Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Regensburger Judenstadt
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Adolf Schmetzer. Die Regensburger Judenstadt Die erwähnte Stelle aus Gemeiners Regesten ist deshalb so zu deuten, daß die Dompropstei zwischen dem Domplatz und dem Judentor lag und das Judentor etwa in der Mitte der Residenzstraße, da in der Südhälfte des Propsteianwesens nur Nebengelände zu vermuten sind. Damit wäre die Ostgrenze der Judenstadt einigermaßen umrissen; aber auch für die Westgrenze lassen sich Anhaltspunkte finden. Zunächst sei festgestellt, daß die Wahlenstraße als älteste Straßenbenennung Regensburgs auftritt; schon 1138 wird ein Haus „inter latinos" erwähnt (R. U. 23). Die Wälschen, auch Romanen genannt, sind Abkömmlinge des christlichen römisch-germanischen Volksrestes, der dahier die Stürme der Völkerwanderung überdauert hat. Wohl unter äußerem Zwang haben sie sich in der Wahlenstraße zu einer Art landsmannschaftlicher Niederlassung zusammengetan. [Der in vielen Urkunden, z.B. von 1286, 1290, 1311, 1324 (R. U.), überlieferte Name Walhenstraße — aus Walchen, Wälschen entstanden — ist jedenfalls richtiger als die heutige Schreibweise W a h 1 enstraßej. Unter solchen Verhältnissen ist jüdischer Besitz in der Straße höchst unwahrscheinlich und auch nirgends nachweisbar. Die Westgrenze der Judenstadt muß vielmehr innerhalb des Häuserblocks zwischen Wahlenstraße und Neupfarrplatz — Tändlergasse verlaufen sein. Das Eckhaus E35 auf dem Neupfarrplatz beim Monumentalbrunnen, eines der wenigen 1519 nicht zerstörten Judenhäuser, ist erst 1857 beim Neubau des Hauses Neupfarrplatz 2 (Spengler) eingelegt worden. Eine Ansicht desselben gibt eine Skizze des Baubeamten Capeller vom gleichen Jahr. Hier ist die jüdische Volksschule anzunehmen, wofür auch die Nähe der Synagoge spricht. Eine solche Schule durfte nach einer alten rabbinischen Vorschrift in keiner Stadt fehlen, muß also hier sehr frühe schon bestanden haben. Das Westtor der Judenstadt wird in der Westflucht des Hauses zu suchen sein. 1225 verkauft die Aebtissin von Obermünster dem Judenmeister Aaron und der Judengemeinde „ires gotzhaws verlegen Hofstat und unnutzperlich under den juden gegen ihr schuel gelegen" (R. U. 52). Dieser offenbar der Volksschule nördlich anliegende Hof, der etwa den Ostteil von E 32 ausgemacht und fortan als Schulhof gedient hat, darf nicht verwechselt werden mit dem erwähnten Hof östlich von der Synagoge, der ebenfalls Schulhof genannt wurde (R. U. 705). Im Jahr 1345 hat die Judengemeinde an den Mändlein und Consorten zwei ihrer Häuser verkauft, „der ains gelegen ist ze nehst an des Freundleins haus — und daz ander ze nehst daran, daz daz Prunnhaus heizzet, und die hofstatt, die gelegen ist ze nehst an dem schuelhof an maister Samuels haus und an dez Wölfleins haus", wobei bestimmt wurde, „daz die eben genannten juden .... einen ganch und ein tür auz der egenanten hofstatt bei maister Samuels Gegend Wohnsitze hatten und daß sogar St. Johann an der Hawbortt genannt wird. Zweifellos hieß der ganze Westteil des Domplatzes die Heuport oder ähnlich. Nicht unmöglich scheint mir, daß hier ein ursprünglich deutsches Wort mißverstanden mit porta foeni latinisiert worden ist. 29