Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Regensburger Judenstadt
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 19)
- Language
- German
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Adolf Schmelzer. Die Regensburger Judenstadt die ganze Judenstadt nördlich davon. Sieht das nicht geradeso aus, als hätte sich die erste Anlage des Judenviertels auch nach der via principalis richten müssen und seien die genannten fünf Gebäude erst entstanden, nachdem die Straße südwärts verschoben worden war? Diese militärische Hauptstraße scheint nämlich für den nachrömischen Verkehr nie besondere Bedeutung erlangt zu haben, wie aus der Abriegelung der Gesandtenstraße durch die Arnulfsmauer und aus den vielen starken Verkrümmungen und Einschnürungen des anfangs breiten geraden Zuges zu schließen ist. Ihre südwärtige Verschiebung begann um das Jahr 850, als die Alte Kapelle mehr Platz beanspruchte und für die Kassianskirche ein Zugang zu schaffen war. Das nützte auch den geistlichen Wohnsitzen südlich von der Kathedrale, die sich jetzt räumlich besser entfalten konnten. Bei der Judenstadt entstand dadurch eine an sich unnötige Straßenverbreiterung, die ihr zur erwünschten Ausdehnung wohl um den Preis besonderer Gegenleistungen freigegeben werden konnte; denn daß man zu diesem Zweck Christenhäuser geopfert hätte, wäre auch in der Zeit vor den Judenverfolgungen kaum geschehen. Damit wird eine kleine Grenzverschiebung der Judenstadt gegen Süden etwa im 10. Jahrhundert sehr wahrscheinlich, anderseits aber ihr vorheriger Umfang erkennbar. Weiterhin folgt daraus, daß vor dieser Zeit die Synagoge anderswo gestanden haben muß, denn die im Jahre 1519 zerstörte hätte zur Hälfte in die via principalis hineingereicht. Für die älteste Synagoge kann nur der einzige, in der frühesten Judenstadt nachweisbare Platz am Südende der Tändlergasse in Frage kommen; wovon der heutige Kramwinkel noch ein Rest ist An diesem, in den erwähnten Urkunden von 1206 und 1210 forum Puhanswilin und Pawranswinkel genannten Platz stand um die nämliche Zeit das Hospital E 28, das mit dem südlich angrenzenden Haus E 29 bis 1345 Eigentum der Judengemeinde war. Der Name Brunnhaus für E 29 kann sehr wohl auf das erste Ritualbad an dieser Stelle deuten. Die Synagoge mag samt dem Ritualbad etwa im 10. Jahrhundert in den Geländezuwachs, der sich aus der südlichen Verschiebung der via principalis ergab, verlegt worden sein, wo sie, wie die Stadt überhaupt, den zahlreichen Bränden jedenfalls mehrmals zum Opfer fiel, bis man sie kurz vor i227 durch einen umfangreicheren Neubau ersetzte. Ihr unmittelbarer Vorgänger war nach einem Gutachten des Rabbi Ephraim ben Isaak (zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts) mit Tiergestalten bemalt, wofür, die Architekturplastik und die Handschriften des 12. Jahrhunderts Muster enthalten (Krautheimer, Mittelalterl. Synagogen, S. 116). Andere nachträgliche Erweiterungen der Judenstadt können nicht nachgewiesen werden, sind auch nicht wahrscheinlich, woraus wieder hervorgeht, daß die Judengemeinde bei der Gründung ihrer Stadt ansehnlich groß gewesen sein muß. Da, wie schon angedeutet, auch in der langen Zeit von der Römerherrschaft bis zum Jahre 981 keine unmittelbaren Beweise für Judenwohnungen in Regensburg zu erbringen sind, muß man im weiteren Deutschland und seinen Nachbarländern danach Umschau halten. 36