Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Moses Mendelssohns Witwe in Neustrelitz
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 5)
- Language
- German
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Miszeüen Zession erstreckt sich nicht auf den Ankauf eines Hauses in der Schloßstraße, die von der Niederlassung jüdischer Einwohner stets ausgenommen war. Dem vormaligen Cammer Agenten sei der Ankauf und Anbau seines Hauses nur aus besonderen Gnaden und in Betracht, daß er derzeit ein wirklicher mit einem Charakter versehener Herzoglicher Bedienter gewesen, nachgelassen worden. In diesem Sinne wird das Rescript angefertigt und liegt bei den Akten mit der Unterschrift des Herzogs. Aber es wird nicht weggefertigt. Die Unterschrift des Herzogs ist gestrichen. Er bemerkt auf demselben Aktenstück: „Ich habe mich entschlossen, der Wittib Mendelssohn die von ihr nachgesuchte Concession unter denen nehmlichen Bedingungen als solche dem Juden H. Ahrendt ertheilet wurden, ebenfalls zu ertheilen. Strelitz, d. 21. Febr. 1799. Carl H. zu Mecklenburg." So wird ihr unter demselben Datum gestattet, das gedachte Haus käuflich und eigenthümlich zu erwerben, jedoch unter den ausdrücklichen Bedingungen, daß sie 1. das Haus an keinen Juden wieder verkaufe, 2. nach ihrem Ableben ihre Familie das Haus zwar noch ein Jahr bewohnen könne, alsdann aber selbiges an einen Christen wieder verkauft werden müsse, 3. daß sie in dem Hause keine auswärtige oder gar fremde Juden zur Miete einnehme, oder auswärtige und fremde Juden ohne Concession der PoKzey auch nur eine Nacht bey sich beherberge, 4. daß sie ohne Unsere höchste Erlaubniß keine Juden Schule oder Synagoge darin anlege, und endlich 5., wie sich auch schon von selbst versteht, alle onera von dem Hause und dessen Pertinenzien trage, die entweder schon jetzt auf die Häuser und deren Pertinenzien in der Stadt geleget sind, oder noch künftig auf dieselben gelegt oder repartiret werden mögten. Wornach also dieselbe sich zu richten hat." Nicht lange behält die Witwe das Haus; denn schon Trinitatis 1800 geht es in den Besitz des Kammerassessors v. Bassewitz über. (Mitteilung des Hauptarchivs zu Neustrelitz). Nathan Meyer ist ja 1798 nach Altona gezogen, und sie folgt ihm. Vogel (Jugenheim. Fromet Gugenheim-Mendelssohn verlor als einjähriges Kind ihre Mutter, Glückel Mirjam Kleve, die am 28. Oktober 1738 gestorben und auf dem Altonaer Friedhof beerdigt ist (Grab 741, vgl. Duckesz a. a. O., Nr. 9 vom 10. September 1929). In zweiter Ehe war der V^ier Abraham Gugenheim mit Vogel Gugenheim verheiratet. Letztere fand mehrere Jahre nach dem am f. Ab 1766 erfolgten Tode ihres Mannes im Mendelssohnschen Hause liebreiche Aufnahme und verblieb daselbst bis zu ihrem Lebensende. Die neuerdings von Borodianski veröffentlichten Briefe zeugen von der großen Verehrung, welche die Stiefmutter bei ihren Kindern Moses und Fromet genoß. Sie starb am 25. Mai 1793 in Neustrelitz und wurde auf dem Friedhof zu Altstrelitz begraben. Im Grabstättenverzeichnis der dortigenGemeinde wird sie als die Frau von Abraham aus Gugenheim (O^rmiaa) bezeichnet. Die Familie, deren Genealogie von Duckesz im genannten Gemeindeblatt veröffentlicht ist, trägt also einen Ortsnamen. Sie stammte aus Gugenheim, Dorf im Unterelsaß, Landkreis Straßburg19). Moses Lemelsohn (von Mendelssohn Lemle's Sohn genannt, s. o. Anm. 11), ein Schutzjude und Judenältester in Strelitz, der für die Abstellung der frühen Beerdigung energisch eintrat, geriet in Konflikt mit einigen Strelitzer Aeltesten und beantwortet ihre Anklagen gegen ihn in einem Schreiben an die Regierung vom 3. Mai 1794 (Akten betreffend die Abstellung der frühen Beerdigung in Strelitz). Aus diesem Schreiben erfahren wir, daß Vogel Gugenheim, die nicht das geringste Vermögen besaß, seit länger als 20 Jahren bloß von der Unterstützung der Tochter lebte. In Strelitz gab es eine wohltätige Gesellschaft, bei der jeder Ansässige beim Eintritt in die Gemeinde durch Zahlung einer bestimmten Summe sich für den Fall des Todes eine Grabstelle für sich und seine Angehörigen sichern konnte. „Ebenso hat sich, schreibt Lemelson, Madame Mendelssohn, als sie sich in Neustrelitz niederließ, mit der Gesellschaft abgefunden. Als nun ihre Mutter 19) Siehe Ritter, Geographisches Lexikon 1919, IX. Auflage. 127