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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 102

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
Der Handel der westeuropäischen Juden mit dem alten Kiev
Date
1931-01-01
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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Julius Bruizkus. Der Handel der westeuropäischen Juden mit dem alten Kiev „Die Stadt Prag", sagt er, „hat den reichsten Handel unter den Städten, es kommen nach ihr aus Krakwa die Russen und die Slaven mit Waren; und es kommen nach ihr aus dem Lande der Türken Muselmaner und Juden und Türken auch mit Waren und Dukaten und führen von ihnen Sklaven, Zinn und verschiedene Pelze aus". Unter dem Lande der Türken soll nicht etwa Ungarn verstanden werden; denn Ungarn wurde von den Arabern und Juden niemals als das Türkenland bezeichnet, und da gab es im 10. Jahrhundert auch keine Handelsmöglichkeiten, vielmehr sind die Gebiete von Chazarien und Krim gemeint, die von türkischen Stämmen bewohnt waren. Als Folge der ständigen Reisen der jüdischen Kaufleute entsteht auf dem Wege zwischen Rhein und Kiev eine Reihe jüdischer Gemeinden. Außer Augsburg, Regensburg und Prag können wir auch eine Erwähnung der Juden in Peremysl aus dem Jahre 1031 notieren. Isaak b. Moses aus Wien (13. Jahrh.) berichtet in seinem Or Sarua nach R. Jehuda Hakohen25), der im 11. Jahrhundert in Mainz gelebt hat, von der Eroberung der Stadt Primusch in Polen, der Gefangennahme der ganzen jüdischen Bevölkerung der Stadt und ihrer Entführung in das Land der „griechischen Slaven". Nach den Angaben der russischen Chronik wurde tatsächlich im Jahre 1031 die Stadt Peremysl von Jaroslav Mudryj (der Weise) genommen, alle Einwohner wurden entführt und an dem Flusse Ros' südlich von Kiev angesiedelt. Der ältere russische Geschichtsschreiber Tatiscev, der noch die inzwischen verlorengegangenen Quellen benutzte, spricht ebenfalls von der Ansiedlung der Juden am Flusse Ros\ Es unterliegt daher keinem Zweifel, daß schon in diesem frühen Zeitalter Juden dieses wichtige an der Grenze von Polen, Rußland und Ungarn gelegene Handelszentrum bewohnten. Wir können daraus schließen, daß die Reiseroute der jüdischen Kaufleute im 10. und 11. Jahrhundert von Mainz über Regensburg, Prag, Krakau und Peremysl nach Kiev führte. Die erste polnische Chronik von Gallus erwähnt gleichfalls, daß Polen in alten Zeiten nur wenigen bekannt war, mit Ausnahme der Kaufleute, die nach Rußland reisten26). Im 11. Jahrhundert eröffnet sich für den Handel mit Kiev ein neuer bequemer Weg, und zwar 8ie Donaustraße über Ungarn, das mit der Bekehrung zum Christentum den Kaufleuten zugänglich wurde. Der Ausgangspunkt ist Regensburg und der Umladeplatz Estergom (Gran) oder Budapest, wo jüdische Gemeinden auftauchten. Eine interessante Episode von einer derartigen Handelskarawane der Regensburger Juden, die auf der Rückfahrt aus Rußland in irgendeine ungarische Stadt an der Donau eintraf, wird uns von dem italienischen Arzt Zidkia-ben-Abraham (13. Jahrh.) im Namen des R. Kalonymus b. Schabbataj (um das Jahr 1050) überliefert27): 25) Or Sarua, B. 1, cap. 694, p. 196. Diese Episode ist näher behandelt in dem Artikel: „Die ersten Niederlassungen der Juden in Polen'' in den Historischen Schriften des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts, Berlin 1929. 26) Bielowski, Monumenta Poloniae, B. I., p. 394. 27) Sefer Schibbole Haleket haschalem, ed. Buber, Wilna 1886, § 60, S. 47. 102

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