Jahrgang. Kommissions-Verlag Dr. Josef Flesch. Prag 1929. 2. Jahrgang. Selbstverlag. Prag 1930. Der ersten Tat der jüdisch-geschichtlich interessierten Prager Kreise, der Herausgabe des Sammelbandes „Die Juden in Prag", folgte bald die Gründung der genannten Gesellschaft, für deren Entstehungsgeschichte und Ziele auf das Vorwort des Jahrbuchs sowie auf die Mitteilungen (das., S. 449—452) sowie auf Zieglers Referat in MGWJ. 1929, S. 329—332, verwiesen sei. Das vorliegende erste Jahrbuch zeichnet sich durch einen ungemein reichen und gediegenen Inhalt aus und ist trotz mancher Einwendungen, die erhoben werden können, eine wichtige Bereicherung unseres Wissens. Steinh e r z stellt in seinem Aufsatze „Kreuzfahrer und Juden in Prag" (1096) eine neue Hypothese über die in den „Hebräischen Berichten über die Judenverfolgungen während der Kreuzzüge" (Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland II, Berlin 1892) vorkommenden Ortsnamen sStr und auf. Die Frage, die eine Behandlung für sich erfordern würde, kann hier auch nicht annähernd erschöpfend behandelt und müßte zur Diskussion gestellt werden. Die Vermutung Salfelds, daß der böhmische Ort Wessen" gemeint sei, kann wohl nach früheren und Steinherz's Einwendungen (S. 7) als erledigt angesehen werden. Weit ernster ist schon Steinherz's Versuch einer Widerlegung der Hypothese Tykocinskis (MGWJ. 1912, S. 32—43), der sbü für Sala liest und es mit Halle a. d. Saale identifiziert. Steinberg glaubte demgegenüber „schel" bzw. für b"Si „weschel" lesen zu können und hält schel für Prag. Gegen seine Beweisführung für diese Lesart möchte ich mir einige Bedenken gestatten, ohne damit auf eine Lösung Anspruch zu erheben. Zunächst ist es vollkommen unsicher, ob die Lesart bvi gegenüber dem dreimaligen xbv (Kreuzzüge, S. 28 f.) überhaupt möglich ist. Aber ganz abgesehen davon, ist es angesichts der unleugbaren Tatsache, daß das alef am Ende, wie leicht an vielen Beispielen zu beweisen, in den betreffenden Städtenamen des Mittelalters mit geringen Ausnahmen als a auszusprechen und keineswegs „non valeur" ist (vgl. Note 25, S. 27) und der weiteren Tatsache, daß auch der Regel nach zwischen zwei Konsonanten, hier V und b, a gesetzt werden muß ein anderer Vokal aber nur ausnahmsweise denkbar wäre, m. E. unmöglich, die Textkorrektur nur auf die Ausnahme zu stützen, die freilich in den Rahmen der Steinherz'schen Deduktion ausgezeichnet paßt. Völlig abwegig aber scheint mir die „glänzende Konjunktur" (S. 14), durch die die Stelle „ubepraga ubeweschel ubebeiheim" (Kreuzzüge, S. 25) in „ubepraga u w e c h o 1 beheim" verwandelt wird. Jeder Hebraist wird zunächst bemängeln, daß es „uwechol erez beheim" heißen müßte, und für diese Aenderung liegt nicht die geringste Möglichkeit vor, noch viel weniger fürdie Annahme, daß aus K3"is in der einen Handschrift xbw in der anderen Handschrift entstand indem ans prg — schl wurde „auf einem Wege den nur andere Handschriften unseres Berichtes, die heute fehlenden Zwischenglieder in der Ueberlieferung uns zeigen könnten." Ist aber auch die Steinherz'sche Lesart nicht annehmbar, so wäre damit seine; weitere Untersuchung über die Einzelheiten in der Erzählung des Salomon ben Simeon (S. 15—21) noch nicht abgetan. Ich glaube, daß hier manche Kombination im einzelnen möglich ist, aber auch in diesem Teil der Beweisführung ist mehr als zulässig umgemodelt worden, z. B. nns (S. 28 unten) in „Männer" statt „junge Männer" und weiter der Vergleich der Ereignisse in „Schel" mit denen in Mainz (Kreuzzüge, S. 17), die doch dort ganz anders geschildert werden. Das Fazit ist, daß der ganze Satz über die 500 jüdischen Krieger verschwindet. Alles in allem: Trotz mancher Bedenken, trotz der Schwierigkeiten der Geographie, die eben mit einem späteren uns noch nicht verständlichen Zusatz zu erklären wären, scheint die Hypothese Tykocinskis noch immer 139