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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 124

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
Moses Mendelssohns Witwe in Neustrelitz
Date
1931-01-01
Page
Seite 124 (sequence 2)
Language
German
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die ersten Jahre in Berlin lebte, wo Joseph bis zum Schluß des Jahres 1804 ein kleines Bankgeschäft hatte. Demnächst siedelte die Familie nach Hamburg über, wo sich Joseph mit seinem jüngeren Bruder Abraham assoziierte, ohne daß das Berliner Geschäft aufgegeben wurde6). Borodianski, der Herausgeber der Jubiläumsausgabe, Bd. XVI, läßt sie gleich nach dem Tode ihres Mannes ihren Wohnsitz in Hamburg nehmen 7). Aus den Neustrelitzer Akten erfahren wir, daß sie 12 Jahre in Neustrelitz gewohnt hat (Ende 1787—1800) 8). Die Wahl von Neustrelitz als Wohnsitz ist leicht erklärlich. Sie wollte dort ruhig leben (s. weiter) und hatte dorthin freundschaftliche und verwandtschaftliche Beziehungen. Moses Mendelssohn hat sich wiederholt in Strelitz aufgehalten, wie wir aus dem bisher veröffentlichten Briefwechsel9) wissen. Mit Befriedigung schreibt er seinem Freunde und Vetter Elkan Herz in Leipzig von einer 14tägigen Lustreise nach Strelitz (24. August 1778) 10). Auf der Durchreise hält er sich sechs Stunden mit Frau und Sohn in Fürstenberg auf und wird von Herrn Lob sehr gut aufgenommen. Trotz der kurzen Zeit des Aufenthalts erklärt er den Ort für recht geeignet zur Niederlassung des gerade dort anwesenden Oheims von E. Herz, des Schwafers von Herrn Lob. Denn das prichwort sagt: „Ein Gast auf eine ß) Die Familie Mendelssohn, S. 39. 7) Moses Mendelssohn, Gesammelte Schriften, hebr. Schriften III, Briefwechsel, S. XXXVII. s) In einem Briefe Dorotheas an ihre Schwester Henriette in Strelitz bei Mendel Meyer Hofagent in Strelitz aus Berlin, 15. September 1788, ist von dem bevorstehenden Umzüge die Rede. „Mama lebt in der Tat hier jetzt zu unruhig, ihr schwacher Körper würde es nicht lange so aushalten können, sie würde auch immer nur verdrießlicher werden; dort wird sie aber recht ruhig leben „können" (J. M. Raich, Dorothea v. Schlegel, Briefwechsel, Mainz 1881, S. 1). 9) Kayserling, a. a. O., 1. Aufl. Anhang, Briefe SS. 503, 504, 521; Jubiläumsausgabe, SS. 243, 293. 10) Jubiläumsausgabe XVI, S. 243 v. 25. August. 124 Weile". Im folgenden Jahre schreibt er von Strelitz aus an August v. Hennings in Kopenhagen: „Ich *bin auf einige Tage hierher gereist, einen Freund zu besuchen. Ich habe hier keine Geschäfte, keine Bücher, keine Zerstreuung. Ich kann mich sammeln und an die Angelegenheiten meines Herzens mit Muße denken." Er empfiehlt am 27. April 1784 Elkan Herz „2 assoziierte Kaufleute aus Strelitz" Lemle's Sohn11), mein alter Bekannter und Freund, und Mendel Meyer, Sohn meines sehr speziellen und innigst geliebten Freundes Herrn Nathan Meyer12) (herzoglicher Hofagent, soll heißen und Kammeragent) zu Strelitz, die zum ersten Mal die Leipziger Messe besuchen. 11) Lemelson und Mendel Meyer erhalten am 21. April 1784 für die errichtete Sozietätshandlung („sowohl fremde Waaren und Güter anhero kommen zu lassen als auch hiesige Producten auswärts zu versenden") Akzisefreiheit auf zwei Jahre gegen jährliche Erlegung von 25 Talern Gold. Vom 20. Mai 1786 ab müssen sie, da der Handel en detail und en gros von großem Umfange ist und sie die geforderten 100 Taler nicht zahlen wollen, ediktmäßig steuern. Moses Lemelson, Schutzjude in Strelitz und Aeltester der Gemeinde, kämpft für die Abstellung der frühen Beerdigung und legt am 18. September 1793 einen von ihm entworfenen Plan zu einer Schulanstalt vor, worin u. a. in der Bibel nach der Mendelssohnschen Uebersetzung unterrichtet werden soll (Strelitzer Akten). Lemelson ist 1797 1. Buchhalter bei einem Bankier in Altstrelitz. Am 8. Februar d. J. wird ihm auf eine Eingabe erlaubt, für seine Frau und Kinder in Neustrelrtz Wohnung zu nehmen, damit seine Kinder dort Unterricht in neuen Sprachen und Musik nehmen können. 12) Nathan Meyer (Wollenberger), Schwiegersohn des Schutzjuden Moses Mendel, erhält am 30. Juli 1766 ein Privilegium auf Altstrelitz, das am 4. November 1775 auf Neustrelitz erweitert wird. Sein Patent zum Kammeragenten ist vom 24. September 1775 datiert. Da am 15. August 1798 gemeldet wird, daß er seit geraumer Zeit abwesend ist und wahrscheinlich

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