Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Regensburger Judenstadt
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 15)
- Language
- German
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Adolf Schmelzer. Die Regensburger Judenstadt ein größerer Platz unentbehrlich; ein zweiter kleinerer (forum) ist in der Nordwestecke der Stadt nachgewiesen worden. Daß die Residenzstraße und die Tändlergasse ziemlich geradlinig bis zum Synagogenplatz fortführen mußten, leuchtet ohne weiteres ein, ebenso die Annahme einer mittleren Straße zwischen dem Forum und der Synagoge; ein etwaiger Querweg längs der Nordflucht des Neupfarrplatzes, der zum Osttor führte, mag vielleicht nur aus Hausdurchgängen bestanden haben. So erhält man eine recht zweckmäßige Stadtanlage mit drei langen öffentlichen Gassen, wie schon Gemeiner (III, 776) annimmt. Sie ist nur noch daraufhin zu untersuchen, für wieviel Menschen sie Wohnfläche bietet. Ziemlich glaubwürdig spricht Ostrofrancus im Jahre 1519 von 30 Judenhäusern und 580 Einwohnern einschließlich der Hochschüler, Frauen und Kinder. Den Entwurf zu einer Gemeindeordnung der hiesigen Juden vom Jahre 1497 haben 11 „Gesetzte" verfaßt und 32 „Sitzer der Judengassen" unterschriftlich anerkannt (Gemeiner IV, 12). Unter Gesetzte und Sitzern, die noch dazu die Besten der Gemeinde genannt werden, darf man sich etwa alle Hauseigentümer vorstellen, wonach es 43 Häuser gegeben hätte. Dieser Widerspruch gegen Ostrofrancus klärt sich wohl so auf, daß hier das sog. Stockwerkseigentum üblich war, bei dem die Stockwerke eines Hauses verschiedenen Eigentümern gehören, oder daß Vorderhaus und Hinterhaus eines Anwesens in zwei Händen waren. Rechnet man nun auf jedes der 43 Häuser 2 bis 3 Familien zu je 5 Köpfen, so bestätigt sich die von Ostrofrancus angegebene Kopfzahl. Die schematische Austeilung auf dem Plan zeigt, daß innerhalb der gefundenen Grenzen die 30 Häuser des Ostrofrancus, dazu Schule, Spital und Stadel sowie die angenommenen Freiplätze untergebracht werden können, womit die umständlich erhobene Abgrenzung der Judenstadt eine weitere Stütze erhält. Städtebaulich betrachtet, ist die Anlage unserer Judenstadt gut durchdacht gewesen: der große Platz, in dem die Synagoge steht, bildet den beherrschenden Haupt- und Mittelpunkt der ganzen Anlage; die drei von hier nordwärts führenden Gassen lassen, obwohl eng, doch in jedes Haus einen Sonnenstahl dringen; die Tore ermöglichen nach allen Richtungen hin, besonders wenn man das am Spielhof dazu rechnet, einen glatten Verkehr mit der Christenstadt. Ueber die gewöhnliche Erscheinung, daß die in Städten wohnenden Juden auf engem Raum zusammengepfercht sind, kommt man allerdings auch hier nicht hinaus. Um das Jahr 1500 treffen bei 11 800 qm Fläche und 580 Einwohnern der Judenstadt auf den Kopf nur 20 qm, in der ganzen Stadt bei 1000 000 qm Fläche innerhalb der Stadtmauern und 21 500 Einwohnern jedoch 46 qm. Vergleicht man damit die Verhältnisse des Jahres 1925, so wohnten innerhalb der alten Stadtmauern 31000 Menschen, sodaß auf den Kopf immer noch 32 qm kommen. Um die Wohnungsdichte der Judenstadt zu erreichen, müßten heute innerhalb unserer mittelalterlichen Stadtumwallung statt 31 000 über 50 000 Menschen untergebracht werden. Es ist deshalb 32