Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Regensburger Judenstadt
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Adolf Schmetzer. Die Regensburger Judenstadt den war, das samt dem westwärtigen Lagerdorf Radaspona schließlich 10 000 Menschen vereinigt haben wird, ergab sich für den Handel ein größeres lohnendes Arbeitsfeld. Von den daran wohl sicherlich beteiligten Juden ist anzunehmen, daß sie sich in einem besonderen Teil des Lagerdorfs zusammengetan haben, wie das im Altertum überall, auch in Rom, die Regel war. lieber diese Wahrscheinlichkeiten hinaus führen uns einen Schritt weiter die örtlichen Zustände und Begebenheiten des 4. Jahrhunderts. In fortschreitender Erkenntnis unserer römischen Stadtanlage konnte im Vorjahr der Verlauf der Westmauer sicher bestimmt werden. Ihre Außenflucht fällt zusammen mit der Westgrenze des Hauses Wahlenstraße 24 (Plaut, Firma Gerstel) und keilt sich nordwärts gegen die Westflucht der Wahlenstraße allmählich aus, um sie bei Nr. 4 und 2 (Weschke und Allianz) fast zu erreichen. Von Ost nach West querte die via principalis, die Hauptstraße, das Lager. Die Achse der porta principalis sinistra, ihres Westtors, fiel etwa mit der Platzmitte beim Plauthaus zusammen, und ein Flankenturm des Tors stand im Südteil dieses Hauses. s Außerhalb des Tores führte zunächst die Gesandtenstraße gradaus zur via Augustana, der wichtigen Verbindung mit Augsburg, dann längs des Festungsgrabens die Bachgasse; schließlich die schräge Rote Hahnengasse ins Lagerdorf. Rechts von dieser, gegen die Bachgasse zu, ist ein einfaches Amphitheater zu vermuten und auf der andern Seite oder an der Haide ein Marktplatz (forum). Von diesen Anlagen hat sich zwar noch keine Spur gefunden, sie scheinen aber beide, besonders der Marktplatz, an einem Sammelpunkt von 10 000 Menschen unentbehrlich und können kaum anderswo als zwischen Lager und Dorf gewesen sein. Damit wird das Westtor zum verkehrsreichsten des ganzen Lagers, was sich auch darin ausspricht, daß es in seiner Anlage ebenso breit war, wie das militärische Haupttor, die porta praetoria, und breiter als die andern zwei Lagerausgänge. Die Diokletianische Heeresreform hat die schwerfälligen Legionen in kleinere beweglichere Einheiten aufgeteilt; von den 6000 Mann der hiesigen Besatzung wurden 5000 an andere Orte verlegt. Da die zurückgebliebenen 1000 Mann das große Legionslager mit 2000 m Umfang nicht mehr erfolgreich decken konnten, wurde innerhalb desselben, und zwar in der Nordostecke, ein befestigtes Kastell eingebaut, das etwa den achten Teil des Lagers in Anspruch nahm und vermutlich .um das Jahr 330 fertig war. Dazu kam aber noch ein gegen Süden angrenzender großer Exerzierplatz, sodaß immerhin ein Drittel der Lagerflache für militärische Zwecke belegt blieb. Der sonach frei gewordene Lagerraum wurde nun den Bewohnern des Lagerdorfs eingeräumt, die die Möglichkeit, fortan im Schutze der Festungsmauern zu wohnen, jedenfalls hoch angeschlagen haben. Die Gesamtzahl der Dörfler, die aus Händlern, Handwerkern und Veteranen mit ihren Familien bestand, wird etwa 4500 betragen haben. Da sie für ihre Wohn-, Arbeits-, Stall- und Hofräume, auf den Kopf gerechnet, natürlich mehr Fläche nötig hatten als die eng zusammen- 34