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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 1 · p. Seite 11

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 1
Article
Dubnows "Weltgeschichte des Jüdischen Volkes"
Date
1931-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Hanns Reißner. Dubnows „Weltgeschichte des jüdischen Volkes" christliche Spanier eine „schmähliche Handlungsweise"67) nennen? „Die Schafe der Herde Christi" hätten sich, erklärt er den Vorgang, „durch die staatliche Futterkrippe angelockt, der Form nach" von ihrem Glauben losgesagt, und fügt hinzu: „Solche Ungeheuerlichkeiten werden unter den Juden wohl (!) kaum vorgekommen sein"68). Aber wenige hundert Jahre später kamen unter den Juden „solche Ungeheuerlichkeiten" doch vor, und zwar nicht vereinzelt, sondern in Massen. Welches Urteil hat Dubnow für diese „Tragödie des Marranentums"69) bereit? Es sind „ihrem Volk mit ganzer Seele ergebene und sich nur in ihrer Todesangst zur Anerkennung eines fremden Glaubensartikels hergebende Juden" 70). Noch für die Konversion des Pseudomessias Sabbatai Zwi findet er Entschuldigungsgründe. Dubnow spricht „von einem schwer definierbaren Gefühl..., in dem sich der Selbsterhaltungstrieb mit dem aufrichtigen Glauben an die göttliche Vorsehung paarte" 71). So verfehlt die Urteile vielfach sind, mit denen Dubnow die nichtjüdische Umwelt und ihre Beziehungen zum Judentum kennzeichnen will, so glückliche Formulierungen gelingen ihm, wenn er die Erscheinungen auf jüdischer Seite mit wenigen Worten umreißt. Die Juden sind ihm das „theophorische Volk" 72). Die jüdische Diaspora nennt er nur „eine neue Form des ehemaligen Nomadendaseins" 73). Den Uebergang des jüdischen Hegemoniezentrums von Galiläa nach Babylon begleitet er mit den Worten: „Das Judentum war zum Aufgeben seiner geistigen Positionen nicht zu bewegen; es verlegte sie nur im geographischen Raum" 74). Den Talmud charakterisiert er als „eine universitas litterarum des Judentums, den Inbegriff des ganzen speziell jüdischen und allgemein menschlichen Wissens, das der Ge> sichtskreis der Juden jener Zeit zu umspannen vermochte" 75). — „So war denn", führt er an anderer Stelle das Thema fort, „die Wissenschaft ganz in den nationalen Schranken eingeschlossen, innerhalb dieser wurde aber der Kult der Wissenschaft so weit getrieben wie bei keinem Volk der alten Welt" 76). — Für die jüdische Mystik findet er das Bild der „Nachtfackel der Kabbala" 77). Disraelis Wortkunst kennzeichnet er als „jüdisch-christliche Beredsamkeit" 78). Dem politischen Zionismus hält er die Ueberzeugung entgegen, „eine wirklich befriedigende Lösung der Judenfrage setze als Ausgangspunkt nicht die von einer einzigen Generation gesammelten Eindrücke, sondern 67) IV, 191. 68) IV, 192. 69) V, 229. 70) IV, 389. 71) VII, 73. 72) I, 348. 73) I, 325. 7*) III, 288. «) III, 307. 76) III, 342. 77) V, 231. 78) IX, 471. 11

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