Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Regensburger Judenstadt
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 21)
- Language
- German
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Adolf Schm etzer. Die Regensburger Jadenstadl Regensburger Juden dezimiert worden sein. Will man aber ihre vollstandige Ausrottung annehmen, obwohl sich hier Reste der Romanen, ihrer Schicksalsgenossen, sicher erhalten haben, so wäre doch höchst wahrscheinlich, daß sie sich in der etwas ruhigeren ostgotischen Zeit, als der Dux hier saß, wieder eingefunden und ihre alten Wohnsitze wieder aufgebaut haben. Die Judenstadt lag innerhalb der Altstadt, kam aber durch Arnulfs Stadterweiterung in die Mitte der vergrößerten Stadt Ist es denkbar, daß man den Juden erst nach 919 oder kurz vorher diese bevorzugte Lage eingeräumt und zu dem Zweck zahlreiche Christenwohnungen freigemacht hätte? Zur Vervollständigung des gewonnenen Bildes sollen schließlich noch zwei Dinge, der Markt und die Absperrung der Judenstadt, besprochen werden. Wir haben gesehen, daß sich die Juden bei der Aufteilung des Römerlagers die ihrem Handel günstigste Wohnlage sicherten. Der zwischen Lager und Dorf eingerichtete römische Markt scheint schon unter den Agilolfingern in die Stadt und zwar auf den Domplatz verlegt worden zu sein, wo ihn offenbar auch die Karolinger belassen haben; vor 934 wies Herzog Arnulf der Stadt einen neuen Markt beim heutigen Rathaus an, ohne die schon vorhandene Marktstelle aufzuheben. Zu diesen Zeiten nahm den ganzen Ostteil der Stadt die alte Agilolfingerburg oder die neue Kaiserpfalz am Moltkeplatz ein, woran sich der Dom und die geistlichen Wohnsitze anschlössen; im Westteil der Altstadt und in Arnulfs Neustadt aber haben sich Handel und Gewerbe aufgetan. Daß demnach die mittelalterlichen Märkte und Geschäftsviertel in die Nähe der Judenstadt zu liegen kamen, war für letztere ein besonderer Glücksfall. Albert von Hofmann kehrt die Sache aber um, indem er die Judenstadt bei diesen Märkten entstehen läßt Das zähe Festhalten an religiösen Formen und rituellen Gesetzen brachte das Judentum allmählich in immer schärferen Gegensatz zu der zugkräftigen neuen Gedankenwelt und dem Bekehrungseifer des Christentums. Ihr Beisammenwohnen an größeren Orten, das schon im Altertum die Regel war, entsprang in erster Linie dem natürlichen Gefühl der Zusammengehörigkeit, wie sie z. B. bei den Friesen in den Rheinstädten oder bei den Deutschen in Prag zu beobachten ist Anscheinend aber erst im hohen Mittelalter erhielten in den Städten die anfangs offenen Judenviertel durch Mauern und Tore eine starre Abgrenzung gegen die christlichen Stadtteile. Aus dem Jahre 1084 stammt meines Wissens die früheste Nachricht von der Ummauerung einer Judenstadt, angeordnet in Speyer von Bischof Rüdiger, um die Juden vor der Frechheit des Pöbels zu schützen (ne a pecoris turbe insolentia facile turbarentur; Aron. 168). Auf dem vierten Lateranischen Konzil von 1215 wird den Juden beiderlei Geschlechts eine besondere Kleidung vorgeschrieben und verboten, sich in der Karwoche öffentlich zu zeigen (Aron. 395). 1267 beschließt das Konzil zu Wien, daß die Juden, um sie von den Christen zu unterscheiden, wie vor Alters, den in 38