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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 1 · p. Seite 33

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 1
Article
Die Regensburger Judenstadt
Date
1931-01-01
Page
Seite 33 (sequence 16)
Language
German
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Adolf Schmelzer. Die Regensburger Judenstadt einleuchtend, daß die Judenhäuser viele Stockwerke hatten (Gemeiner IV, 359). Hiermit ist für den Anfang des 16. Jahrhunderts die Gestaltung der Regensburger Judenstadt wenigstens der Hauptsache nach aufgeklärt. Sofort tauchen nun aber andere Fragen auf: wann, in welcher Form und Größe sie entstanden ist, welche Wandlungen sie erfahren hat. Die früheste Nachricht über einen Regensburger Juden bringt eine Urkunde vom Jahre 981, wonach Kaiser Otto II. dem Kloster St. Emmeram das Eigentum an dem Landgut Scierstat im Vorort Regensburgs (Stadtamhof) bestätigt, das das Kloster mit kaiserlicher Erlaubnis von dem Juden Samuel erkauft hatte samt allen Höfen und Gründen, Wiesen und Weiden, Wegen und Stegen, Aeckern und Brachen und Zugehörungen (Rat. Monast. Urkunden, S. 121). Daraus geht hervor, daß die Juden damals noch Grund und Boden zu eigen haben durften, daß das Landgut eine ansehnliche Liegenschaft und Samuel ein reicher Mann war, der wahrscheinlich in Regensburg gewohnt hat. Laut dem Emmeramer Schenkungsbuch werden zwischen 1006 und 1028 drei Höfe in Regensburg nahe bei den Judenhäusern („prope Judaeorum habitacula") dem Kloster geschenkt (Quellen und Erört. I 24); hier wird zum ersten Male die Judenstadt erwähnt. Der Emmeram er Benediktiner Otloh spricht um 1060 von einem hiesigen Juden Abraham (Hber visionum M. G. 383). Ferner verleiht der Abt von Pruel im Jahre 1156 den Juden ein Anwesen (Predium ad Judeos. Ried I. 227). Von da ab fließen die Quellen reichlicher. Besteht nun die Wahrscheinlichkeit, daß schon vor 981 Juden in Regensburg waren? Unter den hiesigen Juden war die Tradition erhalten, ihre Vorfahren hätten schon 300 Jahre vor Christus in unserer Gegend gewohnt. Sie machten das im Jahre 1477 sogar vor dem Kaiser geltend und beriefen sich dabei auf einen Brief, worin ihnen die Juden Jerusalems von der erfolgten Kreuzigung Christi Mitteilung gemacht hätten (Ostrofrancus). Wenn auch dieser eigentumlichen Briefgeschichte die offenbare Absicht zugrunde liegt, die Unschuld der Regensburger Judenschaft an der Kreuzigung darzutun, so kann die zäh festgehaltene Ueberlieferung immerhin auf eine sehr frühzeitige Judensiedlung dahier deuten. Es ist bekannt, daß schon im 3. Jahrhundert Juden, wohl als Kaufleute, am Rhein wohnhaft waren, ferner daß den römischen Legionen stets Händler auf dem Fuße folgten, insbesondere auch dahin, wo feste Lager errichtet wurden. Nach den Grabsteinfunden in Mainz und Bingen sind schon zur Zeit der julischen Kaiser jüdische Soldaten im Rheinland gewesen. Auch das Keltendorf Radaspona in seiner günstigen Verkehrslage war jedenfalls ein Anziehungspunkt für Handelsleute, in verstärktem Maße seit dem Jahre 80, als das Kohortenlager auf dem Königsberg von Augsburg gegründet worden war. Das alles ging jedoch unter im Markomannenkrieg. Nachdem aber bald darauf, im Jahre 179, das starke Legionslager gegenüber der Regenmündung errichtet wor- 3 33

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