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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 4 (Januar 1931) · p. Seite 303

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 4 (Januar 1931)
Article
Eine jüdische Gemeindeorganisation in Breslau zu Beginn des 18. Jahrhunderts
Date
1931-01-01
Page
Seite 303 (sequence 3)
Language
German
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Briet an die Gemeindevorsteher (D'ÖIIö) gerichtet ist, und zweitens scheinen sie infolge ihrer Zahl und ihres Reichtums in besonderem Ansehen gestanden zu haben20), da sie beauftragt wurden, auch die in Polen gesammelten Gelder nach Palästina zu befördern. Allerdings wissen wir nicht, welcher Teil Polens darunter zu verstehen ist Sicher ist nicht ganz Polen gemeint, denn dort hat sich die Vierländersynode mit den Palästinageldern beschäftigt. Man kann vermuten, daß hier die Breslau benachbarten Teile Polens gemeint sind, da die dortigen Juden die Breslauer Jahrmärkte besuchten und, wie es zu jener Zeit üblich war, dabei auch 'die gesellschaftlichen Angelegenheiten erledigten. Die Zeit, in der dieser Brief nach! Breslau niedergeschrieben worden ist, können wir ermitteln, wenn wir ihn mit den anderen dort erhaltenen Briefen vergleichen. Auch die Unterschriften der Vorsteher der aschkenasischen Gemeinde Jerusalems kann man dazu heranziehen. Es findet sich dort noch ein Brief an den Prager Rabbiner David Oppenheim, der um 1717 geschrieben worden ist21). In diesem Briefe wird erzählt, daß sich in Jerusalem noch zweihundert aschkenasische Juden befinden, dagegen spricht der Brief an die Breslauer Gemeinde von 400 Juden. Die Lage der Juden in Jerusalem war zu jener Zeit so schlecht22), daß viele 20) Für eine große Zahl in Breslau ansässiger Juden spricht auch der Titel „Schatzmeister der Heiligen Stadt Jerusalem", den der hiesige Eleasar (Lazarus) führte. Solche Schatzmeister (D'WITt *Qtt) finden wir in den größeren jüdischen Gemeinden, In Prag war es der Rabbiner David Oppenheim, der sogar den Titel „Fürst von Erez Israel" führte. (Lieben, Jahrbuch d. jüdisch-literarischen Gesellschaft, XIX, S. 29—31). Dasselbe gilt auch für Samson Wertheimer in Wien. In Frankfurt a. M. war der „Schatzmeister" Salomo Oppenheim (Jerusalem ed. Luncz X 1913, S. 255). 21) Riwkind in Reschumoth ibid., S. 321, Note 2. 22) Lieben, a.a.O., S. 31. vor Hunger starben, andere das Land verlassen mußten, so daß im Jahre 1721 fast niemand mehr dort übrig geblieben war23). Erst in den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts begannen sich die Aschkenasim wieder dort anzusiedeln24). Dies bezeugt, daß der Breslauer Brief vor dem an David Oppenheim gerichteten abgefaßt sein muß. Der Brief nach Breslau enthält u. a. noch die Unterschriften des Nathan Mannheim und des Obadja b. Isachar Ber. Ersterer wurde im Jahre 1709 nach Deutschland gesandt, um Geld für Jerusalem zu sammeln. In demselben Jahre treffen wir ihn in Frankfurt a. Main, wo er sein Buch IrTKttJ/ 25) (Kommentar zu dem kabbalistischen Werke TIS mSfi) herausgibt und sich „Gesandter der Heiligen Stadt Jerusalem (D'Vttnv oipa Vt? smVtp) nennt. Im Jahre 1710 treffen wir Obadja b. Isachar Ber in Konstantinopel, wo er sich ebenfalls „Gesandter der Heiligen Stadt Jerusalem" nennt26). In dem Briefe an David Oppenheim fehlen diese zwei Unterschriften, ein Zeichen, daß beide nicht mehr in Jerusalem waren. Wir haben auch keine weitere Nachricht, daß sie nach Jerusalem zurückgekommen seien27). Man kann daraus folgern, daß der Breslauer Brief abgefaßt wurde, bevor die beiden das Land verließen, d. h. nicht später als im Jahre 1709. Dieser Brief nimmt noch auf eine frühere Zeit Bezug, er spricht von „vor mehreren Jahren (D'W n»D -mS;)' als unser Gesandter bei euch war28)". Damit *>) Frumkin-Riwlin nnVul D^VtPTT II, Jerusalem 1928, S. 196. 2*) M.D.Gaon V'XI YWüTl Jerusalem 1928, S. 97. 2*) Steinschneider, Cat. Bod., p. 1709 Nr. 6321, 3. 26) p"nm nbwm VöVim t&mv bmipn ts?»]- Vgl. Jawitz, Torath hakanaoth (hebr.), Lemberg 1870, S. 59. 27) Frumkin-Riwlin, a. a. O., S. 146; Riwkind in „Reschumoth", Bd. V, Tel-Awiw 1927, S. 446 ff. 2*) Reschumoth IV, 319. 303

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