Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1
- Article
- Heinrichs IV. Verhalten zu den Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 9)
- Language
- German
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Sara Schiffmann. Heinrichs IV. Verhalten zu den Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges Die erste Stelle (Qu. I) liest sich Sglatt und ohne Störungen, sie ist auch klar in der Darstellung. Die Ereignisse folgen logisch aufeinander und sind ursächlich miteinander verbunden. — Wir haben nun den Inhalt daraufhin zu prüfen, ob die hier berichteten Tatsachen sich mit den sonst bekannten in Einklang bringen lassen29). Daß gerade Gottfried die Juden durch seine Drohungen in Schrecken setzte, ist leicht verständlich. Nach der Untersuchung Breysigs30) war er „von einem Glaubenseifer beseelt, der ihn selbst in jener von religiösen Strömungen so mächtig beherrschten und bewegten Zeit vor andern hervorragen läßt". Bei der kriegerischen Natur Gottfrieds ist es nicht auffällig, daß seine Religiosität mit Haß gegen die Juden verbunden war. Besonders große Wirkung mußten seine Drohungen gerade in Lothringen haben, wo die Bevölkerung, durch Hungersnot erregt, leicht aufgereizt werden konnte31). Tatsächlich kam es hier auch bald zu Unruhen (Qu. I, S. 25) 32). Die Besorgnis der rheinischen Juden war also nicht unbegründet, zumal der König zu jener Zeit in Oberitalien weilte33). Die durch Gottfried hervorgerufene Beunruhigung scheint auf das Rheinland übergegriffen zu haben, wo die Juden ihn in Köln und Mainz durch Bestechung zu besänftigen suchten (s. Qu. I, S. 3). Der Mainzer Vorsteher Kalonymos schickte eiligst einen Boten an Heinrich IV. Bezogen sich die Vorstellungen des Mainzer Vorstehers nur auf seine Gemeinde, oder c handelte Mainz als Vorort aller deutschen Juden? (Ueber die auch sonst bekannte zentrale Stellung der Mainzer Gemeinde in wirtschaftlichen und geistigen Dingen vgl. u.). Aus dem Schutzbefehl' Heinrichs, der an alle Fürsten, Bischöfe und Grafen gerichtet ist, ergibt sich das Letztere. Die Beschwerde der Juden beim König 29) Vielleicht läßt sich der Abschnitt über Gottfried nach folgenden Erwägungen datieren. Es scheint, daß man die Ereignisse jedenfalls vor die Speyerer und Wormser Verfolgung (3. Mai; 18.—25. Mai) setzen darf, "da in dem Berichte nur die Drohungen Gottfrieds, nicht aber stattgefundene Verfolgungen erwähnt werden. Auch der Schutzbefehl, der an alle Fürsten Bischöfe und Grafen, im besonderen an Gottfried gerichtet ist, will die drohende Gefahr abwenden, deren Folgen vorauszusehen waren. Falls andererseits Gottfried ebenso wie Gottschalk (Meyer v. Knonau IV, S. 494 f.) erst von Peter von Amiens die Anregung zum Kreuzzug erhalten hätte, der sich in der ersten April woche in Lothringen aufhielt (Meyer v. "Knonau IV, S. 488), so würde man seine Drohungen, erst in diesen Monat, evtl. in die zweite Hälfte des April setzen können. Auch ist aus dem Berichte zu ersehen, daß wenigstens in Trier erst nach dem Abzug Peters die Stimmung sich gegen die Judeta: wandte. so) Gottfried von Bouillon vor dem Kreuzzuge, Westdeutsche Zeitschrift XVII, S. 196. 31) Meyer von Knonau IV, S. 481. 32) Wenn auch bei den hebräischen Schriftstellern dieser Zeit Speyer, Worms und Mainz zu „Lothringen" (Wfr fli*) gerechnet wurden (Groß, Gallia Judaica s.v. i'ni!?), so kann das Wort sich an unserer Stelle doch nicht auf diese Städte beziehen, da die Verfolgungen hier erst im Mai einsetzten. 3S) Meyer von Knonau IV, S. 474. 47