Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Der Handel der westeuropäischen Juden mit dem alten Kiev
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
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Julius Brutzkus. Der Handel der westeuropäischen Juden mit dem alten Kiev Wie wir aus der Urkunde sehen, waren die Juden zur Zeit der Könige Ludwig, Karloman und Chlodwig die zahlreichsten internationalen Kaufleute, deren Steuern genau festgestellt waren und keine Zweifel erweckten. Außer den erwähnten Sklaven führten die Juden aus den weiten Landern auch andere Waren ein. Bei den slavischen Kaufleuten aus Böhmen und Rußland werden Sklaven, Sklavinnen, Pferde und Wachs erwähnt. Das stimmt mit den Nachrichten des späteren Reisenden Ibrahim ibn Jakub über die russischen und jüdischen Kaufleute, die im Jahre 965 über Krakau nach Prag kamen, gänzlich überein. Anfang des 10. Jahrhunderts beginnt diese nördliche Route für 1 die westlichen Juden eine immer größere Bedeutung zu gewinnen. Die aufsteigenden italienischen Städte Venedig, Amalfi, Genua und Pisa vernichteten erbarmungslos alle Konkurrenz und machten der im Zeitalter der Karolinger noch bedeutenden Seeschiffahrt der Juden11) ein Ende. Da die Venetianer auch die Aufnahme der jüdischen Kaufleute auf venetianische Schiffe verboten12), mußte sich der jüdische Handel mit dem Orient zwangsläufig auf der nördlichen, über deutsche und slavische Länder führenden Route konzentrieren. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts erscheinen die jüdischen Gemeinden in Mainz und Augsburg13), gegen die Mitte in Regensburg14) und Prag15). |Mainz wird damals zum wichtigsten Ausgangspunkt für die Handelspreisen nach Osteuropa. Hier sind auch arabische Dirhems gefunden worden, die sonst westlich von der Elbe nur sehr selten zu finden sind16). Ueber den großen Umfang, den der Mainzer Handel mit dem Orient annahm, können wir uns nach dem Berichte des spanischen Arabers Ibrahim Tartuschi ein Bild machen, der Mainz um das Jahr 973 besucht hat. Seine Erzählung ist bei Kazwini17) angeführt, und der erste, der auf sie die Aufmerksamkeit gelenkt hat, war der bekannte Orientalist Frähn18). Wir geben hier die Uebersetzung des interessanten Fragments wieder: „Maganza — ist eine große Stadt, von der ein Teil bewohnt ist, der andere Ackerland darstellt. Sie liegt in dem Lande der Franken an einem Flusse, der Rhein genannt wird. Weizen, Gerste, Hirse, Wein und andere Früchte gibt es hier in Fülle. Man findet hier Dirhems, die in Samarkand in den Jahren 301—302 (913—915) geprägt waren; es steht auf ihnen der Name des Herrschers, von dem sie geprägt waren und das Jahr der Prägung. Tartuschi sagt, daß es die Münzen des Nasrben Achmed aus Samarkand aus dem u) J. Aronius, Regesten, N. 44, 54, 74. Vgl. hierzu sowie zu Anm. 13—15 Germania Judaica s. v. 12) Filiasi, Ricerche storico-critiche nel commercio. Venecia 1803, p. 65. 13) Aronius, N. 118, 121 [daß die in 118 genannten Juden in Augsburg gewohnt haben, ist durchaus nicht sicher; ferner wäre zu untersuchen, ob die häufiger vorkommende Wendung nicht stereotyp und daher ohne Beweiskraft ist. I. E.]. 14) Ibidem, N. 135. ") Ibidem, N. 125 a. 16) E. Babelon, Le commerce des arabes dans le nord d'Europe avant les croisades, Paris 1882, p. 32. Kazwini, ed. Wüstenfeld, Göttingen 1848, T. II, p. 409. 18) Memoires de l'Academie des Sciences de St. Petersbourg, 1834, serie VI, s. 87—89. 100