Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Regensburger Judenstadt
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Adolf Schmelzer. Die Regensbur«er Judenstadt gelegten Soldaten, wird der verfügbare Platz voll besetzt worden sein, ja kaum für alle ausgereicht haben. Daß die Juden bei diesem Wettlauf, der damals unter den Dörflern eingesetzt haben wird, frühzeitig aufgestanden sind, läßt sich herausfühlen, ebenso daß sie sich — vielleicht durch entsprechende Nachhilfe, was man im Mittelalter „Ehrungen" nannte — den für sie geeignetsten Platz gesichert haben. Dieser lag, wie erwähnt, am verkehrsreichen Westtor, und zwar auf der Seite gegen die Donau zu, eben da, wo unsere Judenstadt gestanden hat. Deshalb wird die Judenstadt schon um 330 entstanden sein und — aus naheliegenden Gründen — nicht erst später an Stelle von Christenwohnungen. Auch ihre nachträgliche wesentl iche Erweiterung ist recht unwahrscheinlich. Wie hat sich nun die Judenstadt dem Zug der bedeutenderen römischen Stadtstraßen eingefügt? Hierbei kommt zunächst die via sagularis, die Wallstraße, in Betracht. Sie führte überall innerhalb der Lagermauern herum in einer Breite von etwa 90 römischen Fuß, gleich rund 27 m, und diente dem raschen Aufmarsch und Ansetzen! der Verteidiger. Diese Wallstraße ist längs der Ostmauer und, erst im letzten Sommer, an der Südmauer ungefähr in der angegebenen Breite nachgewiesen worden und hat sicher auch längs der Westmauer bestanden. Die oben gefundene Westgrenze der Judenstadt halt nun gerade 27 m Abstand von der Römermauer ein, was die Gleichzeitigkeit von Wallstraße und Judenstadt nahe legt. Als dann die kurzlebigen Gewalten der Völkerwanderung und um 535 die Bajuwaren heranzogen und nacheinander das feste Regensburg zu ihrer Hauptstadt machten, haben sie als die neuen Herrn selbstverständlich die bevorzugten Stadtteile in Anspruch genommen und von den Romanen, den fremdstämmigen Nachkommen der ersten Gewalthaber, gesäubert, ohne diese gerade alle totzuschlagen. Der vornehmste Stadtteil war die Herzogsburg im Nordosten, hervorgegangen aus dem römischen Eckkastell; da lagen die Judenhäuser schon auf der Abseite beisammen und konnten bleiben; neben diesen, längs der Ostseite der Wahlenstraße, haben die Romanen neue Wohnsitze erhalten; denn die nunmehr unnötig breite via sagularis vertrug schon eine Einschränkung. "Hier haben die Romanen oder Wälschen im Anschluß an die Judenhäuser dauernd beisammen gewohnt und der Straße den Namen gegeben. Die östliche Häuserflucht der Wahlenstraße steht überall gleichweit, rund 10 m, von der Römermauer ab, ist also offenbar nach dieser gerichtet worden. Nach der ersten Stadterweiterung durch Herzog Arnulf um 919 ist dann die römische Westmauer gefallen und der heutige Zustand angebahnt worden, insbesondere das Entstehen der westlichen Häuserreihe in der Wahlenstraße. Was ferner die römische Hauptstraße, via principalis, anlangt, so durchschneidet sie den südlichen Teil des Neupfarrplatzes in wahrscheinlich 60 römische Fuß oder 173/4 m Breite. Ausgenommen die Synagoge, das Ritualbad mit den zwei Angrenzern und das Nachmannhaus, die sämtlich in oder südlich von dieser Straße stehen, liegt 3* 35