Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Regensburger Judenstadt
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Adolf Schmetzer. Die Regensburger Judenstadt Versammlungs- und Lehrsaal über dem östlichen Jochpaar der Synagoge tatsächlich bestand — worauf auch der Fundort des Schlußsteins und der Rippen hinzuweisen scheint —, aber erst nachträglich aufgebaut worden ist. Zum Bau der neuen Kirche hat man Grabsteine von dem ebenfalls zerstörten Judenfriedhof hereingeschafft, der wahrscheinlich an der Galgenbergstraße südlich vom alten katholischen Friedhof unterer Stadt war, auf der sogenannten Emmeramer Breite. Auch die noch brauchbaren Steine der Synagoge selbst werden dazu verwendet worden sein; vielleicht bestehen Teile der 4 Halbsäulen des Mittelschiffs, die 73 cm Durchmesser haben, aus Säulentrommeln der Synagoge. Für die Ostgrenze der Judenstadt haben wir folgende Anhaltspunkte. Das Eckhaus Neupfarrplatz 10, jetzt den Vereinigten Bezirkssparkassen Regensburg-Land und Stadtamhof gehörig, ist 188S an Stelle der drei alten Häuser E 76, 70, 71 erbaut worden. Während des Grundaushubs hat der damalige Distriktsrabbiner Dr. S. Meyer, wie mir sein Sohn Rechtsanwalt Dr. J. Meyer mitteilte, Reste des jüdischen Ritualbades (Mikweh) feststellen können, welche Entdeckung anscheinend nicht in weiteren Kreisen bekannt wurde. Nach biblischer Vorschrift muß die Frau zu bestimmten Zeiten ein symbolisches Reinigungsbad in fließendem oder in Grundwasser nehmen; aus Brunnen geschöpftes ist nicht zulässig. Wo fließendes Wasser nicht zur Verfügung, war deshalb das kühle Bad samt Auskleideraum meist tief unter der Erde und durch lange Treppen zugänglich; am Neupfarrplatz steht das Grundwasser etwa 81/2 m tief. Der ganzen Lage nach muß das Bad in E 76 zunächst der Synagoge gewesen sein, und zwar aus einem geräumigen, viereckigen, tiefen Schacht mit eingebauten Treppenläufen bestanden haben, der sein Licht durch eine Oeffnung im überdeckenden Gewölbe empfing, wie in Friedberg (Hessen), wo das Grundwasser 24 m unter dem Erdboden stand, und in Andernach. Die Häuser E 70 und 71 werden ebenfalls zur Judenstadt gehört haben. Im Januar 1338 verspricht Nachmann „der Jud auz dem Spilhof" dem Rat von Regensburg, noch vor Pfingsten Bürger zu werden (R. U. 799). Nach R. U. 1216 verkauft im Jahr 1348 der Propst Läutbein der Löbel sein Haus „in dem Spil hof ze nochst an dem juden haus, daz weilent Nachmannz dez Juden waz und daz auch stößt an dez techantz paumbgarten von sand Johans, mit sampt der hofstet dar under und auch mit sampt dem stainberch, daz do stößt an daz haus, daz nu Fridreich der chlingsmit geckauffet hat, und mit sampt der smitt do selben, di her für get in den Spilhof"; außerdem ist noch von zwei anderen anstoßenden Häusern die Rede. Mit den Angaben dieser Urkunde deckt sich die folgende Austeilung, die noch durch einige andere Hinweise gestützt werden kann: 1. Das vom Propst verkaufte Haus war E 67, Am Spielhof 2, das vielleicht mit dem östlich angrenzenden E 64 ein Anwesen bildete. 25