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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 86

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
Date
1931-01-01
Page
Seite 86 (sequence 6)
Language
German
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Otto Kluse. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus als die Hälfte der Arbeitszeit auf das Verbessern verwenden müßten. Daß es mit den Drucken damals arg bestellt war, geht auch aus einem Brief desJElias Levita an Seb. Münster (1531) hervor, in dem der Schreiber sich wundert, daß sein Kommentar zu M. Kimchis Grammatik drei- oder viermal gedruckt worden sei, „ohne daß sich jemand gefunden hat, der auch nur einen von all den Fehlern, die darin sind, verbesserte"8). Und derselbe Levita notierte „ducentos errores et amplius" in der Venetianischen Ausgabe seines Masoreth hammasoreth (am Ende der 3. Vorrede), von denen dann später immer noch mehr als die Hälfte in die Basler Ausgabe hinübergingen 9). Es fehlte nicht an hebräischen Bibeln, die aus Italien, besonders Venedig, eingeführt wurden, wohl aber an Kenntnis der Sprache, dieser „vere arcanae literae" 10) voller Rätsel n). Der geringen Verbreitung der Sprache kam noch das religiöse oder konfessionelle Vorurteil entgegen, daß man von dem Hebräischen, der Umgangssprache der elenden verachteten Juden, sich fernhalten müsse, um nicht selbst ein Jude zu werden12). Schlimmer noch war der Vorwurf des Teufelsbündnisses. Dem faustischen Mediziner und Alchimisten am Hofe des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg, Leonhard Thurneißer (1530—1596), wurde von seinem Gegner, dem Greifswalder Professor Franz Joel, vorgehalten, „daß er den Teufel in einem Kristallglase bei sich führe... Durch dessen Hilfe schriebe er in lateinischer, chaldäischer, hebräischer und indischer Sprache, ohnerachtet er sie gar nicht verstände"13). Und diese Anklagen waren zu jener Zeit höchst gefährlich. So ist es verständlich, daß nur wenige sich anfangs dem Hebräischen zuwendeten, und nicht immer aus gleichen Gründen. Bei Nigri, Pellikan und den meisten geschah es aus religiös-theologischer Gesinnung — sie drangen auch kaum zu selbständiger sprachlicher Arbeit vor; andere, die Humanisten R. Agricola, sein Schüler K. Celtes14), Seb. Murrho, faßten es 8) Peritz, S. 13. *>) Wolf I, S. 157. 10) Mutian an Reuchlin 13. September 1516. Geiger, Briefw., S. 257, vgl. auch S. 89 und 335. n) G. Simler in seiner Grammatik „Isagogicon s. Introductorium in literas Graecas", Tübingen 1512. Bei A. Horawitz, Griech. Studien, S. 426 („Berliner Studien f. klass. Philologie und Archäologie", herausg. v. F. Ascherson, 1. Bd., Berlin 1884). 12) „Qui hanc (linguam) discunt, efficiuntur Iudaei." Konrad v. Heresbach zitiert dies Wort als Ausspruch eines Mönchs in seiner „Oratio in commendationem Graecarum literarum Friburgi habita" 1521. Bei H. Schreiber, Geschichte d. Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg i. B. Frbg. 1868, II, S. 6. A.Wolters, Konr. v. Keresbach u. d. Klev.Hof zu s. Zeit. Elberf. 1867, S. 39. Dieses „bon mot" erfreute sich ziemlicher Bekanntschaft bei den Humanisten (Schudt, S. 281; Schnurrer, S. 1). Claudius Epensaeus schrieb Comment. ad 2. Tim. 3: „in autoribus latinis graece nosse suspectum fuit, ebraice autem prope haereticum." Schudt, S. 281. — „Eos haereseos insimularunt, qui . . . Hebraeum veteris instrumenti codicem ex corruptorum manibus asserere studebant." Tribbechovius, S. 215. Noch 1536 mußte N. Winmann in Ingolstadt in seiner Antrittsrede die Studenten beruhigen: das hebr. Studium habe nicht die Folge, „ut transeas in Judeorum infidelitatem et perfidiam". Winmann, Bl. 10 a. Erasmus konnte gegenüber solcher Beschränktheit sehr deutlich werden. „Ubi sunt isti cameli verius quam homines, qui blaterant... nihil aliud orin quam haereses? Et cum haec vociferentur in publicis concionibus, mirantur si quibus videntur elleboro egere" urteilt er mit einem ihm geläufigen Kalauer 1523 gegenüber Joh. Carondilet, den Archidiakon von Byzanz. Allen, ep. 1334. 834 ff.; Schudt, S. 282. 13) De morbis hyperphysicis et rebus magicis ö-saet«; Francis« Joelis Medici. Rostochii 1579. 410 S. Vgl. Moehsen, S. 159. Thurneißer schrieb dagegen seine „Kurtze Verantworttung auff die unbesunnenen ubelgegründeten Theses Frantz Joels deß Leugcentiaten zu Grypßwaldt in Pommern". 1580. 28 Bl. Sämtl. Berlin. Staatsbibl. Ueber Th. s. u. A. 127. 14) Der Dichter Konr. Celtes (od. Celtis, sc. Filius, versteinerter Gen. wie Scriptoris u. a., 1459—1508) prahlt mit dem Ruhm seines Lehrers R. Agri- 86

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