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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 1 · p. Seite 75

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 1
Article
Oberrabbiner Michael Scheuer als Kritiker seiner Zeit
Date
1931-01-01
Page
Seite 75 (sequence 4)
Language
German
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Grundfesten erschütterte. Die Denkschriften des jugendlichen Dr. Leopold Ladenburg zugunsten der Emanzipation der badischen Juden waren, obwohl sie unserer heutigen Auffassung nicht mehr entsprechen, eine jüdische Großtat. Und das Werk des Rabbiners Präger förderte den Bestand der Gemeinde; denn es bewirkte, nachdem die straffe Kirchenzucht und mit ihr die Strafgewalt des Rabbiners geschwunden waren, daß die in weiten Kreisen einzureißen drohende Entfremdung vom Judentum noch rechtzeitig eingedämmt werden konnte. Erst nach Prägers Tod trat allmählich eine Erschlaffung ein, die neuerdings zu überwinden versucht wird. Wohl traten Wankelmütige während dieser Zeit ins andere Lager über. Das ist aber eine betrübliche Erscheinung, die in allen Perioden jüdischer Geschichte festzustellen ist. So weist Unna in seiner Schrift „Die Lemle Moses Klausstiftung" nach, daß schon bald nach dem Tode des Stifters christliche Anverwandte Ansprüche an die Stiftungseinkünfte erhoben. — So ging es auch, was weniger bekannt sein dürfte, den beiden anderen Klausstiftern Michel May und Elias Hayum, von denen je eine Tochter zum Christentum übertrat11). Das waren aber nicht die einzigen Entfremdungen jener Zeit. Die Zahl der Judentaufen war im 18. Jahrhundert verhältnismäßig nicht geringer als im folgenden. So interessant die Predigtniederschriften des Oberrabbiners Michael Scheuer trotz ihrer Widersprüche auch sind, als Geschichtsquelle sind sie, wie aus den mitgeteilten Proben hervorgeht, mit Vorsicht zu verwenden. Zumindest sind die aus ihnen abstrahierten Werturteile abzulehnen. Berthold Rosenthal. xl) Die Tochter des Elias Hayum, deren erster Mann Hillel Ulimann völlig verarmte, wird in den Rats-Protokollen (23. Nov. 1778) als eine „des Wohllebens und Staats (Putzsucht) zugetane Person" geschildert, „die an ihres Ehemanns Untergang viel Schuld trage." Bücherschau Hans F. K. Günther, Rassenkunde des jüdischen Volkes. Verlag J. F. Lehmann. München 1930. „All is race, there is no other truth" (Disraeli). Der vorliegende neue Versuch, die Rassenelemente des jüdischen Volkes zu erfassen, hat sich eine Aufgabe gestellt, die sich zeitlich über mindestens drei Jahrtausende, räumlich über die ganze Erde erstreckt. Wenn es schon außerordentlich schwer fällt, die rassenhafte Zusammensetzung des deutschen Volkes wissenschaftlich einwandfrei zu bestimmen1), so leuchtet ohne weiteres ein, wie ungeheuer schwierig es ist, die gleiche Aufgabe bei einem so alten und so viel umher- *) Diese dem Verfasser sicher bekannte Tatsache hat ihn aber nicht gehindert, schon vor Jahren eine Rassenkunde des deutschen Volkes zu schreiben, die in fachlichen Kreisen als mißlungen angesehen wird. geworfenen Volke, wie es das der Juden ist, gewissenhaft zu erledigen. Das jüdische Volk saß höchstens 1300 Jahre in seinem Heimatland Palästina; länger als dieser Zeitraum dauert der seiner Zerstreuung über die ganze Erde. Es ist dabei mit nahezu allen Rassen, die es auf der Erde gibt, abgesehen von den Völkern der neuen Welt und Australiens, in Berührung gekommen. Mit allen Rassen des alten Kontinents ist es in mehr oder minder großem Ausmaße Mischungen eingegangen. So steht jeder, der sich mit jüdischer Rassenkunde befaßt, vor einer weit umfassenderen Aufgabe als derjenigen, die sich dem Verfasser einer Rassenkunde eines beliebigen, seit langen Jahrhunderten in einer bestimmten Gegend seßhaften Volkes darbietet. Die Rassenerforschung solcher seßhaften Völker hat noch eine mächtige Stütze in der Bodenforschung des betreffenden Landes. Aus Skelettresten lassen sich natürlich Schlüsse auf die rassenhafte Zusammensetzung 75

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