Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 10)
- Language
- German
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Otto Kluge. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus die Plurale ischajim und ischöth (Bl. 8 a). Wie es um seine grammatischen Kenntnisse bestellt war, geht daraus hervor, daß er beim Verb die 1. Form des Präsens für die Grundform hielt. Reuchlin, den er 1500 fragte, klärte ihn darüber auf, daß dies garnicht die Grundform sei; die 3. Person sei,,,thema verborum apud Hebraeos" 32). Vor dem 2. Teil der Schrift ist Jesaja abgebildet in Kniehosen, Zipfelmütze, an der eine Taube pickt, die den heiligen Geist darstellt. Die Züge haben so wenig Prophetisches, daß der daneben angebrachte Name zur Identifizierung unbedingt nötig ist. Das Bild bereitet vor auf die Sprachproben aus Cap. 1, 11, 7, 9, 14 (in dieser Folge). Es folgen dann noch zwei Psalmtorsos (110 und 113), die samt der jämmerlichen interpretatio literalisS3) pädagogisch für den Anfänger ebenso ungeeignet sind wie die Jesaja-Kapitel. Das 13 Seiten umfassende Lexikon enthält nun keineswegs die Vokabeln zu den vorausgehenden Uebungsstücken, wohl aber sehr viel andere. Es fehlt auch hier nicht an Kuriositäten. Gleichstämmige Substantiva und Verba werden, wenn sie in der Bedeutung von einander abweichen, wiederholt aufgeführt; neben dem Verbalstamm wird das Partizip oft als besonderes Wort genannt, z. B. n-plK (1. P. Fut. Hif. von np;) für pretiosum, SSO (von Kl3) offerre unter n, darüber 2? „äffer". Man sieht, von einer bestimmten Regel der Ordnung ist nicht die Rede. Und zu alledem die unglaublichen Typen, Hieroglyphen, kabbalistischen Zeichen ähnlich, die eine Entzifferung der hebräischen Wörter entweder garnicht oder nur mit größter Mühe erlauben. Und diese Mühe des Ratens lohnt ebensowenig wie die photographische Wiedergabe des Ganzen durch Nestle, da das Büchlein nur als Kuriosum zu gelten hat, nicht als wissenschaftliches Dokument. Pellikan, ein Schweizer, stammte als Ordensbruder — er schloß sich später der Reformation an — aus einem Kreis, in dem besonders in Süddeutschland zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Kenntnisse des Hebräischen unter der Leitung gelehrter Aebte schon eine Pflegestätte gefunden hatte34). Er wurde 1523, ein Jahr nach Reuchlins Tod, Professor der hebräischen Sprache in Zürich. Seine Erinnerungen aus dem klösterlichen Leben enthalten entgegen den Bildern anderer Zeitgenossen nichts von Bitterkeit und Widerwärtigkeit, vielmehr manchen rührenden Zug von schlichter Einfachheit und Wissensdrang unter äußerer Enge. Das Studium hatte einen gewissermaßen patriarchalischen Charakter. Der autodidaktischen Methode Pellikans steht der Wanderunterricht gegenüber, den Th. Platter (1499—1582), ebenfalls ein Schweizer, der Mittelpunkt der humanistischen Studien in Basel, erteilte. Dort betrieb er das Seilerhandwerk und lehrte daneben Hebräisch35). Er erzählt in seiner Autobiographie, wie er Marg. II. 2, Nr. 3). Joseph Kimchi, der Vater, und sein Vorgänger Abraham ben Esra wählten -ifctf . Bacher, S. 72. 32) Dazu Pellikan: „Hac regula accepta exultavi animo, sciens huiusmodi verbo impleta esse Biblia." Riggenbach, SS. 19, 46. 33) Kluge, Humanismus, S. 36. 34) Paulsen I, S. 162. Geiger, Renaissance, S. 450, berichtet von dem fast gleichzeitig (1481—1543) lebenden Nik. Eilenbog, einem Mönch zu Ottobeuern, der sich einige hebr. Kenntnisse durch langjähriges mühsames Studium angeeignet hatte — „mußte er doch viele Jahre warten, bis er eine hebr. Bibel erlangte, und konnte nur durch eine Art von Kombination die Kenntnis der Buchstaben erlangen". 35) H. Boos, Thomas und Felix Platter. Zur Sittengesch. d. 16. Jahrh. Leipzig 1878, S. 51. Aus Th. Platters Selbstbiographie (Boos, S. 50) ist zu entnehmen, daß 1526 durch Pellikans Vermittlung 12 hebr. Bibeln aus Venedig in Zürich für je eine Krone verkauft wurden. „Die gab ich drumb und fieng 90