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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 101

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
Der Handel der westeuropäischen Juden mit dem alten Kiev
Date
1931-01-01
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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Julius Brutzkus. Der Handel der westeuropäischen Juden mit dem alten Kiev Hause der Samaniden seien. Es ist übrigens merkwürdig, daß man hier in dem fernen Westen in riesigen Mengen Gewürze findet, die nur dem fernen Osten eigen sind — wie Pfeffer, Ingwer, Gewürznäglein, Nard, Kostus und Galanga, die aus Indien ausgeführt werden". Wie wir sehen, wurde im 10. Jahrhundert Mainz, in dessen Nähe sich Ingelheim, die Residenz der fränkischen Kaiser, befand, zu einem der wichtigsten Punkte für den Verkehr mit dem Orient. Deutsche Chroniken erwähnen die russischen Gesandtschaften, die aus Kiev nach Mainz gekommen sind19), in den Jahren 959, 973, 1040 und 1042. Der umfangreiche Handel der deutschen Juden mit dem Orient setzte Venedig in Bewegung. Die Judenverfolgungen in. Byzanz im Jahre 93220) und den anläßlich dieser Ereignisse geschriebenen Brief "des Kaisers Romanus zum Vorwand nehmend, wenden sich der venetianische Doge Peter und der Patriarch von Grado Marinus an Kaiser Heinrich und den Erzbischof von Mainz mit dem Vorschlag, die Juden zum Christentum zu bekehren, und falls diese darauf nicht eingingen, ihnen „den Handel mit Metallen, Tuch und Spezien zu verbieten, worauf die Juden, verstoßen und entehrt, von selbst das Land verlassen würden"21). Dieser nicht ungeschickte Versuch der Venetianer, sich der Konkurrenz zu entledigen, schlug jedoch fehl. Der Mainzer Erzbischof konnte sich nicht dafür entscheiden, die Juden des Landes zu verweisen, wandte sich aber an Papst Leo VII. mit der Frage, ob man die Juden gewaltsam taufen dürfe, worauf ihm der Papst den Bescheid erteilte, daß man das nicht tun solle, es vielmehr besser sei, die Juden zu verbannen. Der Erzbischof ließ die Juden in Ruhe, wahrscheinlich wollte er nicht, daß ihm die Einkünfte aus dem großen Handel der Juden verlorengingen22). Die westlichen Juden erreichten während ihrer Reisen zu jener Zeit nicht nur Prag und Kiev, sondern auch die chazarische Hauptstadt an der Wolga; das erkennen wir aus der Marschroute, die die chorvatischen Juden dem Minister von Kordoba Chisdai-ibn-Schaprut gegeben haben, wie auch aus der Reise des deutschen Juden Itzchak ben Eleazar, der um das Jahr 955 den Brief von Chisdai dem chazarischen König Josef überbracht hat23). Der Weg nach Rußland führte über Prag und Krakau. Im Jahre . 965 wurde Prag von dem spanischen Juden Ibrahim-ibn-Jakub besucht, der uns eine ausführliche Beschreibung Böhmens und der Nachbarländer hinterlassen hat24). 19) V. Heyd, Histoire du commerce du Levant, t. II, p. 79. 20) Näheres über diese Verfolgung siehe J. Brutzkus, Pis'mo chazarskogo evreja, Berlin 1924, S. 19. 21) D ü m m 1 e r, Gesta Berengarii imperatoris, Halle 1871, p. 157. 22) Aronius, N. 125. 2S) A. Harkavy, Chasarskija Pis'ma in der Zeitschrift „Evreiskaja Biblioteka", B. VII und VIII, vgl. auch Russ. Revue von Rötger, St. Petersburg 1875 und 1877. 24) Der Bericht Ibrahim-ibn-Jakubs ist uns in der Wiedergabe des spanischen Arabers Al-Bekri erhalten geblieben und wurde von Kunik und Rosen in den Memoiren der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften, Petersburg 1878, B. 32 veröffentlicht; vgl. auch Westberg, in Memoires de PAcademie imperiale des sciences, St. Petersburg 1898, Serie 8, Bd. 3, No. 4. 101

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