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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 135

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 135 (sequence 2)
Language
German
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Werk war im Manuskript fertiggestellt, und seine Gattin, die treue Gehilfin auch seiner wissenschaftlichen Arbeit, hat es trotz aller Schwierigkeiten zur Veröffentlichung gebracht. Kracauers Werk ist eins der wenigen, denen der Kritiker rückhaltlos Lob und Anerkennung spenden darf, ein Werk, auf das der Auftraggeber, die jüdische Gemeinde zu Frankfurt a. M. ehrlich stolz sein kann. Sie hat den rechten Mann ausgewählt, dessen Vorarbeiten die Quellen erschlossen haben, der 1914 in seinem Urkundenbuch eine mustergiltige grundlegende Ausgabe dieser Quellen bis zum Jahre 1400 gegeben hat — (ob sich wohl ein Mäzen und ein sachkundiger Bearbeiter für die Folgezeit findet?) —, dessen zahlreiche kleinere und größere Aufsätze zur Frankfurter und deutschen jüdischen Geschichte ihm in der deutschen Gelehrtenwelt einen guten Namen gemacht haben In seiner Geschichte der Juden in Frankfurt hat Kracauer ein Werk geschaffen, das auf breiter Grundlage aufgebaut, in schlichter, beinahe nüchterner Sprache, aber doch in klarrer und flüssiger Darstellung die Geschichte einer der wichtigsten deutschen Judengemeinden plastisch vor uns erstehen läßt, lieber der ungemein reichhaltigen Schilderung der politischen, sozialen und Wirtschaftsgeschichte der Frankfurter Juden kommt allerdings die geistige Geschichte im engeren Sinne, namentlich die religiöse Geschichte etwas zu kurz. Aber das schmälert den Wert des Werkes nicht, das nicht nur der Frankfurter jüdischen Gemeinde eine einzig dastehende Darstellung ihrer Geschichte gibt, sondern — bei deren Bedeutung für die Geschichte der deutschen Juden und die deutsche Geschichte überhaupt — ein überaus wertvoller Beitrag zur allgemeinen Ge- Ein warmherzig geschriebenes Lebensbild Kracauers und eine Uebersicht über sein wissenschaftliches Werk hat Dr. Julius Cahn im Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, 4. Folge, Bd. II. S. 6 ff. gegeben; ein chronologisch geordnetes Verzeichnis der Arbeiten Kracauers findet sich in der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" 1926, Heft 3/4. schichte, eine kaum zu erschöpfende Fundgrube für die deutsche Wirtschafts- und Kulturgeschichte ist. Der erste Band führt uns von dem frühesten Auftreten der Juden in Frankfurt bis in die Zeiten des dreißigjährigen Krieges. Verhältnismäßig spät, erst in der Mitte des 12. Jahrhunderts läßt sich das Bestehen einer Judengemeinde in Frankfurt nachweisen. Erst als sich hier eine eigene städtische Verwaltung und dann ein lebhafter Handelsverkehr herausbildete, waren die Vorbedingungen für die Niederlassung der Juden gegeben. Kracauer gibt eine Fülle wertvollster aus der Quelle geschöpfter Nachrichten zur reichbewegten Geschichte der Frankfurter Juden, zu ihrem Verhältnis zu den Königen und Kaisern, deren „Kammerknechte" sie waren, zu den geistlichen und weltlichen Herren, denen sie zu Zeiten ganz oder teilweise verpfändet waren, und zu der Reichstadt Frankfurt, in deren Besitz sie 1349 kamen, ohne dab der Kaiser seine Rechte an ihnen aufgab. Von ihren Herren immer „hochgeschätzt", aber nur als Objekt der Ausbeutung, sorgsam gegen Ansprüche anderer behütet, aber doch nicht vor blutiger Verfolgung bewahrt, haben sie sich trotz aller Bedrückungen behaupten können. Ihre anfänglich nicht unfünstige politische und wirtschaftliche tellung — sie besaßen bürgerliche Rechte und wohnten mit den Christen zusammen — wurde seit der Mitte des 14. Jahrhunderts immer schlechter. Die erst allmählich, dann rapide fortschreitende Entrechtung zeigt sich in der grotesken Schuldentilgungsaktion König Wenzels im Jahre 1391 und in den immer drückender werdenden Bestimmungen der Stättigkeiten; sie führte im Jahre 1462 zur Einschließung in das Ghetto. Den Kampf ums Dasein, den die Juden fortwährend führen mußten, ihre im Anfang recht ausgedehnte, dann immer mehr eingeen^e, schließlich ganz auf Darlehensgeschäfte und Pfänderhandel beschränkte Erwerbstätigkeit, das innere Leben im Ghetto mit seinen günstigen und seinen Schattenseiten schildert Kracauer ebenso eingehend wie die dramatischen Episoden der beiden Judenschlachten von 1241 und 1349, die Bedrängnisse durch die Fehden, die Bücherbeschlagnahme durch Pfefferkorn im Jahre 135

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