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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 136

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 136 (sequence 3)
Language
German
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1509, das Verhalten der Juden in den Reformationskämpfen und während der Belagerung der Stadt 1552 und die Rabbinerversammlung des Jahres 1603, die angeblich gegen Kaiser und Reich gerichtete „große Juden Verschwörung". Der aus der wirtschaftlichen Not weitester Kreise entstandene, gegen die Mißwirtschaft des Rats gerichtete und von Demagogen gegen die Juden geleitete Bürgeraufstand der Jahre 1612. 14, der „Fettmilchaufstand", hat dann die Judengemeinde nochmals in ernste Gefahr gebracht. Die Gasse wurde geplündert, die Bewohner wurden aus Frankfurt vertrieben. Nach der Niederwerfung des Aufstandes wurden die Juden feierlich wieder eingeführt und unter besonderen kaiserlichen Schutz gestellt. Sie konnten in der Stättigkeit von 1616 eine — wenn auch nur recht geringe — Verbesserung ihrer Lage und nach inneren Streitigkeiten eine Reform ihrer Verfassung erreichen. Eine Anzahl wertvoller Anlagen, von denen ich die Zusammenstellungen der mittelalterlichen Judenstättigkeiten, der Schulden der Stadt Frankfurt und auswärtiger Fürsten, Herren, Bürger und Bauern bei den Frankfurter Juden in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, Uebersichten über den damals üblichen Zinsfuß und eine Darstellung des im mittelalterlichen Schuldprozeß üblichen Verfahrens hervorheben möchte, schließt den ersten Band ab, an dem die Kritik nur die äußere Ausstattung auszusetzen hatte, allerdings sehr die böse Inflationszeit der Drucklegung merken läßt. Zwei Jahre später als der erste, fünf Jahre nach dem Tode des Verfassers, ist im Jahre 1927 der zweite Band des Werkes erschienen. Er steht dem ersten nicht nach, ja er geht noch über ihn hinaus. Nicht nur im Umfang — er zählt rund 100 Seiten mehr —, nicht nur in der Feinheit der Ausarbeitung, die wohl einer erneuten sorgfältigen und sachkundigen Revision des Textes und der Anmerkungen durch Hedwig Kracauer zu danken ist, sondern auch durch die Beigabe eines Quellenverzeichnisses und eines genauen Orts-, Personen- und Sachregisters und last not least auch in der Ausstattung, die jetzt des wertvollen Inhalts würdig ist. 136 Auch der zweite Band zeichnet sich aus durch kritische und erschöpfende Verwertung der Literatur und der archivalen Quellen. Zu den Akten des Stadtarchivs und des Wiener Archivs treten in immer mehr steigendem Umfange auch die Bestände der verhältnismäßig recht reichhaltigen israelitischen Gemeindearchive. Der Band führt die Geschichte der Frankfurter Judengemeinde durch den 30jährigen Krieg, in dem es den Juden „verhältnismäßig besser ging als den Christen", und durch die äußeren und inneren Wirren des 17. und 18. Jahrhunderts, durch die Franzosenzeit hindurch bis zu den Reformen im Anfang des 19. Jahrhunderts. Die äußere Geschichte wird maßgebend beeinflußt durch das Verhältnis zum Kaiser, der ja trotz der Verpfändung von 1349 der eigentliche Herr der Juden blieb. Seinen Anforderungen konnten sich der Rat und die Judenschaft nicht entziehen, zumal er des öfteren — wenn auch wohl kaum im Ernste — mit der Wiedereinlösung drohte und auch mit anderen Zwangsmaßnahmen nicht sparte. Wir folgen an der Hand der lebensvollen Darstellung Kracauers dem langsamen aber doch stetigen Fortschreiten der Emanzipation, von den recht mäßigen Errungenschaften der „unblutigen Revolution" über den, in stetem Kampf mit der Bürgerschaft — im wesentlichen dank der Hilfe einflußreicher Glaubensgenossen in Wien — erreichten allmählichen Abbau der Erwerbs- und Wohnungsbeschränkungen bis zur Erreichung der Gleichberechtigung durch das Organisationspatent des Großherzogs Karl von Dalberg im Jahre 1810. Wir hören dann von ihrer erneuten Zurückdrängung durch die Reaktion nach der Wiederaufrichtung der städtischen Freiheit und von dem Kampf vor dem Bundestage, der trotz der Unterstützung durch die maßgebensten Faktoren der europäischen Politik doch nur mit einem recht unvollkommenen Erfolg endete. Der Senatserlaß vom 2. September 1824 bedeutete einen entschiedenen Rückschritt gegenüber dem bereits in der Großherzoglichen Zeit Erreichten. Besonders hervorzuheben sind die spannenden Erzählungen der furchtbaren Brände der Judengasse von 1711 und 1721, die kulturhistorisch außer-

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