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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 108

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
Der Handel der westeuropäischen Juden mit dem alten Kiev
Date
1931-01-01
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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Julius Brutzkus. Der Handel der westeuropäischen Juden mit dem alten Kiev Die Handelsbeziehungen der Juden mit Kiev werden besonders intensiv gegen Ende des 12. Jahrhunderts, in der Zeit, wo das christliche Europa im Orient im Kampfe gegen die Seldjuken stand. In diese Zeit fällt auch eine Reihe von Nachrichten der jüdischen Reisenden, die Rußland besucht hatten. Außer Petachja aus Regensburg muß noch R. Eliezer ben Isaak aus Prag erwähnt werden, der die religiösen Bräuche der kleinen Gemeinden48), die er während seiner Anwesenheit49) in Rußland gefunden hat, beschreibt. Sein Zeitgenosse war R. Isaak aus Durbalo50), der auf der Reise aus Rußland den bekannten Prager Rabbiner Isaak Halavan besucht und ihm über Begräbnisriten der russischen Juden Bericht erstattet hat51). Dank den lebhaften Beziehungen mit Kiev finden wir des öfteren auch russische Juden im Westen. In Köln treffen wir im Jahre 1171 einen reichen Kaufmann aus Wladimir (Binjamin hanadiv mi-wladimir), der auf seiner Geschäftsreise nach Köln gekommen, dort auf eine falsche Denunziation hin auf dem Marktplatz festgenommen und ins Gefängnis geworfen war52). Etwas später, am Anfang des 13. Jahrhunderts, finden wir in Deutschland einen Gelehrten Isaak aus Russia53). Noch bemerkenswerter ist das Erscheinen der russischen Juden um diese Zeit im fernen England. Unter den alten Schuldverschreibungen, die von Jacobs veröffentlicht wurden, finden wir eine Urkunde des R. Isaak aus Russien aus den Jahren 1180—118254). Bei demselben Autor finden wir einen Auszug aus dem Werke des englischen Juden R. Moses Hanessia, der in den Jahren 1170—1215 gelebt hat. Dort wird u. a. ein gewisser R. Iza aus der Stadt Cernigow in Rußland erwähnt, der manche Bibelworte durch den Vergleich mit dem Russischen zu deuten versuchte. Das im Text angeführte Beispiel zeigt, daß R. Isaak aus Cernigow tatsächlich mit der lebendigen russischen Volkssprache bekannt war55). Die lebhaften Beziehungen führten auch zu einer kulturellen Annäherung der russischen und der westlichen Juden. Außer den bereits genannten Moses aus Kiev und R. Iza aus Russia, deren Autorität auch in Deutschland anerkannt wurde, können wir auf das erhaltene Werk R. Samuels, das im Jahre 1124 in Rußland im Geiste der . 48) O r Sarua, T.I, S.40; Responsa Meir Rotenburg (ed. Lemberg), §112. ebda., T. IV (ed. Jerusalem), § 37, S. 32. 50) Gross (Gallia Judaica, p. 27) meint, daß der Name Durbalo von d'Orville in Nordfrankreich abstammt. 51) Zidkiah Harofe, a.a.O., S.384; Machsor Vitry, ed. Berlin 1888, SS. 243 und 248. 52) Neubauer und Stern, Hebräische Berichte über Judenverfolgungen etc., S. 71. 53) Im Kommentar des R. Saltmann zum Pentateuch in einem Manuskript der Bibliothek von Cambridge, N. 53 (Siehe Katalog Schiller-Szynessy, S. 163—168). 54| J. Jacobs, The Jews in Angevin England, p. 73. 55) „We-amar Ii R. Jizschak mi-Sernigov ki be-tiras schel russia omrim al beulah jibum". J. Jacobs. Das., S. 73; das zweite Exemplar dieser Handschrift befindet sich in der Oeffentlichen Bibliothek zu Petersburg. Vgl. A. H a r - k a v y, Ueber die Sprache der Juden in Rußland, S P B. 1865, S. 35. 108

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