Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1
- Article
- Dubnows "Weltgeschichte des Jüdischen Volkes"
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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- Safed 1× ep/1046078
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Hanns Reißner. Dubnows „Weltgeschichte des jüdischen Volkes" die Lehren voraus, die sich aus dem gesamten Geschichtsverlauf"79) ergeben. In demselben Zusammenhang meint er, das jüdische Volk sei überhaupt „für politische Wunschträume besonders empfänglich"80). Die Sendboten der zionistischen Finanzinstitute nennt er ein „Heer von Meschullachim neuzeitlichen Gepräges"81). Wir sind damit zum vierten und letzten Punkt unserer Analyse von Dubnows Geschichtsschreibung gelangt. Gegenüber dem Verhältnis der Nation zu ihrem Gott, zum Einzelwesen, zur Nachbarnation hatte Dubnow regelmäßig den Eigenwert der jüdischen Gemeinschaft als „kollektiver geschichtlicher Individualität" betont. Wie sieht er sie in ihren eigenen Lebensäußerungen an? Im Gegensatz zu Zunz und Graetz, die die jüdische Geschichte vorzugsweise als passive Leidens- und innere Geistesgeschichte auffaßten, mißt Dubnow den Zeugnissen politischer und materieller Selbstbehauptung auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet erhöhte Bedeutung zu. Er gibt nicht minder Kunde von jüdischem Märtyrertum und jüdischgeistigem Schaffen. Aber ohne die „bio-soziologische"82) Grundlegung hinge die ganze Darstellung in der Luft. Diese Ueberzeugung hat er mehrfach Gelegenheit kundzutun. Im Anschluß an die Schilderung der Kabbalistenniederlassung im mittelalterlichen Safed äußert er kritisch: „Bei dem Fehlen einer sicheren materiellen Grundlage hätte auch der geistige Ueberbau der Dauerhaftigkeit entbehren müssen"83). Die prinzipiell ähnlich gelagerten, inzwischen freilich selber „historisch" gewordenen Ausstellungen Achad Haams zur Judenstaatsideologie84) macht Dubnow sich ebenfalls vollinhaltlich zu eigen. — Dubnow schildert für jeden großen Zeitabschnitt in einem Unterkapitel auch die wirtschaftliche Lage der Juden. Für die biblischen und talmudischen Zeitläufte hat der Leser das Gefühl, die entsprechenden Abschnitte aus einer biblischen oder talmudischen Realenzyklopädie vor sich zu haben. Er erfährt viele interessante Einzelheiten über Ackerbau, Viehzucht und Handwerk im Vorderen Orient, ohne doch die notwendigen Zusammenhänge von Wirtschaft und Kultur zu erblicken. Man kann, wie Dubnow es tut, zu den Ergebnissen von Max Webers Religionssoziologie des antiken Judentums eine ablehnende Stellung einnehmen. Trotzdem bleibt Webers Fragestellung die grundsätzlich richtige und in diesem Zusammenhang die einzig mögliche. Nicht weil Juden von ihrer Hände oder ihres Geistes Arbeit gelebt haben, gebührt den Kapiteln über Wirtschaftsverhältnisse ein Platz im Rahmen der jüdischen Geschichte, ™) X, 339. so) X, 345. 8*) X, 549. 8*) I, S. XX. 88) VI, 31. 8*) X, 345. 12