Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Regensburger Judenstadt
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2259275-2259288-2259290-2260853--3308-2260901- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Adolf Schmetzer. Die Regensburger Judenstadt bereden, so muß damit ein abgeschlossener Platz bei der Synagoge gemeint sein, wo das Gericht tagte. Hier, unter freiem Himmel, sind auch die Ehen geschlossen worden. Der nach diesen Voraussetzungen und Angaben im November 1928 von mir entworfene Grundrißplan einer Synagoge für 300 Besucher hat zwei Schiffe von je 5 m Lichtweite, ferner 5 quadratische Jochpaare und an der Nordseite die Vorhalle — alles auf einer gemeinsamen Terrasse stehend, der sich ostwärts der eingefriedete und vielleicht über die Straßenfläche etwas herausgehobene Schulhof anschloß. Die zwei im vorgenannten dritten Bild vor der Ostseite der Synagoge stehenden Freisäulen, die Knäufe tragen, scheinen eine besondere Bedeutung dieser Stelle zu betonen; sie sollen offenbar die zwei ehernen Prachtsäulen Jachin und Boas nachbilden, die an der Vorhalle des salomonischen Tempels standen (1. Könige 7, 13—22). Der für unsere Untersuchung wichtige Standort der Synagoge läßt sich aus den Berichten zweier Chronisten, Leonhart Widmann und Laurentius Hochwart, bestimmen, die Augenzeugen der Vorgänge des Jahres 1519 waren und um 1550 geschrieben haben. Nachdem Widmann die Zerstörung der Synagoge und das Abräumen des Schuttes geschildert hat, meldet er: Am 21. marci fing man an and sezet ein hilzene Capellen zur pitt, eben fast an stat der sinagog. Für den Sinn dieser Nachricht ist die Bedeutung der Adverbien eben und fast im 16. Jahrhundert, sowie die Wortfolge entscheidend. Wie mir Direktor K. Kerb er mitteilt, hat eben den Sinn von genau, gleich, scharf, während fast ursprünglich sehr bedeutet, aber in der Regel vor dem Wort steht, das es verstärken soll (z. B. Ich will fast gerne darlegen. 2. Kor. 12, 15 der Lutherbibel). Hieße es im genannten Satz: fast eben, so wäre zweifellos gemeint: die hölzerne Kapelle setzte man ganz genau an Stelle der Synagoge. Nun ist aber 1. die Wortfolge die umgekehrte; 2. hat fast im 16. Jahrhundert die Bedeutung von ziemlich, beinahe angenommen; 3. gebrauchte Widmann selbst das Wort eben — allerdings adjektivisch — in der Bedeutung gleich (es ist eben, wen man einen juden taufft und ein wolff hainlich gewent, so lassen sy doch irer tück nit. 49, 23). Daraus ergibt sich der Sinn: Die hölzerne Kapelle setzte man gleichbeinahean Stelle der Synagoge — also etwa in die Gegend des Kunstbrunnens. Im vollen Einklang damit berichtet Hochwart zum 9. September 1519, daß der Grundstein der neuen Kirche gelegt wurde in loco, quo antehac .... Synagoga erat, d. h. an der Stelle, wo vorher die Synagoge war. Da der Baubeginn der Holzkapelle (21. März) und die Grundsteinlegung der Kirche (9. Sept.) so nahe beisammen liegen, hat man offenbar von vorneherein den Bau einer massiven Kirche geplant und den hölzernen Notbau so gestellt, daß er bis zur Vollendung der Kirche verwendbar war. Ostendorfers bekannter Holzschnitt: Die wundervolle Wallfahrt zur Schönen Maria, zeigt die Holzkapelle flach auf dem Platz, nicht auf der Terrasse. Die im November 1929 gelegentlich des Einbaus einer Luftheizungs- 23