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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 1 · p. Seite 20

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 1
Article
Die Regensburger Judenstadt
Date
1931-01-01
Page
Seite 20 (sequence 3)
Language
German
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Adolf Schmetzer. Die Regens burger Jadenstadt als in der anschließenden Vorhalle; das entspricht einer rituellen Vorschrift und beweist die Gewissenhaftigkeit der Zeichnung. Das Bild der schmalen, mit spitzbogigen grätigen Kreuzgewölben überdeckten Vorhalle zeigt drei Gewölbefelder und in deren vorderstem und breitestem den Eingang zur Synagoge, während rechts davon am Ende der Vorhalle eine Tür gradeaus ins Freie führt. Zwei Gewölbejoche und eine Außentüre darf man dementsprechend auch links vom Synagogeneingang vermuten und damit im Ganzen fünf Kreuzgewölbe und zwei Außentüren für die Vorhalle. Die Vorhalle muß sich nordwärts an die Synagoge, wo auch die Judenstadt lag, angelehnt haben; denn ihre Südlage widerspräche dem praktischen Sinn, den die Stadtanlage zeigt: man hätte erst um die ganze Synagoge herumgehen müssen, um zum Eingang zu gelangen. Mit dieser Behauptung sind die Altdorferschen Bilder allerdings erst in Einklang zu bringen. Ist darin der Blick nach Westen gerichtet, so käme die Vorhalle gegen Norden, wo sie hingehört. Dann kann aber der an der Westwand eingezeichnete altarähnliche Tisch nicht der immer gegen Osten stehende Aron (das Allerheiligste) gewesen sein, sondern ein etwa für milde Gaben bestimmter Tisch. Man muß sich hier der Vorgänge bei der Zerstörung erinnern. Nach Verkündigung des Ausweisungsbefehls trugen der Hochmeister und die Aeltesten alle Heiligtümer des Tempels in Rabbi Samuels Wohnung und zerstörten selbst die übrige innere Einrichtung, damit sie nicht von fremden Händen entweiht werde. Zugleich begannen auch schon Maurer und Steinmetzen das Zerstörungswerk — sicherlich am östlichen Teil. Da war es sehr wohl möglich, daß Altdorfer nur den noch stehenden Westteil der Synagoge gezeichnet und die ausgeräumte Einrichtung nach freiem Ermessen ergänzt hat. Ist aber in den Bildern der Blick nach Osten gerichtet, so darf« man daran denken, daß manchmal alte Holzschnitte oder Stiche genau so auf die Druckplatte gezeichnet wurden, wie sie dem Auge in Wirklichkeit erschienen; im Abdruck ist dann links und rechts vertauscht. Unter dieser Annahme würde also der Tisch an der Querwand den nach Osten stehenden Aron darstellen, und die Vorhalle nordwärts gestanden haben. Somit läßt sich mit diesen Bildern ein schlüssiger Beweis, die Vorhalle müsse auf der ganz abwegigen Südseite gestanden haben, nicht führen und die gegenteilige Behauptung nicht entkräften. Die geschilderte Gesamtanordnung folgt auch klar aus einem dritten Bild des Stadtarchivs, das die Außenansicht mit Blick gegen die Augustinerkirche, also gegen Westen, darstellt. Es zeigt das Bauwerk auf einer hohen gemauerten Terrasse stehend, gleich der Neupfarrkirche und dem Dom, dann einen turmartigen Aufbau über den östlichen Teil der Synagoge, die Vorhalle im Norden, die Dachungen als Plattform, aber auffallenderweise das Aeußere in Renaissancearchitektur und eine große Eingangstüre im Osten, sodaß — wie in Prag — das Allerheiligste von der Ostwand etwas abgerückt gewesen 20

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