Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Regensburger Judenstadt
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 4)
- Language
- German
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Adolf Schmetzer. Die Regensburger Judenstadt wäre. Dieses Bild rührt sicher nicht von Altdorf er her; schon das Fehlen der Ghettomauer wäre ganz gegen seine Art. Das Haus links von der Synagoge — offenbar heute Neupfarrplatz 14, Darmstädter Bank, — weist die Entstehung des Bildes frühestens ins 18. Jahrhundert. Trotzdem ist es aber möglich, daß alte Traditionen dabei verwertet worden sind. So entsprechen z. B. Terrasse und Turm dem Herkommen, daß die Synagoge alle Wohnhäuser überragen soll, und das obere Turmgeschoß kann sehr wohl einen Versammlungs- oder Lehrsaal enthalten haben, zu dem eine südlich angebaute Treppe emporführte. Dieses Bild zeigt übrigens eine merkwürdige Uebereinstimmung mit der Ansicht des Salomonischen Tempels in der Biblia, d. i. die gantze Heilige Schrift von H. W. Fratzscher, Erfurt 1735, A. Test S. 470. Wahrscheinlich hat man auch in Regensburg an der uralten Tradition festgehalten. Der Grundriß Krautheimers (Mittelalterl. Synagogen, S. 177) weicht wesentlich von diesen Annahmen ab. Daß er die Vorhalle an die Südseite der Synagoge stellt, scheint mir nach den eben gemachten Ausführungen kaum vertretbar; auch ist nicht erfindlich, warum aus den zwei Jochen der Vorhalle, wie sie Altdorfers Zeichnung rechts vom Synagogen eingang zeigt, drei gemacht werden. Ermessenssache ist es dagegen, ob man im Hauptraum 4 oder 5 Gewölbejoche annehmen soll. Ich halte 5 für wahrscheinlicher, weil dann der Almemor (Bima) nach dem Buchstaben der Vorschrift genau in die Mitte zu stehen käme und beim Fehlen eines besonderen Frauenraumes die Trennung der Geschlechter nach Ost und West leichter möglich wäre. Da die Juden keinen besonderen Synagogenstil herausgebildet, sondern die kirchlichen Bauformen entlehnt haben, ist ein langgestreckter fünfjochiger Bau, der etwas an die nahezu gleichzeitige Jakobskirche erinnert, sehr wohl denkbar. Aus der Rundbogenwölbung der Synagoge und aus der Festigkeit der Mauern, wie sie sich beim Abbruch zeigte, darf man wohl schließen, daß das Bauwerk aus romanischer Zeit stammt, während die Spitzbogengewölbe der Vorhalle ins 14. Jahrhundert weisen. Aus der Bulle des Papstes Gregor IX. vom 31. März 1227, veranlaßt durch einen Bericht des Abtes von St. Emmmeran, ist zu entnehmen, daß die Synagoge damals schon gebaut war (Ratisb. monast. 1752 Urk. S. 163). Ein genauerer Nachweis über die Bauzeit fehlt; aber in der Altdorf ersehen Zeichnung weisen die Eckknollen an den Säulenfüßen auf eine Bauzeit nach 1100, die zweischiff ige Anlage auf nach 1150 und die gebündelten Wandsäulen auf kurz vor 1227 hin, sodaß der Bau zwischen 1220 und 1227 entstanden sein wird. Synagogen mit der heiligen Lade gegen Osten dienten schon vor 2000 Jahren nicht nur dem Gottesdienst im engeren Sinn, wo Gebete als Ersatz der Opfer dargebracht wurden, sondern zugleich als Lehrhaus und Gerichtshaus. Der Brauch, hier in den Versammlungen am Sabbat über die Auslegung der Schrift zu debattieren, führte dazu, daß die Synagoge bereits im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung als theologische Hochschule diente. Das Wort Synagoge wird allgemein 21