Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 137

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 137 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2259275-2259288-2259291-2260979--3459-2261101
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ordentlich aufschlußreiche,lebenswarme. aber doch die Schattenseiten (wie sie besonders in dem Drach-Kann'schen Streite und den Kulp-Kann'schen Wirren hervortreten) rücksichtslos aufdeckende, Schilderung der inneren Verhältnisse der Judengemeinde, des Lebens in der Gasse, der Sitten und Gebräuche, der Berufsschichtung und der Erwerbs- und Gesundheitsverhältnisse ihrer Bewohner. Der Band schließt mit dem hoffnungsvollen Ausblick in die Zukunft, „die die noch vorenthaltenen Rechte bringen mußte". Ich kann diese Besprechung nicht besser schließen als mit den Worten, die einer der nächsten Freunde Isidor Kracauers. wohl auch der beste Kenner seiner Lebensarbeit, Dr. Julius Cahn. in dem oben genannten Nachruf dem Forscher und seinem Werke gewidmet hat: „Ein hervorragender Gelehrter hat ein Werk geschaffen mit Liebe zur Sache, aus tiefgründiger Kenntnis jüdischen Schrifttums, mit der exakten Methode deutscher historischer Forschung — eine umfassende und vollständige Geschichtsdarstellung, wie sie keine einzige andere reichsdeutsche Judengemeinde besitzt." Otto Ruppersberg. Die anerkennenswerten Bestrebungen der letzten Jahre zur Erforschung der Geschichte der Juden in Böhmen und Mähren haben uns einige größere Werke beschert, denen diese kurze Uebersicht gewidmet ist. 1. Die Juden in Prag. Bilder aus ihrer tausendjährigen Geschichte. Festgabe der Loge Praga des Ordens B'nai B'rith zum Gedenktage ihres 25jährigen Bestandes. Selbstverlag. Prag 1927. Diese Sammlung von Aufsätzen ist auf Veranlassung der genannten Loge von Professor Dr. Samuel Steinherz, der nach einer ruhmreichen wissenschaftlichen Vergangenheit in vorgerücktem Alter der jüdischen Geschichtsforschung sich zugewandt hat, zusammengestellt worden. Sie soll den ersten Anstoß zur systematischen Erforschung der Geschichte der Juden in Prag und darüber hinaus in Böhmen bilden. In dem ersten, von Steinherz selbst herrührenden Aufsatze „Die Einwanderung der Juden in Böhmen" wird nach einer weitläufigen Kritik der Quellen zu beweisen versucht, daß in Böhmen eine jüdische Ansiedlung bereits im 9. Jahrhundert erfolgte und jedenfalls im 10. Jahrhundert, das bisher allgemein als der Beginn der Niederlassung von Juden in Böhmen angenommen wurde, die Prager Gemeinde bestand. Die erste sichere Urkunde über die Juden in Böhmen ist, wie bekannt, die Zollordnung von Raffelstetten (um 903), die allerdings den Schluß gestattet, daß es schon früher in Böhmen Juden gab. Indes bleibt auch nach dlem von St. beigebrachten Material die Frage offen, ob im 9. Jahrhundert Juden sich in Böhmen nur vorübergehend aufhielten oder dauernd ansiedelten, was übrigens vom Verf. selbst nur als wahrscheinlich hingestellt wird. Sehr einleuchtend ist die Beweisführung, daß die älteste jüdische Gemeinde in Prag aus deutschen, ungarischen und byzantinischen Juden sich zusammensetzte. Den Schluß der Abhandlung bildet ein kurzer Ueberblick über die wirtschaftliche Lage der böhmischen Juden im 10. und 11. Jahrhundert. Die „jüdische Gemeinde zu Ausgang des Mittelalters" schildert Anton Blaschka. Er beleuchtet eingehend die Rechtsverhältnisse der Prager Gemeinde, die Stellung von Staat und Kirche (insbesondere nach den Bestimmungen der Prager Synode von 1349) zu den Juden, die wirtschaftliche Lage, die bewegte Hussitenzeit. Nebenbei sei bemerkt, es ist recht schief, Reubeni als „jüdischen Freiheitshelden" zu kennzeichnen. Sehr wichtig ist und neue Perspektiven eröffnet der Anhang „Die Judenregister des Prager Burggrafenamtes", die im Anschluß an die 1479 erfolgte Zuweisung der Judenschuldensachen an die Kompetenz des Burggrafenamtes entstanden. Das Register gewährt Einblick in die von Juden mit Bürgern und Adeligen abgeschlossenen Geldgeschäfte, dann in ihren Großhandelsbetrieb, z. T. auch in die Pfandleihegeschäfte und in die inneren Verhältnisse der Juden. Die Bemerkung des Verf. über die Umgangssprache der Juden, „daß auch am Ausgang des Mittelalters die böhmischen Juden je nach den Umständen sich der einen oder anderen Landessprache bedienten, kurz echte Realpolitik trieben und das Leben so 137

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.