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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 87

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
Date
1931-01-01
Page
Seite 87 (sequence 7)
Language
German
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Otto Kluse. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus noch äußerlicher in dem Bestreben, auch dies seltene Gebiet kennen zu lernen. Es war eine Reaktion gegen die Unwissenschaftlichkeit des Mittelalters. Der erste, der einige wenige hebräische Buchstaben seinem Werk einfügte, ist der erwähnte P. Nigri (P. Schwarz). Er war Kleriker („ordinis praedicatorum"), gehörte also zu einem Stande, der das geistige Leben repräsentierte und beherrschte. Er ist Verfasser von zwei höchst seltenen antijüdischen Schriften. Zuerst schrieb er 1475 in Form einer Abhandlung über Ps. 118,22 die Quintessenz einer in Regensburg mit den Juden gehaltenen Disputation in lateinischer Sprache15). Das Buch ist titellos „pro more illius aetatis typographorum"16). Steinschneider (1442) hat den 'Titel erschlossen aus 'den Worten der Unterschrift (Bl. 43 b) „Tractatus ad Judaeorum perfidiam exstirpandam", während Wolf (II. S. 1037) und Fürst (III. S. 35) in den Anfangsworten nach der Dedikation (Bl. 1 a) „Tractatus contra perfidos Judaeos de conditionibus veri Messiae ex textibus hebraicis" den Titel sehen. Das Buch ist das erste, in dem hebräische Buchstaben, d. h. Holzschnitte erscheinen 17). Ueber dem hebräischen Text in lateinischer Umschrift steht die lateinische Uebersetzung, so am Anfang über den Worten „Semah nah hackoen haggadol attah ve rehecha haiosbim lefanecha" die Uebersetzung „Audi nunc sacerdos magne tu et amici tui habitantes coram te". Diese dilettantische Manier konnte gewiß kein Sprachwissen vermitteln. Den homiletischen Zweck, die Judenbekämpfung, erreicht der Verfasser in den Schlußfolgerungen seiner Bibelzitate. Er führt die zehn Gebote an aus Exod. 20, den Segen Aarons aus Num. 6; zu Jes. 9 und 66 zitiert und transkribiert er sogar das Targum. Bei einem Theologen des 15. Jahrhunderts gewiß interessant genug. Zwei Jahre später (1477) ließ Nigri bei demselben Drucker eine deutsche Ausgabe erscheinen18). Am Schluß dieser großen Ausgabe befindet sich auf sechs Blättern die Inhaltsangabe, die mit den Worten beginnt: „Das buch, welichs wirt genennet Chochaf hamschiah das ist getülmeczt eyn stern des Meschiah ... ist gemacht allein auß dem alten gesecz czu einer erclerung und bestetigung deß kristlichen glaubens und czu einer besserung und bekerung der armen Jüden oder czu einer cola in einem Gedicht „Ad lectorem" vor seiner „Ars versificandi": „Quique mihi tribuit aliena ideomata, Graecos Noscere et Hebraeos, doctus utrosque legens." Conradi Celtis Protucii Ars versif icandi et carminum. O. O. u. J. (Leipzig 1490). 24 Bl. Bl. Ib. (Ex.: Zeitz Stifts-B. Wien Nat-B. Ersterer verdanke ich das Zitat). 15) Gedruckt bei C. Fyner (Feiner) in Eßlingen, 49 Bl. kl. fol. — 1531 schreibt Joh. Eck in „Ains Juden büechlins Verlegung" Bl. 53 b, 54 a (s. Abk.): „Petrus schwartz... erlangt bey dem Kaiser, das die juden zu Regenspurg mußten an sein predig gan: In denen er allweg wider die juden predigt." Nigri verlangte, daß die deutschen Fürsten „das verflucht buch talmud" (Nigri, Bl. 308 b) in ihren Landen nicht leiden, sondern verbrennen lassen sollten. Aus gewissen Haggaden des Talmuds suchten die Disputatoren den Nachweis für die Messianität Jesu zu erbringen, und da die jüdischen Gelehrten sich nicht bekehrten, wandte sich der Angriff gegen den Talmud selbst als das Bollwerk des Judentums. Bauch, S. 26, 77. Geiger, Reuchlin, SS. 235, 286. Vgl: unten A. 79—81. 16) Wolf II, S. 1110. 17) Panzer, Annales, vol. I, pag. 380, Nr. 6: „primus est über, in quo characteres hebraici apparent." Cat. Br. Mu. 3836: „this is the first book, in which the Hebrew printed characters occur." — „only three Hebrew words" Ginsburg, 780. Eine gute Schriftprobe bei Lüthi, S. 6 und 9. ") S. Abk. Hain 11886. Br. Mu. C. 9. b. 13. Steinschn. 1442. 2. Diese Ausfabe benutzte Pellikan. Vgl. Nestle, Marg. II, 2. S. 6. — Wolf gibt II, . 1110—1115 eine Charakteristik des Buchs mit Abdruck vom Anfang und Schluß, IV, S. 527—546 eine Inhaltswiedergabe vom Standpunkt seiner Zeit: „Excerpta ex Petri Nigri Stella Messiae." 87

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