Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1
- Article
- Heinrichs IV. Verhalten zu den Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 6)
- Language
- German
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Sara Schiffmann. Heinrichs IV. Verhalten zu den Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges den") und ihre einzelnen Führer schmäht und über ihre Niederlage in Ungarn frohlockt (S. 30), sieht er doch hierin die beginnende Verwirklichung des göttlichen Strafgerichts. Ebenso stark aber spricht aus ihm die Sehnsucht nach der messianischen Zeit, in der alle Völker sich ihrer Schuld gegen Gott und sein Volk bewußt werden (S. 17, 9f.; 23, 51). In den subjektiven Partien, besonders aber in der Darstellung der Ereignisse verrät sich die künstlerische Begabung des Verfassers. So weiß er die Vorgänge in lebendigen Farben zu schildern und läßt uns die wachsende Spannung nacherleben. Er bleibt nicht bei einer allgemeinen Schilderung der Vorgänge, sondern sucht durch Beschreibung konkreter Vorfälle einen stärkeren Eindruck zu erwecken16). Auch beschränkt er sich nicht auf "das rein Tatsächliche, sondern gibt Zusammenhänge, Ursachen und Motive. II scheint, wie erwähnt, im prosaischen Teil ein Auszug aus I zu sein. Der historische Wert von II kann also nur gering sein. Abgesehen von einigen wenigen Zusätzen, deckt sich II vollständig mit I, selbst in den subjektiven Partien, die I gegenüber als Bruchstücke erscheinen, bis auf die Klage über das Schicksal der Kölner "Gemeinde, die in ein Klagelied ausklingt (St, 45, 7 ff.)17). Darum läßt sich' auch wenig über die Persönlichkeit des Verfassers aussagen. TDie allgemeine Meinung der Kritik ist, daß dieser Bericht uns am besten überliefert ist Der Bericht über Mainz in III deckt sich vollständig mit dem in 118). Dagegen wird uns umfangreicher Stoff über die Verfolgungen in Speyer und Worms geboten, den wir in I und II vermissen; in der Art der Erzählung und manchen Ausdrucken zeigt sich Aehnlichkeit mit I19). Auch die Einleitung enthält einige bemerkenswerte Einzelheiten, die in den anderen beiden Quellen fehlen. III allein berichtet, wie „Fürsten, Grafen und Volk" von Frankreich' nach Jerusalem aufbrachen und wie die Angststimmung der französischen Juden auf die deutschen übergriff. Nur III hebt die Erregung der Mainzer Gemeinde bei den ersten Nachrichten von Unruhen in Deutschland hervor20). Bemerkenswert ist weiter der Satz: „In allen Städten, in die die Kreuzfahrer kamen, wurden die Bürger iß) Daß er den Leser immer vor Augen hat, zeigt S. 17, 22. 17) Ob der Bericht von Elieser ben Nathan stammt, von dem vier Klagegedichte in den Text eingeschaltet sind, läßt sich nicht mit Sicherheit sagen (s. o.). Von ihm besitzen wir noch einige Elegien, die sich auf die Verfolgung beziehen (s. Zunz, LG. 261). Daneben haben wir Klagelieder anderer Zeitgenossen. Von historischem Wert ist das Gedicht des Kalonymos ben Jehuda (s. über ihn Zunz, Synagogale Poesie des Mittelalters, 1920, S. 196): D'D ]rY> "»a (Bernfeld, Sefer ha-Demaot, I, S. 202 ff.) mit der Fortsetzung des Eleasar aus Worms (vgl. Zunz LG. 166, 15; 255 f.; 319, 17 B). 18) S. unten. ") Vgl. Porges S. 198. 20) Das Schreiben an die französischen Juden Qu. III, S. 47; die Ankunft der Kreuzfahrer S. 48, 7. 9. 44