Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1
- Article
- Heinrichs IV. Verhalten zu den Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 7)
- Language
- German
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Sara Schiffmann. Heinrichs IV. Verhalten zu den Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges gegen uns erregt, denn auch sie hielten zu ihnen (den Kreuzfahrern), die Juden vollständig auszurotten auf dem ganzen Wege bis nach Jerusalem." Tatsachlich erwähnt III die Teilnahme der Bürger an den Verfolgungen in Speyer und Worms, während I und II hier nur allgemein von den „Feinden" sprechen. Die wenigen subjektiven Bemerkungen erinnern an die von I; sie erlauben uns nicht, die Reflektionen des Verfassers von III als ihm eigentümlich anzusehen. Die uns erhaltenen Berichte bieten reichen Stoff über die sozialen Verhaltnisse und geben Aufschluß über das Verhalten der verschiedenen Stände zu den Juden. Wir wollen, von unseren Quellen ausgehend, die Beziehungen des Königs und der Bischöfe zu den Juden untersuchen. Unsere Aufgabe wird sein, die betreffenden Nachrichten herauszuheben, sie mit den vorhandenen externen Quellen kritisch zu vergleichen, sie in das Geschichtsbild der Zeit einzufügen und schließlich auf Grund des so gewonnenen Bildes nach den Motiven der Beteiligten zu fragen. Heinrich IV. erwähnen I und III; I mitten im Bericht über die Mainzer Ereignisse21); III im Bericht über die Speyerer. Wir lassen hier den Text in deutscher Uebersetzung folgen. . Qu. I, S. 3: „Zu jener Zeit erhob sich der Herzog Gottfried22) — seine Gebeine mögen zermalmt werden — in seinem harten Sinne, denn ihn hatte der Geist der Unzucht berückt, mit den Kreuzfahrern zu ziehen, und er schwor, Böses zu tun; er wolle nicht aufbrechen, ohne das Blut des Gekreuzigten am Blute Israels zu rächen. Er wolle weder Rest noch Flüchtling übrig lassen von allen, die den Namen Jud« trügen, und er wurde von Zorn gegen uns erfüllt. Jedoch wurde hervorgerufen ein Mann, der in die Bresche trat, ausgezeichnet in seiner Generation, ein Gottesfürchtiger, der würdig war, auf dem innersten Altar geopfert zu werden, der Parnas23) R. Kalonymos24) aus der Gemeinde 21) Der Anfang des Berichtes besteht aus lose miteinander verbundenen Abschnitten, die nicht in ihrer chronologischen Reihenfolge geboten werden. Der Mainzer Bericht knüpft an die Verfolgungen von Speyer and Worms an und gibt den Eindruck wieder, den sie auf die Mainzer Gemeinde gemacht haben; dann scheint der Erzähler die Vorgeschichte der Mainzer Verfolgung beschreiben zu wollen und beginnt mit unserm Abschnitt. In einem kurzen Teil wird die drohende Stimmung gegen die Juden geschildert und im nächsten Absatz mit dem Aufruf des Papstes und der Klage über das Schicksal dei? Mainzer Gemeinde in Verbindung gebracht Es folgt die auch von Ekkehard und Albert von Aachen (s. Berichte, Anm. 89) berichtete Erzählung von der Gans; bei dem Zusammenstoß werden die Juden von angesehenen Bürgern feschützt. Daran schließt sich die ergreifende Schilderung der Verfolgung vom 7. Mai. 22) Gottfried von Bouillon wurde von seinem Onkel, Herzog Gottfried von Niederlothringen, 1076 zum Nachfolger bestimmt; er konnte aber das Herzogtum erst 1089 in Besitz nehmen, da Heinrich IV. es vorher seinem Sohne Konrad zugewiesen hatte; vgl. Meyer von Knonau, Jahrbücher IV, 249. 2S) Das Wort wird zuerst im Targum Jesaja XXII, 15 erwähnt, sodann: mehrmals im Talmud (vgl. Jewish Encyclopedia s. v.). Einen Parnas finden wir auch in Speyer (Qu. III, S. 48) und in Köln (Qu. I, S. 20; Salfeld, Marty/- rologium, S. 9). Caro I, S. 170 f. identifiziert den archisynagogus der Speyerer 45