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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 1 · p. Seite 16

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 1
Article
Dubnows "Weltgeschichte des Jüdischen Volkes"
Date
1931-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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Hanns Reißner. Dubnows „Weltgeschichte des jüdischen Volkes" menschlichen Persönlichkeit gegen die drückende Zucht 4es nationalen Kollektivganzen hatte"102). Mit Gabriel Rieß er polemisierend, führt Dubnow aus, daß „die religiöse Praxis, die Ordnung des Ritus" nur „die Schutzhülle des Kerns, des autonomen Volkes"103) .gewesen sei. Abraham Geiger hält er entgegen, „daß ohne ein lebenskräftiges, einen kulturgeschichtlichen Sondertypus darstellendes jüdisches Volk auch der Inbegriff seiner geistigen Gestaltungsformen, der Judaismus, undenkbar ist" 104). In seiner Würdigung des Werkes von Heinrich Graetz merkt er an, daß es diesem Historiker „an einer Idar durchdachten, voll ausgereiften nationalen Ideologie gebrach"105). Dubnow erkennt übrigens an, daß der „Centrai-Verein" „in Wahrnehmung der staatsbürgerlichen Interessen der deutschen Juden sowie im Kampf für ihre Menschenwürde viel geleistet*'106) habe. Im .ganzen bezeichnet er jedoch die Meinung, Judentum sei Konfession, als „nationales Marranentum"107), das „aus Furcht vor dem Antisemitismus sein jüdisches Antlitz aufs sorgsamste maskierte"108). Es .sei „schwer anzunehmen, daß Männer von dem Range eines Lazarus oder Hermann Cohen trotz ihrer Liebe für das Deutschtum im Grunde ihrer Herzen nicht ein viel tieferes und natürlicheres, sie über ihre Wahlnation hinweg mit dem angestammten Volke verbindendes Selbstbewußtsein gehegt und in völliger Verblendung jene lange Reihe von Generationen verleugnet hätten, deren Stolz es war, durch alle Jahrhunderte unter eigener Fahne zu leben"109). Cohens Philosophie sei -außerdem „nicht dazu angetan, auf die Anhänger des wissenschafblichen Evolutionismus Eindruck zu machen"no). Im ganzen fällt .sein Urteil über das deutsche Judentum schließlich durchaus positiv aus: „Selbst die assimilierte Schicht . . . scheint reich an unverbrauchter nationaler Energie zu sein"1U). Dubnow hat in der Danksagung für die ihm aus Anlaß des siebzigsten Geburtstages zuteilgewordenen Glückwünsche dieser Ueberzeugung wiederholten Ausdruck verliehen: „Ich habe, schreibt er, das deutsche Judentum stets als die Schutzwehr der jüdischen Kultur an der Grenze von Ost und West betrachtet, und ich hoffe, daß es in unserer nationalen Renaissance noch von neuem eine aktive Rolle zu .spielen haben wird"112). — Die tiefe Verpflichtung erkennend, die für das deutsche Judentum in diesem Urteil beschlossen liegt, möchten wir meinen, daß in diesem Lande in der Tat eine neue Generation heranwächst, für die die Beziehungen zwischen Volk und Gott, 102) VIII, 264. 103) IX, 52. 104) IX, 95. 10*) X, 31. 10«) X, 57. 10') X, 66. 108) X, 312. 10») X, 66. 110> X, 449. "i) X, 514. 112) Jüdische Rundschau, 1930, Nr. 85, S. 558. 16

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